Mainzer versorgt Obdachlose mit Wasser

Wasserknappheit in Mainz? Es gibt Menschen, für die ist eine ausreichende Menge Trinkwasser gerade im Sommer fast unerreichbar - auch in Mainz. Justin Weisang will dagegen vorgehen und rief die Aktion „Wasser für wohnungslose Mainzer“ ins Leben.

Mainzer versorgt Obdachlose mit Wasser

Ist der Sommer richtig heiß, brauchen wir vor allem Wasser. Drei Liter sollen es am Tag sein, so die allgemeine Empfehlung. Doch so einfach ist das für einige nicht, selbst in Mainz: „Wer auf der Straße lebt, ist der Hitze im Sommer schutzlos ausgeliefert“, sagt Justin Weisang. Der 27-Jährige ist Rettungssanitäter bei den Maltesern in Mainz. So kommt er auch mit Menschen in Kontakt, die ihr Leben auf der Straße verbringen. Was diesen Menschen im Sommer am meisten fehle: sauberes Trinkwasser.

„Durch die Pandemie ist die Lage für die Betroffenen noch akuter geworden,“ so Weisang. Trinkwasser ist knapp und für Wohnungslose schwer erreichbar. „Das Geld reicht oft nicht aus, um genügend Wasser zu kaufen – oder wird aufgrund einer Sucht erst einmal für andere Dinge ausgegeben.“ Zwar werde in den Notunterkünften Wasser verteilt, doch viele Wohnungslose mögen aus Angst oder vor Scham nicht dort hingehen, erklärt Weisang. Zudem waren die öffentlichen Wasserspender während der Pandemie nicht verfügbar.

„Durst ist ein so schreckliches Gefühl“ - Justin Weisang

Vor einem Jahr schrieb Weisang einen Post auf seine Facebook-Seite. Darin rief er seine Freunde dazu auf, ein paar Euro zu spenden. Von dem gesammelten Geld wollte er Wasser kaufen und an Wohnungslose verteilen. „Durst ist so ein schreckliches Gefühl, ich wollte irgendwie helfen. Wasser sollte jedem zugänglich sein“, sagt Weisang. Anlass zu diesem Aufruf war ein Gespräch mit einem Mann namens Armin gewesen, dem er kurz zuvor nach einem Sturz geholfen hatte. Der Mann lebte seit 30 Jahren auf der Straße. „Er bräuchte dringend Wasser“, erinnert sich Weisang.

Rettungssanitäter hilft Wohnungslosen mit Spenden

Sein Aufruf hatte Erfolg, schnell waren mehrere hundert Euro zusammen, von denen er Wasserflaschen kaufen konnte. Seine Idee verbreitete sich unter den Mainzer und Weisang gründete die Aktion „Wasser für wohnungslose Mainzer“. Ende Juli 2020 hatte er 1240 Euro an Spenden gesammelt, mit denen er in einem Rewe-Markt einkaufen ging. 2100 Liter Wasser trugen er und seine Unterstützer aus dem Markt. Die Hälfte davon bezahlte er mit den Spendengeldern, die andere Hälfte stiftete der Marktleiter.

Bald konnten Weisang und sein neues Team den wohnungslosen Mainzern große Mengen Trinkwasser zur Verfügung stellen. „Wir verteilen die Flaschen im Sommer auf der Straße und bringen sie zu den Ausgaben an den für Wohnungslose vertrauten Orten“, so Weisang. Sein Ziel sei es, „frisches Trinkwasser dauerhaft und mit der nötigen Würde jedes Empfängers verfügbar zu machen.“ Jeder Einzelne zähle dabei, sagt Weisang, auch um problematische Folgen wie Kreislaufprobleme und Dehydrierungen zu vermeiden.

Unterstützung von Dr. Trabert

Die Malteser unterstützen seine Aktion mit Personal, Material und Logistiklösungen. Auch Dr. Gerhard Trabert vom Mainzer Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ hat Weisang an seiner Seite. „Er unterstützt uns mit seinem Wissen und seiner Kompetenz.“ Aktuell besprechen sie mit ihm, ob und wie sie die Wasserflaschen lagern können und ob Traberts „Kältebus“ im Sommer als „Hitzebus“ genutzt werden kann.

Das Projekt „Wasser für wohnungslose Menschen“ finanziert sich komplett aus Spenden. Kleiner Nebeneffekt: „Mit jedem Betrag spendet man nicht nur Wasser, sondern auch den Pfand“, sagt Weisang. Und diese kleinen Beträge können von jedem Empfänger individuell genutzt werden. „Das ist für mich ein Teil von Würde und Selbstbestimmung.“ Die Alternative zur Spende: „Morgens einfach eine extra Wasserflasche einpacken oder im Auto haben. Denn was man dabei hat, kann man verschenken“, sagt Weisang.

Mehr Infos und das Spendenkonto findet ihr auf der Facebookseite des Projekts oder direkt über das PayPal-Spendenkonto.

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