Europaweit einzigartig: In Ginsheim steht die letzte Schiffsmühle

Über mehrere Jahrhunderte prägten sie die Ufer entlang des Rheins: Sowohl auf der Mainzer als auch der Wiesbadener Seite gab es über 60 Schiffsmühlen. In Ginsheim steht die letzte ihrer Art.

Europaweit einzigartig: In Ginsheim steht die letzte Schiffsmühle

Um 1700 fing es an. Europaweit wurden Schiffsmühlen auf die Flüsse gestellt, 300 am Rhein, 2000 auf der Donau. Auch bei Mainz und Wiesbaden prägten Schiffsmühlen für lange Zeit das Bild des Rheins. 22 waren es allein bei Ginsheim, 24 bei Nackenheim und Nierstein und weitere 17 in Mainz. Inzwischen ist noch eine übrig, und die steht ganz in der Nähe der Weisenauer Brücke, am Ginsheimer Rheinufer.

Genau genommen ist sie ein Nachbau, in unzähligen ehrenamtlichen Stunden originalgetreu gebaut und mit etlichen alten Geräten eingerichtet. Vor genau 14 Jahren, im Februar 2008, hatte Herbert Jack einen Verein gegründet, mit dem Ziel, eine historische Schiffsmühle zu rekonstruieren, so wie es sie damals zuhauf am Rhein gab.

Drei Jahre später hatte er es geschafft: Die Finanzierung von 500.000 Euro war gesichert, der stählerne Ponton wurde in einer Schiffswerft in Speyer gebaut, Maschinen und Bauteile aus stillgelegten Schiffsmühlen wurden gesammelt und nach Ginsheim gebracht. Im April 2015 war sie endlich betriebsbereit und konnte feierlich eingeweiht werden. Seitdem wird sie allein mithilfe von Mitgliedsbeiträgen des Vereins, von Eintritts- und Spendengelder betrieben – „ohne einen einzigen Sponsor“, wie Herbert Jack sagt.

Schiffsmühlen schwammen auf dem Wasser

Im Prinzip funktionierten Schiffsmühlen wie Wassermühlen, nur dass sie tatsächlich im Fluss liegen, sie schwimmen auf dem Wasser. Ein fest installiertes Wasserrad (oder zwei) treibt die Mühle im Inneren an. Der große Vorteil war, dass Schiffsmühlen somit bei jedem Wasserstand funktionierten.

Verarbeitet wurde in ihrem Inneren Getreide zu Mehl, zunächst mithilfe von Mühlsteinen, später mit Walzen. All das lässt sich in der Ginsheimer Schiffsmühle besichtigen. Regelmäßig bieten Herbert Jack und andere Ehrenamtliche aus dem Verein Führungen an, zeigen die imposante Technik der Mühlen-Zahnräder, die unterschiedlichen Geräte und den allmählichen Fortschritt der Technik. Dort, wo früher der Lagerraum war, befindet sich ein Tagungsraum, in dem Hochzeiten und Geburtstage gefeiert werden können, Konzerte stattfinden und Lesungen.

„Diese Schiffsmühle ist einmalig in Europa“, erklärt Herbert Jack, der immer noch den Vorsitz des Vereins „Schiffsmühle Ginsheim am Rhein e.V.“ innehat.

Abbau der Schiffsmühlen Ende des 19. Jahrhunderts

Ende des 19. Jahrhunderts wurden allmählich die Schiffsmühlen in Ginsheim reduziert, erst auf 17 im Jahr 1878, 50 Jahre später stellte die letzte ihren Betrieb ein. Grund waren der Fortschritt der Technik in der Getreideverarbeitung sowie die Dampfschiffe, die beim Vorbeifahren hohe Wellen schlugen. Eine Schiffsmühle fing noch im Sommer 1880 Feuer und trieb bis zur Mainzer Schiffsbrücke. Dort sank das Eisengetriebe, der Rest trieb unter der Brücke durch auf die Mainzer Schiffsmühlen zu. In dieser Zeit standen 14 Schiffsmühlen direkt am Deutschhaus in einer langen Reihe. Zwei von ihnen wurden losgebunden, die Ginsheimer Schiffsmühle sank genau an dieser Stelle.

Als die letzte Ginsheimer Schiffsmühle ihren Betrieb einstellte, wurde sie in den Mainzer Winterhafen gebracht, als Denkmal. Später kam sie in den Zollhafen und wurde dort gegenüber des Getreidespeichers verankert. Am 27. Februar 1945 jedoch wurde sie durch Weltkriegsbomben zerstört. Und genau diese Schiffsmühle ist es, die nun – als Nachbau – wieder ihren Platz am Ginsheimer Rheinufer gefunden hat.

Wer die Schiffsmühle besuchen möchte, kann bei einer Führung teilnehmen. Von März an – wenn es das Geschehen erlaubt – werden dreimal am Wochenende sowie an den Feiertagen Führungen angeboten. Außerhalb der Führungen kann man sich als Gruppen anmelden. Für Erwachsene kostet die Führung 4 Euro, für Kinder 1 Euro, Kinder unter 6 Jahren sind frei. Mehr Infos findet ihr hier.

Logo