Zeitkapsel auf Baustelle des neuen Gutenberg-Museums in Mainz entdeckt

Aus der Zeit der Grundsteinlegung des Schellbaus stammt eine Zeitkapsel auf dem Gelände des neuen Mainzer Gutenberg-Museums. Nun wurde sie geöffnet.

Zeitkapsel auf Baustelle des neuen Gutenberg-Museums in Mainz entdeckt

Ein besonderer Fund sorgt derzeit auf der Baustelle des neuen Gutenberg-Museums für Aufmerksamkeit: Bei den aktuellen Bauarbeiten wurde eine historische Zeitkapsel entdeckt, die aus der Zeit der Grundsteinlegung des sogenannten Schellbaus stammt. Dieser wurde Anfang der 1960er Jahre errichtet – 1961 wurde damals der Grundstein gelegt.

Die Metallkapsel, die über Jahrzehnte im Mauerwerk verborgen war, wurde nun vom Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase und der Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse geöffnet. Sie enthält unter anderem eine Gründungsurkunde sowie weitere Dokumente, die Einblick in die Entstehungsgeschichte des Museumsbaus geben. Solche Zeitkapseln werden traditionell bei bedeutenden Bauprojekten eingesetzt, um Erinnerungsstücke und zeitgeschichtliche Zeugnisse für kommende Generationen zu bewahren.

Kapsel mit Symbolkraft

„Die Entdeckung verbindet Vergangenheit und Zukunft auf eindrucksvolle Weise“, so Haase. An einem Museum, das sich mit Schrift, Druck und Überlieferung beschäftigt, erhalte eine solche Kapsel besondere Symbolkraft: „Die Stadt Mainz hat in Erfüllung ihrer Ehrenpflicht gegenüber dem größten Sohn Johannes Gensfleisch zum Gutenberg im Jahre 1900 das Gutenberg-Museum gegründet“ beginnt der Text. Und weiter: Als dieser Grundstein gelegt wurde, waren seit der Geburt Gutenbergs rund 560 Jahre, seit seiner ihm in seiner Vaterstadt geglückten Erfindung der Buchdruckerkunst 515 Jahre, seit der Vollendung seiner meisterhaften 42-zeiligen Bibel 506 Jahre, seit seinem in Mainz am 03.Februar 1468 erfolgten Tode 493 Jahre vergangen. Es war das Jahr, in dem sich Mainz zur 2000-Jahr-Feier rüstete“.

Am 18. März 1961 wurde der Grundstein durch den damaligen Oberbürgermeister Franz Stein im Beisein von Vertretern des Bundestags, des Landtags, staatlicher und kommunaler Behörden, der Kirchen, Wissenschaft und Wirtschaft gelegt. Gekennzeichnet wurde er durch eine Gravur mit der Jahreszahl 1961. Hinter dem Grundstein befand sich all die Jahre die Zeitkapsel, die den Schriftsatz in sich beherbergt.

Die gefundenen Unterlagen sollen nun fachgerecht gesichtet und archiviert werden. Möglich ist auch, dass ausgewählte Inhalte künftig im neuen Museum gezeigt werden. Gleichzeitig wird bereits darüber nachgedacht, auch beim aktuellen Neubau eine Zeitkapsel für die kommenden Jahrzehnte zu hinterlegen.

Mit dem Neubau des Gutenberg-Museums soll ein modernes Ausstellungshaus entstehen, das den Erfinder des Buchdrucks Johannes Gutenberg und die Bedeutung der Mediengeschichte zeitgemäß präsentieren soll.

Die Abbrucharbeiten am noch bestehenden Schellbau auf der Baustelle am Liebfrauenplatz schreiten daher stetig voran. Der Schellbau und der Verbindungsbau wurden vollständig entkernt und die Schadstoffsanierung wurde durchgeführt. Der Verbindungsbau zwischen dem Schellbau und dem historischen Gebäudeteil „Römischer Kaiser“ ist inzwischen niedergelegt. Der Abriss des Schellbaus wird endgültig nach der Fastnacht 2026 durchgeführt.