„Wir wollen den abgetauchten jungen Menschen helfen“

Sie kümmern sich vor allem um diejenigen, die besonders schwer zu erreichen sind: Jugendliche, die keine Arbeit finden, massive Probleme haben und nicht wissen, wohin. Wir waren unterwegs mit den Streetworkern von "we care“ Mainz.

„Wir wollen den abgetauchten jungen Menschen helfen“

Täglich sind Marius Rathke und sein Team mit ihrem Beratungsbus unterwegs und gehen dorthin, wo sie möglichst viele junge Leute antreffen können. Ihr Ziel: Die Jugendlichen zu erreichen, die „abgetaucht“ sind, die nicht wissen, wo sie um Hilfe bitten können, die massive Probleme haben, zuhause, in der Schule oder auf dem Arbeitsmarkt. „Aufsuchende Sozialarbeit“ ist der sperrige Ausdruck dafür. „Wir verstehen uns als Brücke zu den schon bestehenden Hilfsangeboten der Stadt“, erklärt der Projektleiter. „Leute, die verloren gegangen sind, möchten wir wieder zurück ins Hilfesystem holen.“

Jeden Tag in den Stadtteilen unterwegs

Seit Anfang 2020 gibt es das „we care“-Projekt der Caritas, geplant war es ursprünglich als „offener Treff“. Doch die Corona-Auflagen zwangen die Mitarbeiter, sich etwas einfallen zu lassen. Seitdem fahren sie jeden Nachmittag in die Stadtteile, um junge Menschen anzusprechen: Montags nach Mombach, dienstags in die Neustadt, mittwochs nach Hartenberg-Münchfeld und donnerstags nach Finthen. An den Freitagen wechseln sie zwischen den anderen Stadtteilen - immer in festen Zweierteams.

Rathke ist an diesem Tag mit Barbara Köbler unterwegs. Sie gehen einfach auf jeden zu, der zwischen 15 und 25 Jahre alt sein könnte, und drücken ihm eine leuchtend rote Postkarte in die Hand. „Hallo, dürfen wir kurz stören? Wir sind vom Mainzer Projekt ‘we care’ und wollen uns einfach kurz vorstellen. Falls Sie jemanden kennen, der Hilfe braucht, der Probleme zuhause oder in der Schule hat, dann freuen wir uns, wenn Sie ihm von uns erzählen.“ Auf der Postkarte stehen alle wichtigen Informationen, Kontaktdaten und Sprechstundenzeiten. „Wir helfen dir - kostenfrei und vertraulich.“

Neutrale Beratungsstelle

Ihre Methode hat Erfolg, bislang habe sie keiner abgewiesen oder unfreundlich reagiert. „Wichtig ist, dass wir bekannt werden, dass die Jugendlichen einen Kontakt haben, an den sie sich wenden können - egal, welche Probleme sie haben“, so Rathke. Denn die seien meistens vielfältig: Wer in schwierigen Familienverhältnissen lebt oder wohnungslos ist, dem geht es auch psychisch nicht gut, der hat Schwierigkeiten in der Schule oder bei der Arbeitsplatzsuche. Hinzu können Suchtprobleme und Schulden kommen.

Die allesamt erfahrenen Mitarbeiter hören sich die Probleme an, beraten bei Einzelgesprächen im Caritas-Jugendhilfezentrum und vermitteln die jungen Menschen an die zuständigen Stellen: zum Jobcenter, zur Schuldnerberatung, zur Verhaltenstherapie. Oft seien das drei bis vier Termine pro Woche. „Vielen fehlt einfach eine Ansprechperson, hier bieten wir ihnen eine neutrale Beratungsstelle“, so Rathke. Schnelle Hilfen können die Mitarbeiter von „we care“ auch direkt im Bus anbieten, denn Laptop und Informationsmaterial haben sie immer dabei. „Wir klären vor allem, was bis wann erledigt werden muss und was die Ziele sind.“ Ein großer Vorteil sei dabei die Zusammensetzung des Teams, denn die Mitarbeiter bringen unterschiedliche Kompetenzen mit - darunter Sozialpädagogen, Trauma-Spezialisten, Verhaltenstherapeuten.

Wichtig für ihre Arbeit sind zudem die mehr als 100 Netzwerkpartner in der ganzen Stadt, darunter etwa die Jugendzentren in den berufsbildenden und den Realschulen, die Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammer und das Café Unplugged in der Mainzer Neustadt.

„Wir haben eine hohe Auslastung“, so Rathke. „Doch irgendwo finden wir für jeden einen Platz.“ Nun hoffen er und sein Team auf eine Verlängerung des Projekts, denn Ende des Jahres läuft es aus. Finanziell unterstützt werden sie bislang vom Jobcenter und der Stadt Mainz. „Ich gehe aber fest davon aus, dass wir unsere Arbeit fortsetzen können.“

Aktuelle Infos stellt das Team von „we care“ regelmäßig auf ihrer Instagram-Seite bereit.

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