Rührende Weihnachtsgeschichte: „Danke an den Busfahrer der Linie 92“

Heiligabend in Mainz. In der Linie 92 sitzt ein „stummer Mann“ und niemand weiß, wo er hingehört. Wie sich dann der Busfahrer und einige Fahrgäste verhalten, rührt eine Merkurist-Leserin. Sie will sich beim Busfahrer bedanken.

Rührende Weihnachtsgeschichte: „Danke an den Busfahrer der Linie 92“

An Heiligabend mit der Familie vor dem Baum sitzen und Geschenke auspacken oder zusammen in die Kirche gehen: So sah der Tag vor Weihnachten auch in diesem Jahr bei den meisten Mainzern aus. Einige wenige mussten dagegen arbeiten: Polizisten, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter – oder Busfahrer der Mainzer Mobilität. So auch ein Fahrer der Nachtlinie 92, die an Heiligabend früher fuhr als sonst.

Merkurist-Leserin Astrid (51) saß mit einer Freundin in genau diesem Bus, der sie gegen 19 Uhr vom Hindenburgplatz in Richtung Mombach fuhr. „Wir kamen gerade von einem Gottesdienst in der Christuskirche“, erzählt sie gegenüber Merkurist. Den beiden Frauen fiel sofort ein ältererer Mann (vielleicht 80) auf, der weiter vorne im Bus saß. Zwei ältere Frauen versuchten gerade, mit ihm zu sprechen, während der Mann immer wieder stumm seinen Personalausweis hochhielt. „Sie sagten ihm, dass er den Ausweis nicht braucht, aber er reagierte kaum“, so Astrid. Offenbar war der Mann dement.

Busfahrer lässt keine Ruhe

Was dann laut ihrer Schilderung passierte, berührt Astrid auch eine Woche später noch. Als der Bus die Haltestelle am Lemmchen in Mombach erreichte, habe sich der Busfahrer umgedreht und zu dem älteren Mann gesagt: „Sie sind doch hier auf der Hinfahrt eingestiegen, müssen Sie jetzt nicht wieder aussteigen?“ Offenbar hatte sich der Busfahrer den Mann gemerkt, erinnerte sich, dass er ihn früher am Tag schon in die andere Richtung gefahren hatte.

Aber der ältere Mann reagierte immer noch nicht, so Astrid. Der Bus fuhr noch eine Station weiter. „Aber das ließ dem Busfahrer keine Ruhe, er hat wieder gefragt: ‘Müssen Sie nicht aussteigen?’“, erzählt Astrid. Der Fahrer habe weiter versucht, mit dem Mann zu sprechen, obwohl der Bus schon Verspätung hatte. In der Zwischenzeit war auch Astrids Freundin nach vorne gegangen, gemeinsam mit einer der älteren Frauen redete jetzt auch sie mit dem Mann. Aber immer noch sagte der nichts und hielt weiter den Personalausweis in der Hand.

Mann wird sicher nach Hause gebracht

An der nächsten Haltestelle wurde eine der Frauen von ihrem Enkel abgeholt. Auch der schaltete sich sofort ein, so Astrid, und fand mithilfe des Persos heraus, wo der „stumme Mann“ wohnt und wie man dorthin kommt. „Wir entschieden, ihn nach Hause zu begleiten“, sagt Astrid. Schließlich fanden sie das Haus, ein Nachbar bestätigte, dass er den Mann kennt. Auch seine Ehefrau wartete bereits auf ihn. „Jetzt wussten wir, warum der Personalausweis so wichtig ist.“

Was Astrid besonders beeindruckte, war aber das Verhalten des Busfahrers. „Mein Weihnachtswunder des Abends ist der Busfahrer der Linie 92, weil er sich beim Hinweg gemerkt hat, dass der alte Mann dort an der Haltestelle eingestiegen war. Und als der alte Mann zufällig bei der Rückfahrt in denselben Bus wieder einstieg, sich an ihn erinnerte und sich kümmerte, bis er wusste, dass der Mann nicht alleine ist.“

Astrid will sich bedanken

Außerdem habe ihr die enorme Hilfsbereitschaft aller Beteiligten imponiert. „Meine Freundin, die beherzt zum Fahrer gegangen ist, um sofort zu helfen, und Oma und Enkel, die nicht gegangen sind, bis sie wussten, dass der ‘stumme Mann’ nach Hause gebracht wird.“

Merkurist hat sich bereits an die Mainzer Mobilität gewandt. „Eine sehr schöne Geschichte“, sagt Pressesprecher Michael Theurer. In den nächsten Tagen wolle man versuchen, den Fahrer der Linie 92 herauszufinden. Dann will sich auch Astrid persönlich bei dem Fahrer bedanken oder ihm zumindest ein Karte schreiben. „Das ist doch das Mindeste, wenn man schon so einen Dienst an Heiligabend hat und alle unter den Weihnachtsbaum fährt.“ (pk)

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