Nach Polizistenfeier: Altstadt-Wirt erstattet Selbstanzeige

Entgegen den geltenden Corona-Regeln feierten mehrere Polizisten am Montagabend in der Altstadt-Kneipe „Zum Heringsbrunnen“ bis nach 22 Uhr. Das sagen Kneipenwirt und Ordnungsamt.

Nach Polizistenfeier: Altstadt-Wirt erstattet Selbstanzeige

Dieser Fall sorgte für viel Aufsehen: Am Montagabend feierten mehrere Polizisten in der Mainzer Altstadt-Kneipe „Zum Heringsbrunnen“ – ohne ausreichenden Abstand und Mundschutz. Zudem soll die Feier bis nach 22 Uhr gegangen sein (wir berichteten). Am Ende seien es rund 40 Feiernde gewesen. In den sozialen Medien hagelte es Kritik für Polizisten und Kneipenwirt. Der widerspricht jetzt allerdings der Darstellung, die teilweise in den sozialen Medien zu lesen war.

„Es war keine Party, sondern ein geselliges Beisammensein“, so „Heringsbrunnen“-Wirt Michael Schollmayer auf Merkurist-Anfrage. Zudem seien es höchstens 25 bis 27 Leute gewesen und keine 40. „Jugendliche waren definitiv nicht dabei.“ Richtig sei allerdings, dass die Feier bis nach 22 Uhr ging, am Ende sei es etwa eine Stunde später geworden. „Das war ein Fehler, für den ich die volle Verantwortung übernehme.“

Selbstanzeige und Spende an Hinterbliebene von totem Polizisten

Deshalb habe Schollmayer am gestrigen Donnerstag Selbstanzeige gestellt, wie die „Allgemeine Zeitung“ bereits berichtete. Die Gründe sind die zu lange Öffnungszeit und ein zu langer Ausschank. Zudem spendete er den Umsatz, den er nach 22 Uhr „unverdientermaßen erwirtschaftet hat“ – an die Kinder des Oppenheimer Polizisten, der vor Kurzem gestorben war. Einige der Feiernden hatten am selben Tag den Leichenwagen zur Beerdigung eskortiert (wir berichteten). „Das waren 230 Euro, die ich noch auf 250 aufgerundet habe“, so Schollmayer. Der Beleg für die Spende liegt Merkurist vor.

Dem Ordnungsamt liegt die Selbstanzeige Schollmayers noch nicht vor. „Es gibt aber keinen Grund, die Aussagen des Gastronomen diesbezüglich in Zweifel zu ziehen, daher kann es sein, dass diese Anzeige personalisiert an einen Kollegen gesendet wurde, der aktuell nicht im Dienst ist“, so Stadt-Pressesprecher Ralf Peterhanwahr. „Daher bleibt der Montag abzuwarten.“ Auch die Selbstanzeige-Mail Schollmayers liegt Merkurist vor. Darin heißt es unter anderem: „Es tut mir leid, dass ich nicht umsichtig genug war und somit die Beamten in eine heikle Situation gebracht habe.“

„Ärgerliche Grenzüberschreitung“

Welche Konsequenzen der Vorfall hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. „Es wurde ein Bericht des Vollzugsdienstes angefordert. Zunächst bleibt der Bericht abzuwarten. Für ein abschließendes Statement ist es deutlich zu früh“, so Peterhanwahr. Bald sollen Gespräche in alle Richtungen geführt werden, auch mit dem Gastronomen selbst.

„Nach den jetzigen Erkenntnissen ist zumindest offensichtlich, dass der Inhaber die zulässige Öffnungszeit nicht eingehalten hat. Im Übrigen besteht eine Reservierungs- und Anmeldepflicht unter Angabe der Kontaktdaten sämtlicher Gäste“, sagt Peterhanwahr. Dass es sich bei dieser Feier aber um eine in Corona-Zeiten „ärgerliche Grenzüberschreitung“ handele, stehe zweifelsfrei außer Frage.

Polizeipräsidium Mainz distanziert sich

Das Polizeipräsidium Mainz hatte sich bereits am Mittwoch von dem Verhalten der Polizisten distanziert. „Dieses Verhalten ist keineswegs ein Kavaliersdelikt und wird mit aller Konsequenz aufgeklärt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus würden disziplinarrechtliche Maßnahmen geprüft.

Weiter hieß es: „Es ist für die Führung der Polizei in Mainz nicht akzeptabel, dass offensichtlich eine kleine Gruppe Polizeibeamter das gute Ansehen der Mainzer Polizei mit diesem nicht zu tolerierenden Verhalten schädigt.“ (df)

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