Corona: Große Probleme für Tierheime

100 Hunde mehr waren in den ersten drei Monaten dieses Jahres in Mainz gemeldet, 2020 war der Hundebestand schon um 200 gewachsen. Doch was wird mit Hund, Katze oder Wellensittich, wenn die Leute wieder ins Büro, die Schule und den Urlaub fahren?

Corona: Große Probleme für Tierheime

Homeoffice, Homeschooling, Kontaktbeschränkungen: Während der Corona-Pandemie suchten sich viele Mainzer tierische Gesellschaft. Wie die Stadt Mainz auf Merkurist-Anfrage mitteilte, war der Bestand der angemeldeten Hunde bereits in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 100 gewachsen (5808 Hunde). Im gesamten Jahr 2020 war er um knapp 200 gestiegen (auf 5707).

Im Rest des Landes sieht der Trend ähnlich aus. Die Deutschen haben sich im vergangenen Jahr rund eine Million mehr Hunde, Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen als sonst angeschafft. „Die Corona-Krise und die damit verbundene vermehrte Zeit zu Hause durch Homeoffice oder Kurzarbeit hat die Nachfrage nach Heimtieren in die Höhe schnellen lassen“, berichtete der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V. bereits 2020. „Darunter befinden sich auch viele Menschen, die dem Wunsch nach Gesellschaft oder dem Drängen der Kinder unüberlegt nachgeben“, warnte der Pressesprecher des VDH, Udo Kopernikus.

Illegaler Welpenhandel boomt

Züchter können die Nachfrage kaum mehr bewältigen, viele Menschen erwerben ihre Tiere über das Internet. „Gerade der illegale Online-Welpenhandel boomt“, sagt Mike Ruckelshaus von der Tierschutzorganisation TASSO. „Fast alle Tiere sind krank, viel zu früh von der Mutter getrennt, ungeimpft und überleben häufig die ersten Lebensmonate nicht.“ Auch das Leid der Muttertiere und Deckrüden sei „unermesslich“.

Die illegalen Hundewelpen-Transporte machen auch Christine Plank, Vorsitzende des Tierheims Mainz, Sorgen: „Wenn die illegalen Lkw-Transporte mit den vermeintlich günstigen Rassehunden beschlagnahmt werden, kommen die Tiere natürlich zu uns ins Tierheim.“ Die meist aus Rumänien stammenden Welpen werden im Internet „von privat“ angeboten, für die Menschen sei kaum erkennbar, welche dubiosen Geschäfte sich dahinter verbergen.

Die Nachfrage im Tierheim sei auch angestiegen, aber nicht so stark, berichtet Plank. In der Corona-Zeit ist der Zugang beschränkt, Interessenten müssen sich vorher per Mail oder telefonisch zu einem Einzeltermin anmelden. Ein spontaner Besuch ist nicht möglich.

Was passiert mit den Tieren nach Corona?

Doch was passiert nach der Corona-Zeit, wenn die Menschen wieder in ihre Büros gehen, in der Schule sitzen, an Veranstaltungen teilnehmen und in den Urlaub fahren? Werden sie die Tiere dann wieder im Tierheim abgeben, weil sie keine Zeit mehr für sie haben? „Das müssen wir abwarten, noch können wir das nicht abschätzen“, sagt Plank. Um zu vermeiden, dass sich die Menschen zuhause schnell mit dem Tier überfordert fühlen, nehmen sich die Mitarbeiter des Tierheims Zeit für jeden: „Wir beschäftigen uns im Vorfeld mit den Menschen, die ein Tier mit nach Hause nehmen wollen, klären sie auf und vermitteln dann das Tier, das am besten zu ihnen und ihren Lebensumständen passt.“

Die Corona-Beschränkungen bringen für das Tierheim noch ein anderes Problem mit sich: Vor Ort können weniger Menschen helfen, denn neue Unterstützer dürfen nicht auf das Gelände kommen. „Es dürfen nur zum Beispiel diejenigen Hunde ausführen, die immer kommen“, sagt Plank. Auch die Spenden seien zurückgegangen, da Feste und Großspenden ausgefallen sind. „Doch Tierschutz ist ohne Geld leider nicht möglich.“

Ihr möchtet das Tierheim Mainz unterstützen? Hier könnt ihr euch informieren.

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