Warum gibt es so wenige Spatzen in Mainz?

In Biergärten, Cafés und Parks von Städten wimmelt es oft von Spatzen. In Mainz jedoch sind sie in der Innenstadt so gut wie nie zu sehen. Woran liegt das?

Warum gibt es so wenige Spatzen in Mainz?

Wer in anderen Städten Cafés oder Biergärten besucht, ist oft schon nach kurzer Zeit umringt von kleinen braunen Vögeln, die Krümel vom Boden aufpicken oder sogar neugierig auf Stuhllehnen hüpfen. Nur in der Mainzer Innenstadt taucht der Haussperling – auch Spatz genannt – so gut wie nie auf.

Merkurist-Leser Thomas ist das nun aufgefallen, als er selbst auf Städtereise war. Überall gebe es Spatzen, „gerade bei den Außengastros“. Er fragt daher in einem Snip: „Warum gibt es in Mainz keine Spatzen?“

Häufigster Gartenvogel Deutschlands

Deutschlandweit ist der Haussperling die Vogelart, die am häufigsten vorkommt, wenn auch mit rückläufiger Tendenz. Das geht zumindest aus den Zahlen der Erhebung „Stunde der Gartenvögel“ des Naturschutzbunds (NABU) hervor. Im Durchschnitt wurden in diesem Jahr vier Vögel pro Garten gezählt. In mehr als 60 Prozent der Gärten wurde er entdeckt.

In Mainz jedoch landete der Spatz auf Platz 16 mit umgerechnet nur 0,43 Vögeln pro Garten. Stattdessen stehen Amsel, Kohlmeise und Ringeltaube auf den ersten drei Plätzen der am meisten gezählten Vögel in Mainz. Repräsentativ sind diese Zahlen jedoch nicht, denn lediglich 154 Mainzer haben in diesem Jahr die Vögel vor ihrer Haustür gezählt. Trotzdem fällt auf, dass sein Vorkommen anscheinend zurückgeht: Im Jahr 2025 waren es noch 1,24 Vögel pro Garten (Platz 7), vor zehn Jahren doppelt so viele (Platz 3). Dabei gehören Spatzen zu den sogenannten Kulturfolgern, sie haben ihre Lebensweise an die der Menschen angepasst.

Lebensraum bestimmt, wie oft ein Vogel vorkommt

„Mainz befindet sich tatsächlich am unteren Rand, das ist sehr auffällig“, sagt Christian Henkes von der NABU-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe im Merkurist-Gespräch. Auch im Vergleich zu Städten wie Wiesbaden oder Frankfurt sei das Vorkommen sehr gering. Eine gesicherte Erklärung dafür habe er nicht, sagt aber: „Spatzen brauchen eine bestimmte Umgebung als Lebensraum.“ Dazu gehöre etwa, dass sich Hecken oder Gebüsche in einem Umkreis von 500 Metern befinden müssten, denn größer sei das Areal der Vögel nicht. Oft entfernten sie sich nicht mehr als 100 Meter vom Nest. Im Mainzer Altstadtzentrum jedoch sind Gebüsche eher selten.

Außerhalb der Innenstadt sind die Vögel aber anscheinend öfter zu entdecken. Mehrere Merkurist-Leser berichten davon, dass sie in verschiedenen Stadtteilen vorkommen, etwa in der Neustadt. „Im Hinterhof, wo Gebüsch ist“, kommentiert eine Leserin. Einer anderen Leserin ist hingegen aufgefallen, dass sie auch in den Stadtteilen weniger Haussperlinge sieht als früher.

Massiver Rückgang von Spatzen

Laut der Wildtierstiftung Deutschland sind Spatzen generell seltener geworden. In manchen Bundesländern steht der gesellige Vogel bereits auf der Vorwarnliste. Als Grund nennt die Organisation fehlende Nist- und Versteckmöglichkeiten sowie Nahrung für die Jungvögel. Denn in neuen und sanierten Gebäuden mit glatten Fassaden finden sich kaum noch Nischen, die als Brutplatz dienen könnten.

Zudem mangele es immer mehr an Insekten und an artenreichem Grün mit Samen und Körnern für die erwachsenen Vögel. Der große Einbruch kam in den 1980er-Jahren. Während in den 1950er-Jahren die Zahl der Brutpaare auf 15 Millionen geschätzt wurden, waren es Anfang der 1990er-Jahre 7,5 Millionen. Aktuell soll diese Zahl auf 5 Millionen geschrumpft sein.

Zurückkehren können die Spatzen also nur dort, wo sie genügend Nahrung und Nistmöglichkeiten finden, wo es Hecken, Sträucher, Hausbegrünungen und Insekten sowie Samen und Körner gibt. Auf versiegelten Flächen indes können Haussperlinge kaum überleben.