ZDF zeigt Doku über Familienbetrieb aus Laubenheim

Sie nennen sich selbst „Entrümpler mit Herz“ - denn bei Familie Molitor geht es nicht nur darum, alte Möbel zu entsorgen. Das ZDF hat die Familie jetzt für eine Reportage bei ihrer Arbeit begleitet.

ZDF zeigt Doku über Familienbetrieb aus Laubenheim

Ob Umzug, Todesfall oder Erbschaft: Wenn es darum geht, ein Haus oder eine Wohnung auszuräumen, sind Gerald Molitor und sein Team zur Stelle. Doch wer einen reinen Männerbetrieb erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt: Die Molitors, das sind - neben Papa Gerald - Lara, Amelie und Mylene. Seit über sechs Jahren betreiben sie nun schon ihr Familienunternehmen in Laubenheim. Oft geht es nicht nur darum, einfach ein Haus auszuräumen - stattdessen räumen die Molitors ein ganzes Leben auf. Das ist nicht immer einfach, vor allem für die Hinterbliebenen: Jedes Bild weckt Erinnerungen und in jeder Schublade verstecken sich Geschichten. Einige davon gibt es am Sonntag, den 26. November, ab 18 Uhr in der ZDF.reportage zu sehen.

Angefangen hat alles mit der Scheidung und dem Auszug von Geralds Frau im Jahr 2010. Plötzlich ist Gerald alleinerziehender Vater - und wird dann auch noch unerwartet Opa. Als die damals 15-Jährige Amelie schwanger wird, hängt Gerald seinen langjährigen Job als Straßenbahn-Fahrer und Stromableser an den Nagel. Und gründet gemeinsam mit den anderen damals arbeitslosen Töchtern den Familienbetrieb. „Ich wollte den Kindern eine Zukunft bieten“, sagt Gerald rückblickend. Lara, Geralds älteste Tochter, kümmert sich um die Einschätzung des Arbeitsaufwandes und die Buchhaltung. Amelie ist als Vorarbeiterin die Frau fürs Grobe. Und Mylene, die Jüngste, strebt zwar mittlerweile eine Ausbildung in einer Bäckerei an, unterstützt ihre Familie aber, wann immer sie kann. Hinzu kommt tatkräftige Unterstützung von den Partnern der Töchter und durch qualifizierte Mitarbeiter.

„Bei uns ist alles offiziell“, sagt Gerald im Gespräch mit Merkurist. Er wolle niemanden anschwärzen, doch viele Entrümpler arbeiteten eben schwarz. Das mache das ganze Geschäft kaputt, denn „inoffizielle“ und nicht angemeldete Entrümpler könnten niedrigere Preise anbieten. „Wir arbeiten stattdessen seit Jahren mit Studenten zusammen, das sind super fitte und zuverlässige Leute.“ Ein weiterer Vorteil: Sie verstünden die deutsche Sprache. Und das sei gerade im Hinblick auf Möbelstücke, die auf keinen Fall weggeworfen werden sollen, unerlässlich. „Wenn die Auftraggeber sagen, die und die Lampe soll bitte stehen bleiben, und am Ende ist sie dann doch weg, weil der Kollege es nicht richtig verstanden hat - das ist schon mehr als ärgerlich“, sagt Gerald.

Brauchbares wird gespendet oder zu gutem Zweck verkauft

Dass es Gerald bei all dem nicht ums Geld geht, merkt man schnell. Stattdessen tut er sogar noch Gutes: Bevor der Entsorgungstrupp gerufen wird, holen Angehörige und Nachbarn der Verstorbenen und beauftragte Antiquitätenhändler alles Verwertbare aus der Wohnung. Was trotzdem übrig bleibt und noch zu gebrauchen ist, wird von Geralds Team an Bedürftige verschenkt oder beispielsweise auf Flohmärkten verkauft. Die Erlöse kommen gemeinnützigen Zwecken, sozialen Hilfsprojekten in Togo oder dem BMX-Verein zugute, in dem auch Geralds Kinder und Enkel aktiv sind. Hier verbringt der Familienmensch gerne seine Wochenenden. „Wenn man viel unter junge Leute geht, bleibt man auch im Kopf jung“, sagt der 60-Jährige.

Aber wieso zeigt das ZDF überhaupt eine Doku über den Familienbetrieb aus Laubenheim? „Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht“, schmunzelt Molitor. „Aber Werbung für uns ist immer gut! Wir leben doch von Mundpropaganda.“ Vielleicht habe ein ZDF-Redakteur einen der verschiedenen Beiträge im SWR gesehen - oder sei über ihre Facebook und YouTube -Präsenz gestolpert. Hier sind die Molitors nämlich sehr aktiv. „Gerade die jungen Leute, die ja zu unseren Hauptkunden zählen, erreicht man hier viel besser“, so Molitor.

Und tatsächlich, eine Nachfrage beim ZDF bestätigt Geralds Vermutung: „Das Thema 'Entrümpelung' an sich stand schon länger fest“, sagt Juliane Klein von der zuständigen Fernsehproduktionsfirma Good Times. „Bei der deutschlandweiten Recherche nach spannenden Protagonisten sind wir dann auf Familie Molitor gestoßen. Der Papa mit seinen Töchtern war uns sofort sympathisch.“ Die Entscheidung für die Mainzer sei dann auch recht schnell gefallen. „Die Frauen-Power und der Zusammenhalt in diesem Vier-Generationen-Haushalt sind wirklich erstaunlich“, so die betreuende Redakteurin weiter. „Vor allem Vater Gerald, der das alles mit so viel Fingerspitzengefühl unter einen Hut bekommt, ist beeindruckend.“

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