Warum der Mainzer Gabenzaun wieder abgebaut wurde

Wegen der Corona-Krise errichteten Unbekannte am Mittwochfrüh einen Spendenzaun für Obdachlose am Mainzer Hauptbahnhof. Der Verein „Wohnsitzlos in Mainz e.V“ riet jedoch dazu, diesen schnellstmöglichst abzubauen. Warum das so ist.

Warum der Mainzer Gabenzaun wieder abgebaut wurde

Menschen ohne Wohnsitz sind während der Corona-Pandemie besonders gefährdet: Tafeln und Anlaufstellen haben seit einigen Tagen durch Schutzmaßnahmen geschlossen. Unbekannte errichteten deshalb am Hauptbahnhof West einen Gabenzaun. An diesem konnten Menschen Tüten mit Kleidung, Hygieneartikeln oder Essen an einen vorhandenen Zaun hängen. Doch jetzt wurde der Zaun wieder abgebaut. Warum?

Laut Verein „Wohnsitzlos in Mainz e.V.“ war es eine nicht von offiziellen Stellen genehmigte Aktion. Er riet eindringlich davon ab, diesen zu benutzen, da sich hierbei Gefahren der Ansteckung für Obdachlose ergeben. Die Idee sei gut gemeint, jedoch stehe sie den organisierten Hilfen entgegen.

Obdachlosen sei Gefahr nicht bewusst

In dieser Woche habe es zahlreiche Initiativen von Privatpersonen in Mainz gegeben, die einen Gabenzaun errichten wollten, erzählt die zweite Vorsitzende des Vereins „Wohnsitzlos in Mainz e.V.“ Theresa Lotichius. In Zeiten der Corona-Krise und des nötigen Abstands sei ein Spendenzaun jedoch der falsche Weg. Viele Obdachlose seien sich der Gefahr, die von diesem Virus ausgeht, noch nicht bewusst. Teils liege es am fehlenden Informationsfluss, teils am Sprachverständnis. An einem Gabenzaun stehe niemand den ganzen Tag über bereit, um auf die Einhaltung der Abstandsregelung zu achten. Aus Infektionsschutz-Gründen sei auch der Gabenzaun am Hauptbahnhof wieder abgebaut worden.

Hinzu kämen auch rechtliche Schwierigkeiten bei der Errichtung eines solchen Zauns: Sowohl vom Eigentümer des Grundstücks als auch von der Stadt benötige man Genehmigungen, so Lotichius. Beides wurde in diesem Fall nicht eingeholt. „Über einige Konsequenzen hat man sich vielleicht nicht ausreichend Gedanken gemacht: Was passiert mit den Lebensmitteln und anderen Spenden, die niemand wegnimmt? Werden diese regelmäßig entsorgt?“. Sinnvoller sei es, dass sich diejenigen, die helfen wollen, telefonisch oder digital an offizielle Stellen wenden, erklärt Lotichius. Dazu zählt zum Beispiel der Verein „Wohnsitzlos in Mainz e.V“, die „Pfarrer-Landvogt-Hilfe“ oder „Tagesaufenthalt der Mission Leben“.

Keine Sachspenden derzeit möglich

Durch die aktuelle Krise hätten viele Einrichtungen geschlossen oder liefen im Notprogramm, sagt Lotichius. Auch die Annahme von Sachspenden wie Unterwäsche, Hosen oder Schuhen sei momentan nicht möglich. Untätig bleibe der Verein jedoch nicht: „Natürlich steht die Versorgung mit Essen im Mittelpunkt - normalerweise über das Frühstücksangebot und das Mittagessen, aber das ist nun nicht mehr möglich. Daher packen wir Lunchpakete und geben Gutscheine aus.“ Unterstützen könne man den Verein derzeit am besten mit kleinen Geldspenden. Lotichius sagt: „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit den richtigen Maßnahmen gemeinsam durch diese schwierige Zeit kommen.“

Alle weiteren Infos, wie man Obdachlosen derzeit am besten unterstützen kann, ohne sie zu gefährden, findet Ihr hier. (rk)

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