Nach Busunglück: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fahrer

Auch knapp zwei Wochen nach dem Busunglück am Wiesbadener Hauptbahnhof ist die Ursache für den Vorfall noch immer nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen gegen den Fahrer eingeleitet.

Nach Busunglück: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fahrer

Nach dem tödlichen Busunglück am Wiesbadener Hauptbahnhof am 21. November hat die Wiesbadener Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Busfahrer der ESWE Verkehr aufgenommen. Das bestätigte der Wiesbadener Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn auf Anfrage von Merkurist.

Demnach bestünde ein Anfangsverdacht wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung in mehreren Fällen. Dabei handele es sich laut Kuhn aber um ein normales Procedere, die Staatsanwaltschaft müsse hier aktiv werden. Wann die Ermittlungen beendet sein werden, könne man noch nicht absehen. Es könne noch dauern, bis alle Ergebnisse vorliegen.

Untersuchungen zur Ursache sind abgeschlossen

Zumindest die Untersuchungen der Gutachter zur Ursache sind nun abgeschlossen, wie Christian Giesen, Sprecher der ESWE Verkehr gegenüber Merkurist erklärt. „Dabei ist ein großer Datenbestand herausgekommen. Dieser Berg an Informationen wird nun von einem Gutachter ausgewertet.“ Dieser Berg setzt sich zusammen aus der Festplatte des Unfallfahrzeugs, dem ausgelesenen Fehlerspeicher des Busses, der Videoüberwachung aus dem Inneren des Busses und des Fahrerplatzes, den Videos der Verkehrsüberwachung an der Unfallstelle sowie den Aussagen von insgesamt 64 Unfallzeugen.

„Wir können einen terroristischen Anschlag ausschließen.“ - Christian Giesen, ESWE Verkehr

Was letztendlich ursächlich für die Irrfahrt des Unglücksbusses war, wird ganz genau erst nach dem Gutachten bestimmt werden können. Einige Szenarien scheiden als Ursache aber bereits aus, wie Giesen erklärt: „Wir können ausschließen, dass der Fahrer vorsätzlich gehandelt hat oder einen terroristischen Anschlag geplant hatte. Es ist nach medizinischen Untersuchungen auszuschließen, dass der Fahrer so etwas wie einen Herzinfarkt, -anfall, epileptischen Anfall, Schlaganfall oder Vergleichbares vor dem Unfall erlitten hat. Stand heute wurden keine technischen Mängel am Fahrzeug festgestellt, wobei hier allerletzte Untersuchungen noch laufen.“

Verlauf des Unglücks noch unklar

„Die ersten Meter seiner Fahrt waren direkt der schlimme Unfall.“ - Christian Giesen

Medizinische Untersuchungen bei dem Busfahrer hatten außerdem ergeben, dass der Fahrer weder Alkohol noch Drogen konsumiert hatte. Auch eine Übermüdung des 65-Jährigen kann ausgeschlossen werden, da der Mann an der Haltestelle Hauptbahnhof nach einem Fahrerwechsel gerade erst seinen Dienst angetreten hatte. „Daher waren die ersten Meter seiner Fahrt direkt der schlimme Unfall“, sagt Giesen.

Medizinische Ursachen haben bei dem Unfall also wahrscheinlich keine Rolle gespielt. Bezüglich eines technischen Defekts lassen sich ebenfalls keine Zusammenhänge zu dem Unglück herstellen. „In diesem Bereich können sich im Endstadium der Überprüfungen höchstens noch kleine ‘Begleiterscheinungen’ ergeben, die den Unfall eventuell begünstigt, jedoch nicht ursächlich ausgelöst haben“, so Giesen.

Der Busfahrer konnte das Krankenhaus nach einer Woche Aufenthalt wieder verlassen. Er befinde sich laut Giesen in einem „absoluten Tief“. Körperlich werde er keine Schäden davontragen. „Er hat Zugriff auf psychologische Betreuung, die er nutzen kann und wovon er auch Gebrauch macht.“ (nl)

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