Dramatischer Appell einer Mainzer Denkmalpflegerin in den Tagesthemen

Das Handwerk und damit ebenso der Denkmalschutz ist bedroht, auch in Mainz. In einem Beitrag der Tagesthemen geht es hoch hinauf zu denen, die den Mainzer Dom erhalten sollen - und immer mehr an ihre Grenzen kommen.

Dramatischer Appell einer Mainzer Denkmalpflegerin in den Tagesthemen

Ist es der „schönste Arbeitsplatz der Welt“, hoch oben am Dom zu arbeiten, 40 Meter über der Altstadt, und dort zu verhindern, dass seine Fassade langsam abbröckelt? Für ein paar Stunden wurden die Mainzer Steinmetzin Jennifer Schrauth und die Konservatorin Diana Ecker von einem Kamerateam der Tagesthemen begleitet. Der Beitrag, ausgestrahlt am späten Dienstagabend, trägt aber vor allem einen Hilferuf der beiden in die deutschen Wohnzimmer.

„Wir werden nun merken, dass nach und nach die guten Handwerkerinnen und Handwerker gehen“, sagt darin die Konservatorin im Bistum Mainz, Diana Ecker. Sie ist mit dafür verantwortlich, dass die Steine und die vielen Skulpturen am Mainzer Dom, die täglich Wind und Wetter ausgesetzt sind, erhalten bleiben. Und sie leitet Handwerker wie die Steinmetzin Jennifer Schrauth an, die mit traditionellem Kalkputz Engel vor dem Verfall bewahrt, Säulen und Steine in luftiger Höhe sichert. Sie sei stolz auf diese Verantwortung, diese Aufgabe, sagt sie mit leuchtenden Augen in die Kamera. Steinmetzin zu sein sei ihr Traumjob. Doch Menschen wie Schrauth sind selten geworden, vor allem unter den Frauen.

Dramatischer Nachwuchsmangel

„Der Nachwuchs fehlt, und das ist wirklich dramatisch, weil wir darauf angewiesen sind“, sagt auch Denkmalpflegerin Ecker vor den Kameras der Tagesthemen. Sie befürchtet Konsequenzen: Historische Substanz droht kaputtzugehen, wenn es keine Menschen mehr geben wird, die sie sichern und erhalten können. So drohen Kulturdenkmäler verloren zu gehen, „weil Wissen verloren geht“, sagt Ecker. „Das ist doch dramatisch!“

Schrauth sieht einen Grund für den Handwerkermangel in der öffentlichen Wahrnehmung. Immer mehr junge Menschen würden ein Studium bevorzugen. „Man braucht aber auch die Leute, die einem das Häuschen bauen, tapezieren, verputzen, die den Grabstein für die Oma machen.“ Es fehle die Wertschätzung. Um 80 Prozent, heißt es im Beitrag, sei die Zahl der Handwerker in den vergangenen 25 Jahren zurückgegangen.

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