Wo überwintern die Papageien?

Seit Jahren leben Halsbandsittiche im Rhein-Main-Gebiet. Obwohl sie eigentlich aus wärmeren Ländern stammen, scheinen die auffälligen Vögel auch den deutschen Winter unbeschadet zu überstehen.

Wo überwintern die Papageien?

Mit ihrem grasgrünen Gefieder, dem knallroten Schnabel und dem lauten Ruf gehören die Halsbandsittiche (eine Papageienart) zu den auffälligeren Vertretern der Mainzer und Wiesbadener Tierwelt. Ursprünglich in Indien und Zentralafrika beheimatet, wurden die Vögel in den Sechzigerjahren als Zoo- und Haustiere gehalten. Die Nachkommen ausgesetzter oder entflogener Exemplare haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in Mainz und Wiesbaden ausgebreitet und sind im Sommer in den Bäumen der Parks und Grünanlagen zu sehen.

Grüngefiederter Anpassungsspezialist

Wie aber überleben die eigentlich wärmere Regionen gewöhnten Tiere den deutschen Winter, will Merkurist-Leser Mario wissen. „Der Halsbandsittich ist ein Neozoon, also ein Tier, das sich in Gebieten ausbreitet, in dem es zuvor nicht heimisch war“, erklärt Christian Henkes vom Naturschutzbund Mainz und Umgebung (Nabu). „Anfangs glaubte man nicht, dass es die Halsbandsittiche durch die kalte Jahreszeit schaffen würden, und in Gebieten wie den Alpen würden sie vermutlich sterben, aber hier kommen sie gut zurecht.“

Das liege vor allem an der Ernährung der bunten Vögel: „Halsbandsittiche sind Frucht- und Körnerfresser, die im Gegensatz zu insektenfressenden Vögeln nicht wandern, sondern ganzjährig an einem Ort bleiben“, so Henkes. Obst, Körner und Nüsse fänden die Tiere innerhalb des Mainzer Stadtgebiets zu genüge, aufgrund ihres kräftigen Schnabels könnten sie sich sogar von Kernen ernähren, die für heimische Vögel nicht zu knacken sind.

Übernachten im Schlafbaum

Während die Nahrungsbeschaffung für die Tiere offenbar kein Problem darstellt, bleibt die Frage nach einem Schlafplatz in den Winternächten, die auch im eher milden Rhein-Main-Gebiet empfindlich kalt werden können. „Des Weiteren suchen sie Schutz in Bäumen, leerstehenden und offenen Gebäuden und auf Balkonen“, vermutet Merkurist-Leserin Marita und hat damit teilweise Recht. „Die Halsbandsittiche übernachten in Schlafbäumen, beispielsweise im Biebricher Schlosspark oder im Gonsbachtal“, erklärt Christian Henkes. Auf spezielle wind- oder frostgeschützte Unterkünfte seien sie aber nicht angewiesen: „Im ersten Augenblick ist der Halsbandsittich natürlich ein Exot, aber er hat sich so gut angepasst, dass er hier problemlos überwintern kann.“

Ob das erstrebenswert ist oder der anpassungsfähige Vogel eine Bedrohung für die ansässige Vogelwelt darstellt, sei noch umstritten. „Es gibt eine schwarze Liste mit invasiven Tieren und Pflanzen, die heimische Arten gefährden, der Halsbandsittich gehört aber nicht dazu“, so Henkes. Als Höhlenbrüter nehme der Sittich keinem anderen Vogel die Nistplätze weg und auch bei der Futtersuche fände er eigene Nischen. „Natürlich muss man abwarten, aber aktuell sehen wir eher keine Schädigung.“ Dennoch spricht Henkes sich dagegen aus, die Vögel gezielt zu füttern: „Das sollte man lassen, die kommen zurecht.“ (df/pk)

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