Dürfen in Mainz Bruthöhlen an Häusern verschlossen werden?

Wer sein Haus saniert, spachtelt meist auch vorhandene Löcher zu. Darin jedoch können sich Bruthöhlen von Vögeln wie Spechten oder Halsbandsittichen befinden. Was ist hier erlaubt?

Dürfen in Mainz Bruthöhlen an Häusern verschlossen werden?

Seit vielen Jahren beobachtet Mirjam Lange, wie in ihrer Nachbarschaft einige Halsbandsittiche Nester in die Hausfassaden bauen. Dazu nutzen sie vorhandene Löcher in der Wand, um dort ihre Eier abzulegen. Doch nun werden die alten Häuser in einigen Gonsenheimer Straße saniert – und die Löcher zugespachtelt. „Die Vögel sitzen dann meist verzweifelt davor“, berichtet Lange. Ob sich darin Eier oder Küken befinden, könne sie nicht beurteilen.

Halsbandsittiche sind Höhlenbrüter. Das heißt, sie nutzen am liebsten Baumhöhlen, um dort zu brüten. Doch das Angebot ist rar in der Stadt und die Sittiche zahlreich, es gibt also prinzipiell zu wenig Nistplätze. Also weichen die Vögel auch auf Löcher in Häusern aus. Die hat vorher meistens ein Specht hergerichtet. „Sittiche, Stare und Dohlen sind oft Nachmieter der Spechte“, erklärt Rainer Michalski von der Nabu-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe. „Hämmert der Specht gegen eine Hausfassade, klingt das für ihn ähnlich wie ein Baum.“ Oft weiten die Nachfolger die Höhlen weiter aus, wenn sie mehr Platz benötigen.

Löcher in Brutzeit nicht verschließen

Jedoch ist die Brutzeit für die Halsbandsittiche längst vorbei, sie legen ihre Eier zwischen Februar und Mai. „Es kann sein, dass die Tiere jetzt schon die Augen aufhalten für nächstes Jahr, um sich bereits einen Platz zu sichern“, so Michalski. Gebrütet wird also auch in den Häusern von Gonsenheim nun nicht mehr. Zur Brutzeit die Höhlen zuzuspachteln, wäre ohnehin verboten. „Das würde gegen das Tierschutz- und das Naturschutzgesetz verstoßen“, so Michalski. Dieses Verbot gilt zwischen dem 1. März und dem 30. September, wie das Grün- und Umweltamt auf Anfrage präzisiert.

Doch auch außerhalb dieser Zeit sollen Löcher, bevor sie verschlossen werden, von einem fachkundigen Biologen kontrolliert werden. Das gilt vor allem für besonders oder streng geschützte Arten. Es könnte sein, dass sich dort zum Beispiel Spechte, Gartenschläfer, Meisen oder Sperlinge eingenistet haben. Nach der Untersuchung muss mit dem Bericht des Gutachters dann eine sogenannte „Befreiung von den Verbotstatbeständen“ bei der Oberen Naturschutzbehörde beantragt werden. Meistens muss dann Ersatz geschaffen, also künstliche Nisthilfen angeschafft, werden.

Heimische Wildvögel besonders geschützt

Ein prinzipieller Schutz gilt also für heimische Wildvögel, das betrifft sowohl die Tiere selbst als auch ihre Brutstätten, sagt Michalski vom Nabu. Der Sittich jedoch ist ein Neubürger in der Region, eine nicht-heimische Art. Bei Halsbandsittichen sind die Auflagen nicht so streng, denn sie genießen derzeit noch nicht den „allgemeinen Schutzstatus“. Wie das Umweltamt mitteilt, dürfen Höhlen, die ausschließlich von Sittichen genutzt werden, außerhalb der Brut- und Nistzeit verschlossen werden, ohne dass ein entsprechender Ersatz geschaffen werden muss, „jedoch ebenfalls nach vorheriger Kontrolle.“

Während der gesetzlich geregelten Brut- und Nistzeit soll die Anwesenheit der Tiere nach den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes geduldet werden. Vergrämungsmaßnahmen, zum Beispiel durch eine Greifvogelattrappe, reflektierenden Windspielen oder Ähnlichem seien hingegen nur erlaubt, wenn in den Höhlen keine Tiere leben oder brüten.

Wie können Vögel von den Fassaden ferngehalten werden?

Tipps, wie verhindert werden kann, dass Vögel in der Hausfassade nisten, kann das Umweltamt nicht geben. „Leider sind bisher keine nachhaltigen Lösungen bekannt, die Tiere von den Fassaden fernzuhalten“, heißt es dort. Helfen könne etwa ein möglichst glatter und starker Fassadenputz. Auch könne vermieden werden, hohl klingende Wärmedämmungen einzubauen. Möglicherweise sei Fassadenbegrünung ein Mittel, um die Sittiche und auch Spechte von der Beschädigung der Fassaden abzuhalten. Wissenschaftliche Untersuchungen gebe es hierzu aber nicht.

Die Stadt selbst habe bereits Maßnahmen ergriffen, die verhindern sollen, dass Vögel Löcher in die Fassade hämmern: „Unsere stadtnahen Gesellschaften nehmen zunehmend von gängigen Wärmedämmsystemen Abstand und greifen zunehmend auf die Verkleidung mit Fassadenplatten zurück, welche insbesondere vom Halsbandsittich und Specht nicht beschädigt werden können. So wurde etwa am Gebäude des Finanzamts eine Metallverkleidung angebracht, nachdem dort immer wieder die Fassade beschädigt worden sei. Prinzipiell sei das Umweltamt stets auf der Suche nach Lösungen, „wegen des sehr hohen wirtschaftlichen Schadens und um die Akzeptanz des gesetzlichen Artenschutzes nicht zu gefährden.“

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