Die Geschichte hinter den rheinhessischen Trulli

Ein weißes Häuschen mitten in den Weinbergen: im italienischen Apulien ein normaler Anblick. Und in Rheinhessen. Ein Ausflug zu einem deutschlandweit fast einzigartigem Phänomen.

Die Geschichte hinter den rheinhessischen Trulli

Hoch über Flonheim, auf dem Adelberg oberhalb der Rabenkanzel im Aulheimer Tälchen, steht ein rundes weißes Häuschen zwischen den Reben. Wie ein Zuckerhut leuchtet es im Weinberg auf. Sein Dach läuft spitz nach oben zu, es hat winzige Fenster, eine Tür gibt es nicht. Auch innen ist nicht besonders viel Platz.

Drei solcher „Trulli“ stehen in der Region rund um Flonheim. Erreichen kann man das wohl älteste Rundhaus auf dem Adelberg nur zu Fuß, etwa auf der „Hiwweltour Aulheimer Tal“ – und gleich dort eine Rast einlegen.

Schutzhütten in der Weinbergen

Trulli existieren bereits seit dem 18. Jahrhundert in Rheinhessen. Gebaut wurden sie als Schutzhütten in den Weinbergen. Was auffällt: Sie sehen genauso aus wie die Hütten im italienischen Apulien. Ein direkter Zusammenhang sei aber bis heute nicht eindeutig geklärt. „Historisch ist nicht belegt, ob die Rundhäuser aus Apulien als Vorbild dienten oder nicht“, heißt es auf Seiten von Rheinhessen Tourismus. Vermutet wird jedoch, dass sie einst von lombardischen Wanderarbeitern errichtet wurden, die Anfang des 18. Jahrhunderts in den Sandsteinbrüchen gearbeitet haben.

Die Besonderheit: Die Rundhäuser werden ohne Mörtel gebaut. In Italien werden sie auch „Furnieddhi“ oder „Pajuru“ genannt. Sie sind Kraggewölbebauten („falsches Gewölbe“) aus Trockenmauerwerk aus Naturstein. Nach oben hin werden sie immer spitzer und schließen oft mit einer Kugel oder einem anderem Symbol ab.

In Italien wurden sie zwischenzeitlich auch in Orten errichtet, doch ursprünglich waren sie auch dort außerhalb, in den Feldern, zu finden. Erbaut wurden sie erstmals im 17. Jahrhundert. Durch ihre sehr dicken Wände und kleinen Fenster sollten sie Schutz bieten gegen Hitze im Sommer und Kälte im Winter.

In Apulien werden einige von ihnen inzwischen in den Ferien vermietet. In einem Ort findet sich ein Viertel, das komplett aus Trulli besteht. Es gehört inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

In Deutschland sind die rheinhessischen „Trulli“ fast einzigartig. Sie stehen in der Nähe von Flonheim, Erbes-Büdesheim und Siefersheim und werden, ganz Rheinhessisch, natürlich nicht „Trulli“ genannt, sondern „Wingertsheisje“ oder „s weis Heisje“. Das höchste steht bei Wendelsheim: Fünf Meter hoch ist der Laukhard-Trullo dort. Besonders viele stehen im südlichen Rheinhessen, dem Wonnegau, einige sind noch bei Worms zu finden sowie an der Weinstraße.

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