Junge Auszubildende und ältere Menschen sind die großen Verlierer auf dem Mainzer Wohnungsmarkt. Davor warnt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und beruft sich auf eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts, die sie mit in Auftrag gegeben hat. Demnach können sich viele der rund 4470 Auszubildenden in Mainz keine eigene Wohnung leisten und leben daher nicht immer freiwillig noch bei ihren Eltern.
Die Situation sei so prekär, dass sie die lokale Wirtschaft bedrohe, erklärt Rüdiger Wunderlich, Bezirksvorsitzender der IG BAU Rheinhessen-Vorderpfalz. „Wenn Ausbildungsverträge am Wohnungsmangel und an zu hohen Mieten scheitern, dann ist das Maß voll. Das kann sich die heimische Wirtschaft nicht erlauben“, so Wunderlich. Die Gewerkschaft fordert deshalb, den Neubau von Wohnungen für Auszubildende und Studierende gezielt zu fördern.
Gefahr der „Wohnarmut im Alter“
Doch nicht nur junge Menschen seien betroffen. Die IG BAU warnt auch vor einer drohenden „Wohnarmut im Alter“. Dies betreffe vor allem die geburtenstarken Jahrgänge. In Mainz werden nach Berechnungen des Instituts bis 2035 rund 20.800 sogenannte Baby-Boomer in den Ruhestand gehen. Viele von ihnen hätten aufgrund von Arbeitslosigkeitsphasen und Niedriglöhnen nur eine geringe Rente zu erwarten.
Für diese Menschen werde es zunehmend schwierig, ihre bisherige Wohnung zu finanzieren. „Sie wohnen sich regelrecht arm“, sagt Wunderlich. Um dem entgegenzuwirken und die seit Jahren steigenden Mieten zu bremsen, sei ein massiver Ausbau des sozialen Wohnungsbaus unerlässlich. „Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache und zur Sache der politischen Vernunft werden“, fordert der Gewerkschafter.
6600 neue Sozialwohnungen pro Jahr
Die Studie nennt konkrete Zahlen: Um den Bedarf zu decken, müssten in Rheinland-Pfalz jährlich 6600 neue Sozialwohnungen entstehen. Das Ziel sei, den Bestand bis zum Jahr 2035 auf landesweit 80.800 zu erhöhen. Um das zu erreichen, seien Bund und Land in der Pflicht, die nötigen Fördergelder bereitzustellen.
Zudem schlägt die IG BAU vor, Baukosten durch vereinfachte Baustandards zu senken und eine öffentliche Statistik einzuführen, die monatlich erfasst, wie viele Sozialwohnungen in Rheinland-Pfalz neu gebaut werden.