Verein „Armut und Gesundheit“ feiert 20-jähriges Jubiläum

Seit zwanzig Jahren betreut der Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ sozial bedürftige Menschen. Neben medizinischer und psychosozialer Versorgung helfen die Mitarbeiter Betroffenen auch zurück ins vorhandene Gesundheitssystem.

Verein „Armut und Gesundheit“ feiert 20-jähriges Jubiläum

„Solidarität blüht“ - Unter diesem Motto feiert der Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ am Samstag sein zwanzigjähriges Jubiläum. 1997 vom Mainzer Arzt und Sozialpädagogen Gerhard Trabert gegründet, kümmert sich der Verein um die gesundheitliche Versorgung von Wohnungslosen und sozial Benachteiligten. „Wir haben diskutiert, ob wir das feiern sollen“, sagt Trabert, als er die Bühne auf dem Gutenbergplatz betritt. „20 Jahre Bestehen bedeuten auch, dass es weiterhin Lücken im Versorgungsnetz gibt.“

Mit der Jubiläumsfeier wolle der Verein darauf aufmerksam machen, dass auch in Deutschland Menschen abseits von Wohlstand und Sicherheit leben. Zwar gebe es in der Gesellschaft ein tiefes Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit, die Politik sei aber weit von der Lebensrealität sozial Benachteiligter entfernt. Umso mehr freue er sich über die zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter: „Unsere Arbeit hängt von so vielen Menschen ab, das geht nur im Team. Ihr seid der Verein, nicht ich!“

Mobil für Wohnungslose und Kinder

Eine diese Mitarbeiterinnen ist Dr. Monika Orth. Sie vertritt Trabert, wenn er für Auslands- oder Katastropheneinsätze unterwegs ist und fährt seit 17 Jahren das Arztmobil, das Wohnungslosen ärztliche, pflegerische und sozialarbeiterische Hilfe bietet.

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“Wir fahren zu bestimmten Plätzen, an denen sich Wohnungslose oft aufhalten und bieten medizinische und soziale Hilfe an, kommen aber auch auf Abruf”, erklärt Orth. Häufig behandelten die Mitarbeiter Verletzungen, kümmerten sich aber etwa auch um die Hunde der Wohnungslosen. “Die sind oft die einzige Bezugsperson und geben den Menschen eine gewisse Struktur im Alltag.” Am wichtigsten sei ihr das Vertrauen der Patienten. „Die Leute kennen uns und das Mobil und wissen, dass wir ihnen helfen.“

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Neben dem Arztmobil gibt es auch eine ambulante Einrichtung auf der Zitadelle, wo es verschiedene Sprechstunden mit Fachärzten gibt. „Zu uns kommen nicht nur Wohnungslose, sondern auch Menschen ohne Papiere, oder diejenigen, die zwar versichert sind, sich aber keine Zuzahlungen bei Behandlungen leisten können“, berichtet Marion Falkowski, die als Arzthelferin in der Ambulanz arbeitet.

Der „Street Jumper“ unter Leitung von Gisela Bill ist ein weiteres Projekt des Vereins. „Wir fahren an vier Tagen pro Woche in sozial benachteiligte Gegenden und haben ein offenes Angebot für Kinder”, erzählt Karl Steffen Winkler, einer der Mitarbeiter. Basteln, gemeinsam kochen oder Musik machen stehen auf dem Programm, zu essen gibt es belegte Brote, Obst und Gemüse.

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In den Ferien macht das Team mit den Kindern Ausflüge in die Natur oder in Freizeitparks. “Die Kinder sind hauptsächlich zwischen sechs und zwölf Jahre alt, aber jeder ist willkommen”, sagt Katharina Weber, die ebenfalls im Street Jumper arbeitet. “Unser Ziel ist es, den Kindern Selbstbewusstsein zu vermitteln, das soziale Miteinander zu stärken und sie über gesunde Ernährung aufzuklären.”

Armut und Lebensmittelverschwendung

Ebenfalls vor Ort sind Vereine wie „Medinetz“, „Mainz 05 hilft“ oder auch die Food Fighters, der Verein von Michael Schieferstein, der sich gegen Lebensmittelverschwendung und für eine nachhaltige Lebensweise einsetzt. “Armut und Lebensmittelverschwendung sind zwei Themen, die zusammengehören”, sagt Schieferstein. Unterstützt von Freunden und Bekannten hat er in der vergangenen Woche teils 20 Stunden am Tag gearbeitet, um vier Tonnen Lebensmittel, die ansonsten auf dem Müll gelandet wären, zu sammeln.

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“Es geht darum, die Leute auf diese Verschwendung aufmerksam zu machen und ihnen wieder eine Wertschätzung für Lebensmittel beizubringen.” Die geretteten Lebensmittel verteilen die Food Fighters entweder frisch oder zubereitet an die Besucher. Wie an den meisten Ständen gibt es keine festen Preise, sondern die Speisen und Getränke werden gegen Spende verkauft. Damit sollen auch die Bedürftigen, um die es „Armut und Gesundheit in Deutschland“ geht, an der Feier teilnehmen können.

Mehr Informationen über „Armut und Gesundheit in Deutschland“ und die verschiedenen Projekte gibt es auf der Homepage des Vereins.

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