Bericht: Mainzer Professorin wird Plagiat vorgeworfen

Hat die Mainzer Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. Marina Hennig bei ihrer Habilitationsschrift betrogen? Der „Spiegel“ berichtet über einen Plagiatsverdacht. Zuvor war Hennig bereits der Doktor-Titel entzogen, aber vor Gericht wieder zuerkannt worden.

Bericht: Mainzer Professorin wird Plagiat vorgeworfen

Laut einem Bericht des „Spiegel“ werden der Mainzer Professorin Marina Hennig schwere Plagiate in ihrer akademischen Karriere vorgeworfen. Hennig ist seit 2011 Lehrstuhlinhaberin für Netzwerkforschung und Familiensoziologie an der Johannes Gutenberg-Universität (JGU).

Doktor-Titel war eigentlich schon weg

Wie das Nachrichten-Magazin berichtet, sei Hennig bereits 2018 der Doktorgrad von der Berliner Humboldt-Universität entzogen worden. Nach rund dreieinhalb Jahren habe die Mainzer Professorin hier nun aber einen Erfolg erzielen können. So sei die Entscheidung der Universität wegen eines Formfehlers aufgehoben worden. „Die Zusammensetzung der Promotionskommission habe gegen das in der Prüfungsordnung vorgesehene Verfahren verstoßen, heißt es in dem Urteil“, berichtet der „Spiegel“.

Doch nun sollen Hennig erneut Probleme drohen - diesmal wegen ihrer Habilitationsschrift. Fast zwei Drittel dieser Arbeit, die 2006 erschien, „strotzt vor Passagen, die unter dringendem Plagiatsverdacht stehen“, schreibt das Nachrichten-Magazin und verweist dabei auf Auswertungen der Rechercheplattform „Vroniplag Wiki“. Demnach habe Vroniplag Wiki auf rund 70 Prozent der Seiten entsprechende Stellen gefunden. Teilweise seien sogar ganze Absätze aus Vorlagen kopiert worden, ohne die Originalstellen zu nennen.

„Die Soziologin ist damit wohl verantwortlich für eins von nur zwei Doppelplagiaten, die in Deutschland bei akademischen Karrieren bisher bekannt sind“, sagt der Wissenschaftspublizist Jochen Zenthöfer gegenüber dem „Spiegel“. Doch ob die Mainzer Professorin hier mit Konsequenzen rechnen muss, ist wohl eher fraglich. Wie Zenthöfer dem Nachrichten-Magazin sagt, sei vor allem der lange und langsame Ablauf des Verwaltungsgerichtsverfahrens bemerkenswert. „Das spielt Frau Hennig direkt in die Karten“, erklärt Zenthöfer im „Spiegel“. Denn wenn man davon ausgehe, dass die Soziologin im Jahr 2026 pensioniert werde, sei es durchaus realistisch, dass Hennig durch Widersprüche und ein weiteres Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht die Aberkennung so lange hinauszögere, dass sie ihre Professur bis zum Ruhestand retten könne, zitiert das Nachrichten-Magazin den Publizisten.

Und was sagt nun die Mainzer Professorin zu den erhobenen Vorwürfen? Laut „Spiegel“ ließ Hennig eine schriftliche Anfrage unbeantwortet. Dafür wird Publizist Zenthöfer im Nachrichtenmagazin deutlich: „Angesicht der zahlreichen fragwürdigen Stellen in ihren Arbeiten wäre es aber schon bemerkenswert, wenn sie weiterhin als Professorin agieren kann.“

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