Plagiats-Affäre um Professorin: „Versagen der Uni Mainz“

Die Mainzer Uni-Professorin Marina Hennig gerät immer mehr in Bedrängnis. Nicht nur bei der Doktorarbeit, sondern auch bei der Habilitationsschrift soll sie „betrogen“ haben. Doch Konsequenzen muss die Professorin wohl keine fürchten.

Plagiats-Affäre um Professorin: „Versagen der Uni Mainz“

Neue Runde in der Plagiats-Affäre um die Mainzer Uni-Professorin Marina Hennig. Nachdem bereits der „Spiegel“ über den mutmaßlichen Betrug der Lehrstuhlinhaberin für Netzwerkforschung und Familiensoziologie berichtet hat, legt nun der Wissenschaftspublizist Jochen Zenthöfer im Gespräch mit Merkurist noch einmal nach und macht deutlich, was sich Hennig aus seiner Sicht hat zu Schulden kommen lassen.

Was der Professorin zur Last gelegt wird

Wie der „Spiegel“ berichtete, sei Hennig bereits 2018 der Doktorgrad von der Berliner Humboldt-Universität entzogen, wegen eines Formfehlers die Entscheidung der Universität aber wieder aufgehoben worden. Nun gibt es Probleme mit Hennigs Habilitationsschrift. Fast zwei Drittel dieser Arbeit, die 2006 erschien, „strotzt vor Passagen, die unter dringendem Plagiatsverdacht stehen“, schreibt das Nachrichten-Magazin und verweist dabei auf Auswertungen der Rechercheplattform „Vroniplag Wiki“. Wie nun Wissenschaftspublizist Jochen Zenthöfer sagt, habe man bei Hennig allerdings nicht nur Plagiate festgestellt. Auch die Arbeit sei inhaltlich schlecht. Denn oft schreibe sie falsch ab. So mache sie beispielsweise aus dem Begriff Evolution einfach Evaluation. „Dass das niemandem an der Berliner Humboldt-Universität aufgefallen ist, ist schon ein Skandal“, so Zenthöfer. Zudem übernehme Hennig das Fazit beziehungsweise ihre Erkenntnisse, also das, was eine Doktorarbeit ausmache, teilweise aus anderen Arbeiten.

„Aber essenziell ist vor allem das Versagen der Uni Mainz.“ Die Uni könnte disziplinarisch gegen Hennig vorgehen oder zumindest einmal ihre Arbeit überprüfen, sagt Zenthöfer. „Die Uni Mainz stellt sich stattdessen einfach auf den Standpunkt: Wir machen erst was, wenn Hennig der Doktor-Grad wirksam entzogen ist.“ Das Problem dabei sei, dass das dauern könne. „Hennig unterrichtet, obwohl sie in großem Maße wissenschaftlichen Betrug begangen hat. Davor verschließt die Uni Mainz die Augen.“ Dort wolle man sich nicht mit dem Plagiat beschäftigen, das ja von „VroniPlag Wiki“ anschaulich aufgedeckt worden sei.

Hennig gehe jedenfalls in fünf oder sechs Jahren in Pension. Ob ihr bis dahin der Doktor-Grad überhaupt rechtskräftig entzogen ist, sei unklar. Denn sie könne in Berufung und Revision gehen. „Aber die Uni Mainz lässt Hennig einfach weiterlehren, obwohl ihre wissenschaftliche Qualifikation nicht existiert“, so Zenthöfer. Das sei ein singulärer Fall in der deutschen Universitätsgeschichte. Von der Mainzer Universität könne man nur enttäuscht sein. „In meinen Augen befleckt die Untätigkeit die Geschichte der Hochschule in zunehmendem Maße. Andere Universitäten hätten längst gehandelt – weshalb nicht die Mainzer?“ Einem bekannten Spruch abgewandelt könnte es heißen: „Mainz wie es sinkt und gar nichts macht“, sagt Zenthöfer.

Wie die Uni Mainz auf die Vorwürfe reagiert

Auch wenn die Beweise für einen Betrug von Hennig erdrückend erscheinen, sieht die Uni Mainz keinen Grund, in dem Fall zu handeln. Ein aktives Eingreifen beziehungsweise eine Prüfung der Arbeiten Hennigs lehnt die Verwaltung komplett ab und sieht stattdessen die Humboldt-Universität in Berlin in der Verantwortung. So teilt die Pressereferentin der Johannes Gutenberg-Universität, Kathrin Voigt, auf Anfrage von Merkurist mit, dass mögliche weitere rechtliche Schritte der Humboldt-Universität Berlin oblägen. „Sollten diese zu einer rechtskräftigen Aberkennung akademischer Grade zum Nachteil von Frau Prof. Hennig führen, wird die Johannes Gutenberg-Universität Mainz vor dem Hintergrund der gesetzlichen Vorgaben die rechtlich gebotenen Maßnahmen ergreifen“, heißt es in einem Statement. Weitere Fragen beantwortet die Uni nicht.

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