Corona-Studie: Mehr als 40 Prozent wissen nicht, dass sie infiziert sind

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und weitere Verantwortliche stellen Ergebnisse der Gutenberg-Studie vor.

Corona-Studie: Mehr als 40 Prozent wissen nicht, dass sie infiziert sind

Etwa 42 Prozent aller Corona-Infizierten wissen nicht, dass sie infiziert sind. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der großen Gutenberg COVID-19 Studie. Mit neun Monaten intensiver Forschung von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz ist sie eine der größten und umfassendsten Studien ihrer Art in Deutschland. Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Wissenschaftsminister Clemens Hoch (beide SPD), Professor Philipp Wild, der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Professor Georg Krausch, und der Vorstandsvorsitzende Universitätsmedizin Mainz Professor Norbert Pfeiffer stellten am Mittwoch die Ergebnisse vor.

Da so viele Personen nichts von ihrer Infektion wissen, sei es richtig gewesen, in Rheinland-Pfalz auf flächendeckende Testangebote zu setzen, so Dreyer. „Hier konnten viele Infektionen entdeckt werden, die sonst verborgen geblieben wären, und die Ausweitung der Pandemie so gebremst werden.“ Männer seien häufiger unwissend infiziert gewesen, ebenso ältere Studienteilnehmende: Der Höchstwert lag bei etwa 63 Prozent bei den 75- bis 88-Jährigen. Derzeit lassen sich laut der Studie allerdings immer weniger Menschen testen - vor allem geimpfte und genesene Personen. Betrug die Testrate der vollständig Geimpften Ende April 2021 knapp 30 Prozent, sank der Wert auf aktuell rund 15 Prozent.

Eine weitere Erkenntnis der Studie sei, dass gerade die niedrigschwelligen Vorgaben wie die AHA-Regeln einen hohen Nutzen hätten. „Menschen, die häufiger Maske getragen oder sich häufiger an die Abstandsregeln gehalten haben, haben sich im Rahmen der Studie auffällig seltener infiziert. Das bestätigt auch, dass unser Schwerpunkt in Rheinland-Pfalz mit Maske und Co. eine richtige Entscheidung war und mit Sicherheit zur Reduktion der Infektionszahlen deutlich beigetragen hat“, so die Ministerpräsidentin.

Personen, die Mindestabstände einhielten, waren zu 50 Prozent weniger infiziert; wer regelmäßig eine Maske trug, war um rund 34 Prozent weniger infiziert. Bei Berufstätigen, die ausschließlich im Home-Office arbeiteten, zeigte sich ein um rund 31 Prozent niedrigeres Infektionsrisiko. Das Forscherteam der Universitätsmedizin Mainz konnte in der Bevölkerungsstichprobe keine Anzeichen dafür finden, dass Kinder im Haushalt das Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus erhöhen. Entscheidender war der Anteil der Personen im Haushalt: Bei Haushalten mit vier oder mehr Personen war das Risiko einer Infektion um 30 Prozent höher als in Zwei-Personen-Haushalten. Menschen mit niedrigerem sozioökomischen Status haben ein um 1,6-fach erhöhtes Infektionsrisiko – weniger wegen ihres Verhaltens, sondern eher aufgrund ihrer Lebensverhältnisse.

Zudem sei die Impfkampagne von großer Bedeutung. „Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass eine besonders schutzbedürftige Gruppe, nämlich die Menschen mit niedrigerem sozioökomischen Status, eine niedrigere Impfquote aufweisen.“ Deshalb wolle man jetzt noch stärker dahingehen, wo die Impfquote niedrig ist und viele Menschen zusammenkommen. Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) kündigte an, dass die Studie fortgeführt werden soll.

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