Malu Dreyer erntet Shitstorm nach Corona-Aussage

Ist Deutschland grundsätzlich gut durch die Pandemie gekommen? Das zumindest sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer in der Talkshow von Anne Will. Auf Twitter gab es dafür große Kritik.

Malu Dreyer erntet Shitstorm nach Corona-Aussage

Als Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz ist Malu Dreyer (SPD) ein gefragter Talkshow-Gast, auch wenn es um das Thema Corona geht. Wie der Branchendienst Meedia zeigt, lag sie mit neun Auftritten sogar auf Platz 6 der häufigsten Talkshow-Gäste im Jahr 2020. Doch ihr Auftritt im neuen Jahr in der ARD-Talkshow von Anne Will am Sonntag löste deutlich mehr Diskussionen aus als üblich.

Denn Dreyer sprach bei Anne Will davon, dass Deutschland „insgesamt gut durch die Pandemie gekommen“ sei. Eine zumindest umstrittene Aussage angesichts von mittlerweile mehr als 50.000 Corona-Toten. Gerade ältere Menschen in Alten- und Pflegeheimen konnten in den vergangenen Monaten nicht geschützt werden. Hinzu kommen große wirtschaftliche Schäden durch den Lockdown, der seit Anfang November gilt und seitdem mehrmals verschärft wurde.

Kritik auf Twitter

Entsprechend eindeutig fielen die Reaktionen in den sozialen Medien aus. Autor Friedemann Karig schrieb etwa auf Twitter: „Vor zwei Wochen Manuela Schwesig, heute Malu Dreyer bei #annewill mit ‘insgesamt gut durchgekommen’ - wie man als Ministerpräsident*in so reden kann in einer zweiten Welle bei 50k+ Toten und einem zermürbten Land ohne eine valide Strategie, auf mich wirkt das brutal abgehoben.“

Kritisiert wurde auch Dreyers Aussage, dass Eltern ihre Kinder zu Hause lassen könnten, wenn sie „ängstlich“ seien. Twitter-User Patrick Krink kommentierte ebenfalls auf Twitter: „Malu Dreyer stellt Eltern, die Kinder schützen wollen, als ängstlich da. Das ist ein Abwälzen von Verantwortung und eine Verharmlosung dieser Pandemie. Unverantwortlich als Ministerpräsidentin.“

Dreyer bedauert Missverständnis

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ relativierte Malu Dreyer ihre Aussagen. „In Anbetracht der Pandemie ist ‘gut’ die falsche Vokabel. Was ich ausdrücken will, ist, dass wir ein starkes Gesundheitssystem haben, bei dem sich die Menschen darauf verlassen können, dass sie die medizinische Behandlung bekommen, die sie auch brauchen.“ Sie bedaure, dass ihre Aussagen missverstanden worden seien.

Doch bereits bei „Anne Will“ hatte sich die Ministerpräsidentin deutlich differenzierter geäußert, als es der bei Twitter vielzitierte Satz erahnen lässt. Dreyer sagte: „Ich weiß, an welchem Rande teilweise Kliniken waren. Und ich weiß auch: In Deutschland sterben viel zu viele Menschen. Wir haben die Verantwortung, das zu verändern.“ Anderseits wolle sie deutlich machen, dass es viele Menschen gibt, die derzeit verzweifelt seien. „Weil es um ihre Existenz geht. Betriebe in der dritten Generation fragen sich, wie es weitergehen soll. Und da müssen wir eine richtige Abwägung machen“, so Dreyer. „Aber wir waren uns immer einig, dass der Gesundheitsschutz an erster Stelle steht.“

Logo