Mainz bekommt einen Gedenkort für die deportierten Juden

Fast alle Mainzer Juden und Sinti, die nicht fliehen konnten, wurden während des Zweiten Weltkriegs in Vernichtungslager deportiert. An der ehemaligen Verladerampe soll nun ein Gedenkort entstehen.

Mainz bekommt einen Gedenkort für die deportierten Juden

Massendeportationen von Mainz aus: Vor 80 Jahren wurden vom ehemaligen Güterbahnhof aus erstmals Menschen mit jüdischen Wurzeln zu den Vernichtungslagern transportiert, hunderte weitere folgten. Dort soll nun ein Gedenkort errichtet werden.

470 Menschen waren es allein am 20. März 1942, Ende September folgten 453 weitere, drei Tage später wurden sogar 883 Menschen aus Mainz und der Umgebung in Güterzügen deportiert. Ihre Fahrt endete in Vernichtungslagern wie Theresienstadt und Treblinka, viele von ihnen wurden direkt nach ihrer Ankunft ermordet. Bis Kriegsende waren fast alle Mainzer Juden, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, deportiert, ebenso die 100 in Mainz lebenden Sinti.

Reste der Verladerampe bei Bauarbeiten entdeckt

Reste der historischen Verladerampe des Mainzer Güterbahnhofs wurden vor einigen Jahren bei Bauarbeiten auf dem Gelände Mombacher Straße / Ecke Goethestraße gefunden. Daraufhin schrieb die Stadt einen Ideenwettbewerb aus. Ziel sei es gewesen, ein „künstlerisches und landschaftsplanerisches Konzept für einen Gedenkort“ erarbeiten zu lassen, der an die „Entrechtung und Vertreibung“ von Mainzer Bürgern durch Mainzer Bürger erinnern soll, heißt es bei der Stadt Mainz.

„Die Deportationen fanden eher unauffällig, aber dennoch für alle wahrnehmbar statt.“ - aus der Wettbewerbsbeschreibung der Stadt

„Deportationen waren und sind nicht denkbar ohne Menschen, die ihre Mitmenschen ausgrenzen und zum Verlassen des Lebensraumes zwingen“, stand damals in der Beschreibung zum Wettbewerb. Wichtig sei daher, dass in jedem Falle die Bevölkerung erreicht werde und das Mahnmal zum Nachdenken und Diskutieren anrege. „Die Deportationen fanden eher unauffällig, aber dennoch für alle wahrnehmbar statt. Der Charakter des geplanten Mahnmals sollte der Art und Weise der Deportationen entsprechen.“ 17 Wettbewerbsergebnisse lagen am Ende vor, der erste Preis ging an einen Entwurf aus Sachsen, von „A.S.W Atelier. Schmelzer. Weber“ aus Dresden und dem Bildhaueratelier von Prof. Andreas Theurer aus Mittenwalde.

Aus Anlass des 80. Jahrestages der ersten Mainzer Deportation haben die Vorbereitungen zum Bau des Gedenkorts nun begonnen. Einbezogen werden sollen etwa das Mainzer Haus des Erinnerns, der Verein für Sozialgeschichte sowie die Opfergruppen des NS-Regimes. Den entsprechenden Grundstücksabschnitt überlässt die Firma Vlexx Gmbh der Stadt. Für die Vorarbeiten würden einige Bäume gefällt, teilt die Stadt mit. „Am Gedenkort Deportationsrampe werden später dann zum Ausgleich natürlich wieder Bäume nachgepflanzt werden.“

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