Unbekannter plakatiert Frankfurt mit seinem Gesicht

Seit Monaten klebt sein Foto an vielen Straßenlaternen und U-Bahnhaltestellen. Überall stolpert man in Frankfurt über das Bild des jungen Mannes. Aber wer oder was steckt hinter der Aktion?

Unbekannter plakatiert Frankfurt mit seinem Gesicht

Habt Ihr es schon gesehen? Seit einiger Zeit ziert das Gesicht eines Unbekannten zahlreiche Laternenpfahle und Straßenschilder in Frankfurt. Auch in den U- und Straßenbahnen begegnet einem immer häufiger das Bild des jungen Mannes mit dunklen Haaren und Schnauzer. Es handelt sich scheinbar um ein Passfoto, das durch die eher schlechte Belichtung an eine Aufnahme aus den Achtzigerjahren erinnert. Aber wer ist dieser Typ und was steckt hinter der Aktion?

Betrunken zu viele Passfotos bestellt?

In den sozialen Netzwerken brodelt die Gerüchteküche. In einem Forum der Internetplattform Reddit, auf der jeder Nutzer Links, Fotos und andere Inhalte teilen und kommentieren kann, gehen verschiedene Vermutungen für die Geschichte hinter dem Bild um. Ein Nutzer glaubt, derjenige habe womöglich in betrunkenem Zustand zu viele seiner Passfotos bestellt und daraufhin beschlossen den Überschuss in Frankfurt zu verteilen. Dagegen spricht allerdings die unglaubliche Vielfalt an Orten, an denen das Foto zu sehen ist.

Auch in der Streetartszene erregt die Stickeraktion Aufsehen. In einem Interview mit dem Portal Die Kollektive Offensive, einem Blog aus Frankfurt über Street Art und Graffiti löst der Unbekannte selbst das Rätsel um seine Person. Die Idee stamme ursprünglich von einem Freund des 22-jährigen Frankfurters. Auf einer Party kam diesem der Einfall, Fotos von Personen auf Sticker zu drucken und diese in Frankfurt zu verteilen. Aus Sorge gegen das Copyright zu verstoßen, fiel die Wahl des Motivs auf die eigenen Gesichter.

Geplant war das Ganze als gemeinsame Aktion, die zum Nachahmen anregen sollte: „Nach und nach sollten auch weitere Personen dazu kommen, die Bock haben, Teil dieser Fotoserie zu werden“. Jedoch machten alle anderen Beteiligten im Nachhinein einen Rückzieher und so kam es, dass das Gesicht des jungen Mannes ohne den „Schutz des Kollektivs“, mit dem er eigentlich gerechnet hatte, plötzlich stadtbekannt war.

Foto brachte ihm ungeahnten Ruhm

Denn die aus einer Partylust heraus entstandene Aktion führte jetzt zu ungeahntem Ruhm. Es komme immer häufiger vor, dass er beim Anbringen seiner Sticker angesprochen oder gar nach Fotos gefragt werde. „Mittlerweile gibt es keinen Tag mehr, an dem ich nicht angelabert werde“. Die meisten Leute wollten allerdings wissen, was denn der Sinn dieser Aktion sei. „Warum machst Du das?“ bekomme er oft zu hören. Mit Graffiti habe er selbst eigentlich nichts am Hut, sagt der junge Mann, dessen Konterfei die ganze Stadt säumt. Besonders toll findet er die Freude, die die Leute beim Finden der Fotos - und mittlerweile auch selber verteilen - haben: „Da steckt irgendwie so eine positive Energie dahinter“, sagte er in dem Interview über das Mitwirken von Freunden, aber auch Unbekannten.

Besonders aktiv ist der „Typ vom Foto“ allen voran bei Instagram. Dort wird besonders deutlich, an wie vielen unterschiedlichen Orten das Passbild inzwischen zu sehen ist. Ob beim Testspiel im Trainingslager der Frankfurter Eintracht oder deutschlandweit in U-Bahnhaltestellen. Sogar nach New York oder Los Angeles hat sein Bild es schon geschafft. Vielleicht gelingt es ihm, durch sein Netzwerk einen neuen Trend zu starten.

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