Nach der Protestaktion, bei der in der Nacht zum Freitag Brunnen in der Mainzer Innenstadt grün gefärbt wurden, hat sich nun Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) geäußert. Das teilte die Stadt Mainz mit.
Die Aktivisten der Gruppe „Widerstandskollektiv Mainz“ hatten den Fastnachtsbrunnen und den Brunnen am Höfchen eingefärbt. Damit protestierten sie gegen die Baugenehmigung für ein Gaskraftwerk auf der Ingelheimer Aue und forderten einen sofortigen Stopp des Projekts.
OB sieht „Vorzeigeprojekt“ für Energiewende
Haase bezeichnete das Vorhaben als „absolutes Vorzeige- und Zukunftsprojekt, auf das wir in der Region stolz sein können“. Er findet: „Mit solchen Aktionen schadet man leider der Energie- und Wärmewende.“
Haase weiter: „Fakt ist: Wir alle nutzen fast täglich Rechenzentren – durch Social Media, KI oder Mailkommunikation.“ In Mainz werde das „nachhaltigste Rechenzentrum in ganz Deutschland“ mit energiesparender Kühlung und effizienten Gasmotoren errichtet. Dabei werde bewusst auf die sonst üblichen Dieselaggregate verzichtet und schädlichere Kohleenergie im Gesamtstromnetz ersetzt.
Wärme für 20.000 Haushalte
Darüber hinaus könne die Abwärme des Rechenzentrums sinnvoll genutzt werden, um bis zu 20.000 Haushalte zu beheizen. „Das ist ein hochinnovativer Beitrag zur Wärmewende, weil dadurch viel weniger CO2-Emissionen durch fossile Energieträger ausgestoßen werden“, so Haase. Da das Projekt kommunal getragen werde, blieben zudem die Gewerbesteuern in Mainz und die Einnahmen könnten in den ÖPNV investiert werden.
Grundsätzlich sei Protest in der Demokratie erlaubt, solange die Brunnen nicht beschädigt würden. „Ich nehme die Sorgen vieler Menschen vor dem Klimawandel sehr ernst, und auch mich treibt das Thema an“, erklärt der OB. Umso wichtiger sei es, realistische Lösungen zu diskutieren und umzusetzen. Die Aktivisten hatten die Pläne zuvor als „Greenwashing“ bezeichnet und kritisiert, dass das städtische Ziel der Klimaneutralität bis 2035 mit dem neuen Gaskraftwerk nicht zu halten sei.