Was es mit dem Zelt in der Grünanlage auf sich hat

Seit einiger Zeit befindet sich in der Grünanlage gegenüber der Uni-Klinik mitten im Gebüsch ein übergroßer Regenschirm. Dieser dient allerdings nicht nur als Schutz vor Nässe, sondern er ist zugleich Unterkunft für eine wohnunglose Frau.

Was es mit dem Zelt in der Grünanlage auf sich hat

Wer in diesen Tagen in der Grünanlage am Römerwall in der Oberstadt unterwegs ist, dem ist er wahrscheinlich aufgefallen: ein Riesen-Regenschirm gleich in der Nähe eines Begrenzungszauns. Auch Leser Bert kennt ihn. In seinem Snip fragt er: „Warum ist schon seit Monaten ein Zelt im Oberstadtpark aufgebaut? Was hat es damit auf sich?“

Schaut man genauer hin, merkt man schnell, dass der Schirm nicht einfach dorthin geworfen wurde, um ihn zu entsorgen. Vielmehr dient er als Rückzugsort für eine obdachlose Frau. Rings um den Schirm, an dem noch eine Plane befestigt ist, stehen vollbepackte Einkaufstaschen und auch kleinere Eimer. Zudem hängt noch eine Jacke über dem Zaun.

Frau wird betreut

Doch wer ist die Frau, die sich hinter dem Schirm verbirgt und sogar bei Minusgraden dort Nacht für Nacht verbringt? Gegenüber Merkurist will sich die Frau nicht zu ihrer Situation äußern. Dafür kennt der Mainzer Arzt Gerhard Trabert die Frau. Mit seinem Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland e.V.“ kümmert er sich unter anderem um wohnungslose Menschen.

Wie Trabert sagt, sei ihm die Frau schon länger bekannt. „Wir gucken regelmäßig nach ihr, wir überlassen die Frau nicht sich selbst.“ So habe die Frau auch einen Betreuer und könnte sogar in eine Unterkunft. „Sie möchte aber nicht unbedingt Kontakt zu Menschen.“ Sie habe für sich momentan diese Lebensform gewählt und dies müsse man auch akzeptieren, so Trabert. Wer der Frau begegnet und ihr helfen möchte, könne sie gerne ansprechen, sollte sie aber nicht bedrängen.

Kleiderspenden helfen

Generell gebe es immer noch zu wenig Heimplätze für Frauen, wohnungslose Paare oder auch Personen mit Tieren. In manchen Heimen gebe es Säle, in denen sechs bis acht Leute untergebracht werden. Dies könnten aber viele Leute nicht ertragen, sagt Trabert. Deshalb sei es enorm wichtig, dass die Sozialarbeit auf den Straßen weiterbetrieben wird.

Wer Mainzer Obdachlosen in der kalten Jahreszeit helfen will, der könne zum Beispiel Decken, Schlafsäcke und Handschuhe bei Kleiderkammern, im Thadäusheim oder auch der „Pfarrer-Landvogt-Hilfe e.V“ abgeben. Große Unterstützung für die Obdachlosen komme auch immer wieder von „Mainz 05 hilft e.V.“, sagt Trabert. Der Verein sponsere unter anderen Schlafsäcke, Iso-Matten und Thermo-Unterwäsche, die die Obdachlosen gut gebrauchen könnten. (pk/rk)

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