Streit zwischen Mainz und Wiesbaden wegen neuer Rheinbrücke

Seit Jahren wird über eine mögliche dritte Rheinbrücke zwischen Mainz und Wiesbaden diskutiert. Und immer wieder kommt es deshalb zum Streit zwischen den beiden Landeshauptstädten. So auch dieses Mal.

Streit zwischen Mainz und Wiesbaden  wegen neuer Rheinbrücke

Im Februar wurde die Theodor-Heuss-Brücke nach mehreren Wochen Baustelle wieder für den Verkehr freigegeben. Im Nachhinein weiß man: Der befürchtete große Verkehrskollaps ist nicht aufgetreten. Und für die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) zeigt das: „Wir brauchen keine neue Rheinbrücke für Autos. Mit dem Ausbau der Schiersteiner Brücke wird mehr Kapazität gewonnen. Eine neue Brücke würde wieder mehr Autofahrer anlocken. Das funktioniert wie Schwarmintelligenz.“

Wortbruch in Mainz?

Ganz anderer Meinung ist seit langem schon der Wiesbadener Stadtentwicklungsdezernent Hans-Martin Kessler. Er sagt nicht nur: „An einer zusätzlichen Rheinbrücke führt kein Weg vorbei.“ Sondern wirft der Mainzer Ampel-Koalition im Rathaus indirekt Wortbruch vor.

Kessler hatte sich schon mehrfach offen positiv für eine mögliche dritte Rheinquerung ausgesprochen. Anfang des Jahres kritisierte Kessler bereits, dass die Mainzer nicht mehr offen für eine Brücke waren, obwohl die Ergebnisse der verkehrstechnischen Untersuchungen bezüglich des Themas noch gar nicht abgeschlossen waren. Über die verkehrlichen und städtebaulichen Auswirkungen einer dritten Rheinbrücke habe man zu diesem Zeitpunkt also noch gar nichts wissen können, wie Kessler erklärt.

„Und dies auch noch entgegen anderslautenden Beschlüssen in Mainz und Wiesbaden sowie im gemeinsamen Städteausschuss, in dem der Mainzer Oberbürgermeister Ebling noch erklärt hatte, dass er eine weitere Rheinbrücke unterstütze“, beklagt der Stadtentwicklungsdezernent. Jetzt heißt es aus Mainz jedoch, man habe kein Interesse an diesem Projekt.

Kesslers Kritik an Mainz

Mit Blick auf umfassende städtebauliche Entwicklungen auf beiden Seiten des Rheins, den Mainzer Zollhafen, die Entwicklungsachse Wiesbadener Straße in Kastel, das Lindequartier in Kostheim, dazu noch den neuen Stadtteil Ostfeld, betont Kessler: Das alles seien Entwicklungen, die eine neue Rheinbrücke längst überfällig machten. Die linksrheinische Politik mache sich zu den kommunalen wie regionalen Individual- und Gewerbeverkehren einen „schlanken Fuß“ und lenke die Last ungebremst über die Schiersteiner und die Theodor-Heuss-Brücke zulasten Wiesbadens, nämlich auf die Autobahnen A 66 und A 671.

„Wir brauchen eine weitere Rheinbrücke.“ - Hans-Martin Kessler

Für Kessler ist klar: „Wir brauchen eine weitere Rheinbrücke – aus dieser für die Zukunftsfähigkeit der beiden Landeshauptstädte wichtigen Entscheidung wird sich niemand in Mainz oder Wiesbaden heimlich verabschieden können.“ (df)

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