„Unzumutbare Zustände“: Ladenbesitzer klagen gegen Mainzer Marktfrühstück

Mehrere Tausend Menschen versammeln sich seit Wiedereröffnung des Marktfrühstücks jeden Samstag auf dem Liebfrauenplatz. Den ansässigen Ladenbetreibern indes bleiben die Kunden weg. Nun planen sie sogar eine Klage.

„Unzumutbare Zustände“: Ladenbesitzer klagen gegen Mainzer Marktfrühstück

Vor knapp zwei Monaten ist das Mainzer Marktfrühstück nach zweieinhalb Jahren coronabedingter Pause wieder gestartet. Seitdem strömen die Menschen samstags in Massen in die Altstadt. 4000 sollen es sein, die dicht gedrängt den Liebfrauenplatz bevölkern. Die Stadt versuchte bereits im Vorfeld, die Veranstaltung zu entzerren, es gab Stände sowohl auf dem Gutenbergplatz und dem Leichhof als auch am Rheinufer. Dennoch bleibt die Menge größtenteils auf dem Liebfrauenplatz.

Die Winzer als Veranstalter versuchen, dem Ganzen mit Sicherheitsdienst, Absperrungen und Pfandregelung Herr zu werden, doch erweist sich auch das als schwierig. Anwohner und Ladenbetreiber berichten, dass nicht nur Müll und Scherben zurückgelassen werden, sondern Betrunkene zudem an Hauswände und Hinterhöfe urinieren.

Leere Geschäfte, bepinkelte Hauswände

Gleichzeitig bleibt es in den umliegenden Geschäften leer. „Wir haben 90 Prozent Umsatzeinbußen am eigentlich verkaufsstärksten Tag“, so Jana Blume, die Quartierssprecherin des City-Managements. Sie betreibt ihr Vintage-Geschäft am Fischtorplatz. „Niemand kommt mehr in unsere Läden, weil es kein Durchkommen gibt. Unsere Existenz steht auf dem Spiel.“ Einige der umliegenden Läden haben nun sogar schon verkündet, an Samstagen ab 14 Uhr zu schließen oder sich zumindest diese Option offenzuhalten. „Ab 12 Uhr herrscht eine unerträgliche Lautstärke, ein Grölen und Brummen wie im Bienenstock“, so Blume. „Ab 14 Uhr geht die Beatbox mit Partymusik an, dann kann man sich nur noch schreiend unterhalten.“

„Muss tatsächlich erst etwas passieren, damit die Stadt eingreift?“ - Jana Blume

Die Sicherheitskräfte und -maßnahmen seien zudem nicht für eine solche Menge an Menschen ausgelegt. „Der Krankenwagen kommt überhaupt nicht durch, wenn etwas passiert“, hat sie bereits beobachtet. Blume fürchtet, dass im schlimmsten Fall eine Massenpanik ausbrechen kann. „Es ist so gefährlich.“ Anrufe an das Ordnungsamt verliefen meist ins Leere. Sie kämen wegen der Vielzahl der Anrufer nicht hinterher, so die Rückmeldung. „Wir haben alle in keinster Weise etwas gegen das Marktfrühstück, aber nicht in dieser Form“, sagt Blume. „Muss tatsächlich erst etwas passieren, damit die Stadt eingreift?“

Klage gegen Veranstalter

Gemeinsam mit anderen Ladenbetreibern hat sich Blume nun einen Anwalt geholt. „Wir werden klagen, weil wir nicht mehr weiterkommen, wir werden einfach nicht gehört.“ Die Klage müsse sich gegen die Mainzer Winzer richten, da sie Veranstalter sind. „Leider, aber anders werden wir von der Stadt nicht beachtet, wir werden schlichtweg ignoriert.“

Blume Ziel: eine Lösung, die für alle sinnvoll ist. „Man könnte die Veranstaltung besser regulieren, am Winterhafen wird das doch auch gemacht.“ So könne man es nur einmal im Monat stattfinden lassen, einen anderen Standort suchen, den Einlass regulieren oder zumindest ein Glasverbot veranlassen. Unterstützung bekomme sie bereits vom Einzelhandels- und vom Gewerbeverein sowie vom City-Management. „Wir werden nicht aufgeben, denn sonst wird die Innenstadt bald ausgestorben sein, weil Läden schließen müssen.“

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