Warum sind Esel im Naturschutzgebiet „Großer Sand“ unterwegs?

Ende vergangenen Jahres war eine Gruppe Esel im Naturschutzgebiet „Großer Sand“ unterwegs. Was genau die Tiere dort machten und warum sie nun wieder verschwunden sind, erklärt die Besitzerin.

Warum sind Esel im Naturschutzgebiet „Großer Sand“ unterwegs?

Graues Fell, struppige Mähne, treuherziger Blick: Vor einigen Wochen konnten Spaziergänger im Mainzer Naturschutzgebiet „Großer Sand“ einer kleinen Eselherde begegnen. Auch Merkurist-Leserin Julia bemerkte die ungewöhnlichen Besucher und stellte hierzu einige Fragen:

Gärtner auf vier Hufen

Zum reinen Vergnügen der Spaziergänger seien die Esel nicht im Großen Sand, so Stadtpressesprecher Ralf Peterhanwahr. Stattdessen handle es sich um eine Pflegemaßnahme, bei der die Esel unerwünschte Pflanzen abgrasen: „Die Tiere werden von ihren beauftragten Eigentümern Frau Fölling und Herr Reifenrath täglich gepflegt und fachgerecht eingesetzt.“ Die Tiere, allesamt Hengste, gehören zu den Rassen Provenceesel, Pyrenäenesel, Thüringer Waldesel und Deutscher Esel.

„Die Vorfahren der Hausesel stammen aus Nordafrika“, erklärt Besitzerin Astrid Fölling. Als ehemalige Steppentiere seien die Tiere sehr gut für den Einsatz in den vorliegenden Dünen- und Sandgebieten geeignet, allerdings nicht nur durch ihre kulinarische Vorliebe für unerwünschte Pflanzen: Die Esel öffneten die Pflanzendecke durch ihre Schritte, das ausgiebige Wälzen auf dem Boden und ihre Vorliebe, Wurzeln auszugraben. So entstehen sogenannte offene Sande, die wichtig seien, um die wertvolle und seltene Vegetation des Naturschutzgebiets zu erhalten.

Zudem knabbern die Tiere gern Holz. Dieses sogenannte Verbeißen von Gehölzen und sprießenden Jungbäumen verhindert, dass sich Kalksande festigen und mit Nährstoffen anreichern können. Während gehaltvolle Erde in heimischen Gärten erwünscht ist, zeichne sich der Große Sand gerade durch seine karge Bodenbeschaffenheit aus: „Zu viele Nährstoffe fördern eine Allerweltsflora und verdrängen die seltenen Arten“, erklärt Fölling. Unerwünschten Dünger hinterlassen die Tiere dabei nicht: „Da Esel extrem gute Futterverwerter sind, ziehen sie nahezu alle Nährstoffe aus der Nahrung und ihre Äpfel düngen den Boden nicht.“ Kiefern, die vereinzelt willkommen seien, würden von den Eseln übrigens nicht verbissen.

Wanderarbeiter in Sachen Grünpflege

Für die Esel hat der Aufenthalt im Naturschutzgebiet übrigens ebenfalls Vorteile: „Esel brauchen mageres Futter mit einem hohen Gehölzanteil, da sie sonst schnell verfetten und krank werden“, so Fölling. Auch für die Hufe der Tiere sei Sand während der nassen Jahreszeiten förderlicher als matschiger Lehmboden. Abgesehen von deren regelmäßiger Pflege seien die Esel genügsam und benötigten nur Wasser und Salz, eine Tetanusimpfung und bei Verletzungen gegebenenfalls einen Tierarzt.

Dass die Esel mittlerweile wieder aus dem Mainzer Sand abgezogen sind, liegt daran, dass ihre Arbeit als Gärtner sehr gefragt ist: „Unsere Esel ziehen als Landschaftspfleger durch den Kreis Mainz-Bingen“, erklärt Besitzerin Fölling. Die Mainzer können sich also auf ein Wiedersehen freuen. (df/rk)

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