Was ist beim Meeting of Styles in Kastel los?

Wer an Graffiti denkt, hat vielleicht zunächst schäbige Schriftzüge an Bahnen oder Hauswänden im Kopf. Dass dahinter aber auch echte Kunstwerke stecken können, beweist jährlich das „Meeting of Styles“. Wir haben einen der Sprayer getroffen.

Was ist beim Meeting of Styles in Kastel los?

Pfffffffffffffft … die graue Farbe schießt aus der Spraydose an die Betonwand am Kasteler Brückenkopf. Der junge Mann schüttelt die Dose kräftig, unter seinen Händen entsteht nach und nach ein meterhoher Vogel. Staunende Blicke von vorbeigehenden Passanten. Zufrieden blickt der Sprayer auf einem etwas wackligem Gerüst stehend auf sein Kunstwerk. Hier noch ein Strich, da noch einer, ein prüfender Blick - und die Skizze ist perfekt. „Das wird dann noch ausgemalt“, sagt Doe und nickt anerkennend.

Er und ein Teil seiner Crew „Friendly Fire“ sind an diesem Wochenende beim „Meeting of Styles“ am Kasteler Brückenkopf. Zu zehnt gestalten sie eine der Wände in der Unterführung, 3000 Quadratmeter Fläche stehen den Sprayern insgesamt zur Verfügung. „Nicht alle sind von meiner Crew, wir haben auch ein paar Gäste dabei“, sagt Doe und zündet sich eine Zigarette an. Er arbeitet eigentlich als Software-Entwickler in Berlin, das Sprayen ist für ihn sein Hobby, ein Ausgleich zu seinem Job. „Ich habe recht spät damit angefangen, da war ich so 16, 17 Jahre alt.“ Spät? „Naja, die meisten fangen mit 13, 14 Jahren an. Ich habe immer schon gerne gemalt und hab’s halt einfach ausprobiert. Dann bin ich dabei hängen geblieben.“

Zum sechsten Mal ist Doe bereits beim „Meeting of Styles“ in Kastel dabei. „Es ist immer etwas Besonderes, sehr freundlich, sehr familiär. Und es hat schon eine lange Tradition.“ Vor allem schätze der Künstler den Austausch mit anderen Graffiti-Sprayern. „Man lernt richtig viele neue Leute kennen“, sagt er und deutet auf eine Wand im hinteren Teil der Unterführung. „Dort malen ein paar Mexikaner, die sind einfach mal 18 Stunden hierher gereist.“

„Doe, hast du mal 15 Minuten?“, sagt eines seiner Crewmitglieder und tippt ihm vorsichtig auf die Schulter. Schon stehen die zehn Sprayer eng zusammen und diskutieren darüber, wer welchen Teil der Wand gestalten darf. „Am Schluss soll ein stimmiges Gesamtbild aus figürlichen Graffitis und Schriftzügen stehen“, sagt Doe. Deswegen habe sich die Gruppe auch vorab viele Gedanken zum Beispiel auch um die Farbgestaltung gemacht. „Jeder setzt die ja auch wieder anders ein, daher wird die Wand auch richtig bunt. Mal sehen, wie das Ganze dann am Montag aussieht.“ In der Stadt sichtbar sein, das ist für Doe einer der schönsten Aspekte beim Sprayen. „Am Ende des Tages ist es einfach schön, wenn du etwas geschaffen hast, das bleibt. Zumindest so lange, bis es übermalt wird“, sagt er und lacht.

Das „Meeting of Styles“ findet noch bis Sonntag, 16. Juni, am Kasteler Brückenkopf statt. Los geht es Samstag und Sonntag ab 14 Uhr. Weitere Infos zu der Veranstaltung findet Ihr hier. (pk)

Logo