Land kürzt Gelder: Werkstatt für psychisch beeinträchtigte Menschen muss schließen

Kosten müssten durch den Werkstattbetrieb erwirtschaftet werden

Land kürzt Gelder: Werkstatt für psychisch beeinträchtigte Menschen muss schließen

Weil das Land Rheinland-Pfalz Pachtkosten nicht mehr übernehmen will, muss die Mainzer gpe Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen nun ihre erste Einrichtung schließen. Das teilt die gpe in einer Pressemeldung mit.

Demnach treffe es die Kunstabteilung BUNT in Hechtsheim. Deren Liegenschaft müsse bis zum 31. März 2023 aufgegeben werden. „Die dort entstehenden Pachtkosten können bei weitem nicht über die Erlöse der Abteilung BUNT gedeckt werden“, heißt es von Seiten der gpe. Daher sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, sich von Liegenschaften zu trennen, um das Risiko zu begrenzen.

Dass das Land als Leistungsträger nun nicht mehr die Pachtkosten übernehme, führe dazu, dass der Aufwand für die Pacht voll in das Arbeitsergebnis der Werkstatt eingerechnet werden müsse. „Da 70 Prozent des Arbeitsergebnisses in die Löhne der Werkstattbeschäftigten fließen, hätte dies zur Folge, dass die Werkstattlöhne sehr deutlich reduziert werden müssen“, erklärt die gpe. „Das Arbeitsergebnis des Leistungserbringers darf nicht dazu verwendet werden, die Vergütung des Trägers der Eingliederungshilfe zu mindern.“ Der Auftrag der Werkstattabteilungen liege nicht darin, Überschüsse zu erzielen, sondern Menschen mit Behinderung zu fördern und ihnen eine sinnvolle Arbeit zu ermöglichen.

Die Haltung des Sozialministeriums sei umso unverständlicher, als das von der gpe umgesetzte Prinzip der so genannten Sozialraumorientierung im Bundesteilhabegesetz ausdrücklich gefordert werde. Die gpe sei nun gezwungen, ihre Abteilungen zu zentralisieren, also den entgegengesetzten Weg einzuschlagen. „Für die Inklusion von Menschen mit Behinderung bedeutet die Rückkehr zu großen, zentralen Werkstätten einen Rückschritt, den wir sehr bedauern.“

Die 19 Menschen, die in der Kunstwerkstatt arbeiten, sei eine Beschäftigung in anderen Werkstattabteilungen keine Alternative.

Hintergrund

Das Konzept der gpe ist eine Teilhabe am Arbeitsleben für psychisch beeinträchtigte Menschen. Als Sozialunternehmen will die gpe dadurch den Menschen „ein Stück selbstbestimmtes Leben ermöglichen“. Unterstützung bekommen die Menschen durch therapeutische Angebote, Trainings und unterschiedliche Arbeitsplätze. Dazu zählen zum Beispiel das „Gast Hof Grün“ in der Leibnizstraße, die Wäscherei in Drais, das „Nähwerk“ in der Kaiserstraße sowie die Abteilung „Druck und Schick’s“ in der Mombacher Straße.

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