Heftige Kritik an Mainzer Unternehmen: Geschäftsführer wehrt sich

Heftige Kritik an „Got Bag“: In einem Artikel wird dem Mainzer Unternehmen sogar „Greenwashing“ vorgeworfen. Doch was sagt der Geschäftsführer dazu?

Heftige Kritik an Mainzer Unternehmen: Geschäftsführer wehrt sich

Als Benjamin Mandos und sein damaliger Geschäftspartner Roman Ruster vor sechs Jahren das Unternehmen „Got Bag“ gründeten, hatten die beiden Mainzer ein großes Ziel: die Plastikvermüllung der Meere einzudämmen. Indonesische Fischer sammeln im Auftrag von „Got Bag“ vor der Nordküste Javas den Plastikmüll ein, der dort im Meer schwimmt. Aus den darin enthaltenen PET-Anteilen wird Garn hergestellt, um daraus wiederum Rucksäcke und Taschen zu produzieren.

Das Konzept kommt seitdem gut an, viele Influencer werben für die stylischen Rucksäcke. Doch jetzt erfährt das junge Unternehmen zum ersten Mal Kritik – und zwar ziemlich heftige. Der Auslöser dafür ist ein Artikel auf „Zeit Online“, der in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Newsletter-Magazin „Flip“ entstanden ist. Er enthält einen Vorwurf, den kein nachhaltiges Unternehmen über sich lesen möchte: Greenwashing.

Mehrere Vorwürfe

Kritisiert wird in dem Artikel, dass „in mehreren Onlineshops und auch in Posts von Influencern“ behauptet worden sei, der „Got Bag“-Rucksack bestehe aus „100 Prozent recyceltem Meeresplastik“. Auch „Got Bag“ selbst habe diese Zahl verbreitet. Auf eine aktuelle Anfrage habe Geschäftsführer Mandos nun unterschiedliche Angaben zum Meeresplastik-Anteil gemacht. In dem Artikel heißt es: „Das Meeresplastik mache 50 Prozent des Gewichts aus. Dann sind es, nachdem man ihn auf Unstimmigkeiten bei den Gewichtsangaben hinweist, nur noch 35 Prozent. Die vierte und letzte Zahl, die ‘Got Bag’ schließlich kommuniziert: Der Rucksack, Modell ‘Rolltop’, bestehe zu 59 Prozent aus ‘Ocean Impact Plastic’. Bei anderen Modellen sei der Anteil etwas höher.“

Ein weiterer Vorwurf in dem Artikel: Das Unternehmen nenne auf seiner Webseite konkrete Zahlen, die aber nicht belegt werden könnten. So spare man mit den „Got Bag“-Rucksäcken „3,8 Barrel Öl, 1700 Liter Wasser und über 139 Tonnen CO₂-Emissionen im Vergleich zum Industrie-Standard“. Außerdem werden in dem Artikel Forscher zitiert, die das ganze Verfahren kritisch sehen, Plastikmüll aus dem Meer zu holen und zu recyclen. „Es gibt keinen Nachweis, dass das wirklich ökologischer ist“, sagt etwa der Textilforscher Kai Nebel von der Hochschule Reutlingen. Studien würden sogar darauf hindeuten, „dass man wesentlich mehr Energie in die Produktion steckt, als wenn man neues Plastik nehmen würde“.

Reaktionen auf den Artikel folgten sofort. Die bekannte Influencerin Louisa Dellert (462.000 Follower) beendete die Zusammenarbeit mit „Got Bag“. „Ich bin traurig und enttäuscht, weil ich bei der Marke immer dachte, dass sie etwas verändern können“, schreibt sie auf ihrem Account. Auch andere Medien, wie der öffentlich-rechtliche Social-Media-Kanal „Funk“ griffen den „Greenwashing“-Vorwurf auf.

Geschäftsführer wehrt sich gegen Kritik

Doch was sagt „Got Bag“-Geschäftsführer Benjamin Mandos? Auf Merkurist-Anfrage räumt er ein, dass man in einigen Fällen „Informationen über die Zusammensetzung unseres Gewebes nicht eindeutig von der unserer fertigen Produkte abgegrenzt“ habe. So sei zwar das Gewebe der Produkte vollständig aus „Ocean Impact Plastic“, die fertigen Produkte hingegen hätten je nach Modell und Ausstattung einen Anteil von 59 bis 100 Prozent. Dafür habe sich Mandos in einem Kommentar zum Artikel und in einer Stellungnahme auf Instagram entschuldigt. Falsch sei jedoch der im Raum stehende Vorwurf, dass man gezielt irreführend oder missverständlich geworben hätte.

Bisher habe man beim Meeresplastik-Anteil die Einzelkomponenten nicht separat ausgewiesen und auch nicht für alle Produkte ermittelt. „Bei der kurzfristigen Anfrage von Flip ging es zunächst nur um ein Produkt. Später im Gesprächsverlauf haben wir dann die Werte für alle Produkte nachgemessen und ergänzt“, so Mandos gegenüber Merkurist. „Als Konsequenz daraus haben wir nun auf den Produktseiten unseres Online-Shops die detaillierte Zusammensetzung unserer Produkte hinterlegt.“

Und was sagt Mandos zu den konkreten Einsparungs-Zahlen („3,8 Barrel Öl, 1.700 Liter Wasser und über 139 Tonnen CO₂-Emissionen im Vergleich zum Industrie-Standard“), die offenbar so nicht belegbar waren? „Beim Validieren dieser Zahlen, die im Übrigen nicht prominent auf unserer Website zu finden waren, ist uns aufgefallen, dass einige Quellen nicht als seriöse Basis verifiziert werden konnten und die Zahlen zudem je nach Quelle variierten.“ Deshalb habe man sich entschlossen, die Informationen von der Homepage zu nehmen.

Mandos weist „Greenwashing“-Vorwurf zurück

Anders sieht Mandos die generelle Kritik am Konzept des Unternehmens, wonach recyceltes Meeresplastik nicht wirklich ökologischer und energieeffizienter sei. „Studien in diesem Bereich mit eindeutigen Ergebnissen sind mir nicht bekannt. Wir würden uns freuen, wenn sie uns zugestellt würden, sodass wir sie prüfen können.“ Da das gesammelte Meeresplastik rein mechanisch recyclet würde und dabei weniger Ressourcen und Energie als bei einer Neusynthese oder einem chemischen Recycling benötigt würden, sei der Recyclingprozess von „Got Bag“ „auf keinen Fall weniger ökologisch“, so Mandos. „Selbstverständlich haben wir ein Interesse daran, unsere Produktion so ressourcenschonend wie möglich durchzuführen und optimieren unsere Wertschöpfungskette gemeinsam mit unseren Partner:innen deshalb stetig.“

Zudem leiste man einen Beitrag, dass „die Menschen ein nachhaltiges Umweltbewusstsein entwickeln und sorge dafür, dass weniger Plastik das Meer verschmutzt“. So habe man mit dem Clean-up-Programm auf Java bereits „mehr als 400 Tonnen Plastik sammeln“ können.

Den Vorwurf des Greenwashings weist Mandos deshalb „entschieden zurück“. Er schreibt: „Got Bag ist im Kern ein nachhaltig ausgerichtetes Unternehmen mit dem Ziel, die Plastikverschmutzung im Meer zu reduzieren. Dieses Ziel bestimmt unser tägliches Handeln – wir haben dahingehend jedoch nicht konsistent kommuniziert.“ Schon deutlich vor der Flip-Recherche habe man Herkunft, Zusammensetzung und Quoten des gesammelten Plastiks auf der Website veröffentlicht und nun auch die detaillierte Zusammensetzung der Rucksäcke im Online-Shop hinterlegt. „Uns ist bewusst, dass wir noch stärker darauf achten müssen, dass diese Informationen auf allen Kanälen und gemeinsam mit allen Partner:innen konsequent kommuniziert werden.“

Dass Influencerin Louisa Dellert mit der Veröffentlichung des Artikels die Zusammenarbeit beendet habe, sei „ein herber Schlag“. Andere Meinungsführer und Partner hätten hingegen den direkten Kontakt gesucht und sich „differenziert über die erhobenen Vorwürfe mit uns ausgetauscht“, so Mandos. „Um mit allen Ansprechpartner:innen und Zielgruppen einen konsistenten Dialog zu führen, haben wir nun mit der Überarbeitung unserer Homepage und den angesprochenen Korrekturen nach unserer Auffassung die richtige Ausgangsbasis geschaffen.“

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