Mainzer Start-up verpasst Traditionshandwerk neuen Anstrich

In Zeiten von Großkonzernen und Online-Handel droht vielen Handwerksbetrieben das Aus. Das Mainzer Start-up „Gloelle“ dreht den Spieß um und vertreibt handgefertigten Weihnachtsbaumschmuck aus dem eigenen Familienbetrieb.

Mainzer Start-up verpasst Traditionshandwerk neuen Anstrich

Schon seit fünf Generationen ist die Glasmanufaktur von Mario Hausdörfer im thüringischen Wald in Familienbesitz. Mit seiner Tochter Xenia und ihrem Partner Christoph Hanschke hat sich in diesem Jahr die sechste Generation angeschlossen – allerdings mit einem neuen Ansatz. Über ihr in Mainz gegründetes Start-up ist der zuvor nur auf Weihnachtsmärkten verkaufte Glasschmuck nun im Online-Handel erhältlich.

„Wir haben die Marke Gloelle gegründet, um dem traditionell gefertigten Weihnachtsbaumschmuck aus Glas wieder mehr Bedeutung und Modernität zu verleihen“, so Xenia Hausdörfer. „Wir arbeiten dabei mit der Glasmanufaktur meines Vaters zusammen, welche eine der letzten Bestehenden ist, die das Handwerk in Deutschland so noch ausübt.“

Dass Hausdörfer in den Familienbetrieb einsteigt, war nicht von Anfang an selbstverständlich. Nach einer Designausbildung arbeitete sie als Modedesignerin, ein berufsbegleitendes BWL-Studium führte sie schließlich zum Produktmanagement in der Textilbranche. Die Idee für das Start-up habe sie aber schon länger gehabt: „Durch meine Eltern kannte ich den Markt von handgefertigtem Christbaumschmuck aus Deutschland und wusste, dass dieser nicht innovativ und zeitgemäß ist. Im Grunde noch genauso wie vor 20 Jahren.“ Das soll sich nun mit Gloelle ändern.

Zu zweit wollen Xenia Hausdörfer und Christoph Hanschke dem Traditionshandwerk der Glasherstellung einen neuen Anstrich verpassen. Während der Wirtschaftsinformatiker und ehemalige Unternehmensberater für den technischen Bereich, Beschaffung und Buchhaltung zuständig ist, kümmert sich die gelernte Designerin hauptsächlich um den kreativen Bereich: Kollektionen und Farbkonzepte, Marketing, Social Media. „Momentan decken wir als One-Man-/One-Woman-Show – ausgenommen von der Produktion – die gesamte Wertschöpfungskette ab“, so Hausdörfer.

Ein hoher Anspruch an Qualität und modernes Design sei dem Mainzer Unternehmen besonders wichtig. Das zeigt sich auch im Preis: 469 Euro kostet eine 70-teilige Gloelle-Box bestehend aus Glaskugeln und -ornamenten. Damit soll ein „typischer Wohnzimmerbaum“ geschmückt werden können. „Wir wollen damit dem Trend von schnellem und unüberlegtem Konsum, langen Lieferketten und günstig produzierter Importware entgegenwirken und dem traditionellen Handwerk wieder mehr Bedeutung und Modernität verleihen.“

Der Gloelle-Weihnachtsbaumschmuck soll nicht nur im Online-Handel verkauft werden, sondern im November und Dezember auch in den „Stilwerk“-Einrichtungshäusern in Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Für die Zukunft sind auch Produkte außerhalb der Weihnachtssaison geplant. Außerdem will das Start-up durch Videos Einblicke in die Herstellung des Glasschmucks und das beinahe ausgestorbene Handwerk der Glasbläserei bieten.

Bleibt nur noch eine Frage: Woher stammt der Name Gloelle? „Nach dem Namen haben wir tatsächlich lange suchen müssen“, verrät Hausdörfer. Kurz und prägnant sollte er sein, hochwertig klingen und nicht schon auf den ersten Blick zu viel verraten. „Long story short und weniger spektakulär als gedacht: Wir haben einen Namensgenerator aktiviert, der uns nach langer Suche ‘Gloelle‘ ausgespuckt hat, und fanden den Namen beide von Anfang an perfekt!“

Mehr Informationen zu Gloelle sowie den Online-Shop findet ihr auf www.gloelle.com.

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