Kommt das „Velodukt“ über Zahlbach?

700 Meter lang und 25 Meter hoch: Die Mainzer Axel Efferth und Philipp Müller haben die Idee zu einem spektakulären Bauwerk entwickelt. Das Velodukt ist Radschnellweg und gleichzeitig Erinnerung an das römische Mainz. Wir haben mit ihnen gesprochen.

Kommt das „Velodukt“ über Zahlbach?

Einen modernen Schnellradweg schaffen, an das römische Mainz erinnern und der Stadt ein neues Wahrzeichen geben: Das wollen die Mainzer Axel Efferth und Philipp Müller mit ihrem „Velodukt“ erreichen. Noch steht das Projekt am Anfang, doch jetzt haben die beiden Freunde erste Visualisierungen ihrer Idee vorgelegt.

Wie der Journalist Müller erzählt, sei die Idee vor etwa zwei Jahren entstanden, als seine Frau Illustrationen für eine Infobox zur Römerzeit erstellt habe. Dadurch sei man auch auf das Thema „früheres Aquädukt in Zahlbach“ gestoßen, von dem heute nur noch die Römersteine als Pfeilerreste zeugen. Er und sein Freund, der Architekt Axel Efferth, entwickelten die Idee nun immer weiter. Müller sagt: „Wenn man sich die Umgebung heute anschaut, stellt man schnell fest: Da fehlt etwas. Nämlich genau das, was die Römer schon hatten – eine Verbindung.“

Radschnellweg über die Mainzer Wissenschafts-Hotspots

In Gesprächen der beiden Freunde wurde aus dem römischen Aquädukt das „Velodukt“ – ein Radschnellweg, der die Wissenschafts-Hotspots Universität, Uniklinik, Fachhochschule und Biontech miteinander verbindet. „Am Anfang war es nur eine Spinnerei“, sagt Efferth. Dass diese Spinnerei keineswegs unrealistisch ist, habe man aber bald gemerkt. So seien schon in Bebauungsplänen aus den 1980er-Jahren Fußgängerbrücken über das Zahlbachtal vorgesehen gewesen.

Auch mit Vertretern der Stadt habe man bereits Gespräche geführt: Ist das Projekt realistisch? Gibt es K.O.-Kriterien, die eine Umsetzung von vornerein verhindern könnten? Müller sagt: „Bis heute haben wir keine K.O.-Kriterien entdeckt.“ Auch die Stadt sei nicht glücklich mit dem aktuellen Zustand der Römersteine, die momentan keine allzu große Bekanntheit haben. „Mit dem Velodukt könnten wir das römische Mainz besser sichtbar machen und ein neues Wahrzeichen schaffen“, so Müller. „Eine Art Elbphilharmonie von Mainz.“

Zweigeschossiger Bau

Auch für Efferth spricht viel für das Velodukt: „Die Linie ist schon da, der Platz ist da. Man muss vermutlich nicht über Privatgärten gehen. Die Idee, die Straßen und Schienen zu überbrücken, gab es auch schon.“ Das Velodukt müsse als Teil einer größeren Rhein-Main-Radverbindung gesehen werden. Auch ein Park-and-Ride-Platz an der Mewa Arena kann dabei eine Rolle spielen: Dort könne man sein Auto künftig abstellen, sich zum Beispiel ein Mietrad schnappen und damit über das Velodukt Richtung Innenstadt oder weiter nach Wiesbaden fahren. Efferth sagt: „Das Projekt passt in die Zeit. Für die Verkehrswende brauchen wir attraktivere Radrouten.“

Der nächste Schritt sind nun die Visualisierungen, die Efferth zusammen mit seinem Mitarbeiter Angel Vanchev erstellt hat. Wie das frühere Aquädukt soll auch das Velodukt zweigeschossig werden, ganz oben eine Trasse für Fußgänger, darunter für Radfahrer. Beide Ebenen hätten jeweils zwei Spuren. Nachts würde die Brücke beleuchtet, der Strom dafür aus Photovoltaikanlagen am Bauwerk erzeugt.

Zudem sollen die früheren Aquädukt-Bögen auf moderne Art angedeutet werden, ohne sie genau nachzubauen. Die Römersteine als früherer Teil der Bögen sollen dann in der Achse der Brücke stehen. „Oben die neue Bogenandeutung, unten die alten römischen Steinreste“, erklärt Efferth. Die Stützen des Bauwerks sollen sich möglichst weit auseinander zwischen den Römersteinen befinden, ohne dass diese dadurch beeinträchtig werden. „Die Römersteine sollen nicht beschädigt, sondern in den Fokus erhoben werden.“

„Jede Autobahnbrücke ist drei Mal so teuer“

Das Velodukt sehen Müller und Efferth als einen wichtigen Schritt, in Mainz künftig größer zu denken. „Gerade der römische Gedanke ist in Mainz etwas unterbelichtet“, sagt Efferth. „Es gibt wichtige Bauwerke wie das Römische Theater, die aber zu wenig in Szene gesetzt werden.“ Das Velodukt könne deutlich machen, was für ein Riesenbauwerk das frühere Römer-Aquädukt war.

Doch wie realistisch ist es wirklich, dass dieses beeindruckende Bauwerk jemals in Mainz stehen wird? „Wir haben erst einmal nur eine Diskussionsgrundlage geschaffen“, sagt Müller. Bei einem so großen Projekt müssten am Ende viele Behörden mitreden, auch die Denkmalpflege oder die Landesarchäologie. „Es geht nicht darum, sofort zu bauen“, so Müller. „Die entscheidende Frage ist erst einmal: Will Mainz das überhaupt?“

Auch der Zeitrahmen und die Kosten für ein solches Projekt seien noch schwer abzuschätzen. Aber: „Jede Autobahnbrücke ist drei Mal so teuer“, sagt Müller. Dass Mainz durch das Biontech-Geld jetzt deutlich mehr finanziellen Spielraum habe, könne dem Projekt zumindest in die Karten spielen. Efferth sagt: „Es wäre schön, wenn in Mainz öfter um die Ecke gedacht würde. Die Stadt könnte etwas mutiger sein und auch mal neue Wege gehen. Vielleicht ist das Velodukt ja ein erster Schritt.“ Für Müller und Efferth steht jedenfalls fest: „Wir glauben an das Projekt.“

Weitere Infos zum Velodukt gibt es auf der Webseite und auf Instagram.

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