Der Durchgang zum Tunnel, der unter dem Dom entlang führt, ist mit Gitterstäben versperrt, doch hindurchzugehen empfiehlt sich sowieso nicht, sagt Antje Schilling: „Am Anfang reichen noch Gummistiefel aus, doch irgendwann kann das Wasser bis zur Hüfte stehen“, sagt die Museumspädagogin, die regelmäßig Führungen durch den Mainzer Dom veranstaltet.
Schilling hat Merkurist Zugang zu einem Raum verschafft, der eigentlich für die Öffentlichkeit verschlossen bleibt. Von hier aus geht es unter die Erde. Denn unter dem Dom wurde vor rund 100 Jahren ein Tunnelsystem errichtet, aus der Not heraus. Damals nämlich hatten sich gefährliche und riesige Risse im Mauerwerk gebildet, der Dom war einsturzgefährdet. Die Ursache: Die Begradigung des Rheins.
Eichenpfähle als Gründung
„Als Willigis den Dom vor 1000 Jahren bauen ließ, gab es noch kein Gewölbe. Eine Grundmauer reichte auf dem morastigen Boden als Stütze aus“, erklärt Schilling. Nachdem der Dom im Jahr 1009 kurz vor seiner Weihe jedoch abbrannte, entschied man sich bei seinem Nachfolger dazu, mit Gewölbeformen zu arbeiten. Doch der Untergrund war wegen des Grundwassers sehr nass. „Daher waren Eichenpfähle zur Gründung nötig“, so die Museumspädagogin. „Diese waren lange Zeit ein hervorragendes Baumaterial: Steht ein Eichenpfahl im Wasser, bleibt er stabil.“ Unter Erzbischof Bardo wurde der Dom im Jahr 1036 schließlich geweiht und in Betrieb genommen.
Dieser Zustand hielt sich, bis im 19. Jahrhundert entschieden wurde, den Rhein zu begradigen, und damit die Schifffahrt wirtschaftlicher und einfacher zu gestalten. Die Folge davon war jedoch, dass in der Mainzer Altstadt das Grundwasser absank. Das Eichenholz unter dem Dom kam in Kontakt mit Sauerstoff und vermoderte.
Dom erlitt massive Schäden
„Die Pfähle begannen zu brechen, der Dom erlitt massive Schäden“, erklärt Schilling. Riesige Risse bildeten sich im Mauerwerk, zeitweise galt der Dom als einsturzgefährdet. „Der Grund für die entstehenden Risse wurde in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg entdeckt“, so Schilling weiter. Schnell wurden die Eichenpfähle aus dem Boden entfernt.
Als Ersatz-Fundament wurde in aller Eile eine spezielle Mischung aus Beton hergestellt, dessen Mauerwerk bis heute den Dom im Untergrund hält. Und so entstand auch das Tunnelsystem, das sich auf der Nordseite des Doms befindet, beginnend in der Nassauer Kapelle. „Somit können die Fundamente regelmäßig kontrolliert werden“, so Schilling.
Öffentliche Führungen durch den Mainzer Dom finden jeweils am letzten Samstag im Monat statt. Information und Anmeldung unter info@dommuseum-mainz.de sowie über die Webseite des Dommuseums.