Streit um „Maxim Event Center“ in Hechtsheim

Laute Musik und aggressive Partygäste – so erleben Anwohner im Hechtsheimer Gewerbegebiet die Feiern des „Maxim Event Center“. Der Betreiber sieht es ganz anders. Doch was sagen Stadt und Polizei?

Streit um „Maxim Event Center“ in Hechtsheim

Dass Partylocations in der Innenstadt für Ärger sorgen, ist in Mainz nichts Neues. Anders sieht es mit dem „Maxim Event Center“ aus: Das befindet sich in der Curiestraße im Hechtsheimer Gewerbegebiet. Und dennoch ist um dieses Event Center jetzt ein großer Streit entbrannt.

Auf der einen Seite stehen die Anwohner um Christiane Klein. Seit 2013 wohnt sie mit ihrer Familie in der Curiestraße. „In den ersten Jahren war es trotz Gewerbe auch sehr ruhig“, sagt sie gegenüber Merkurist. Vier Jahre später habe sich das geändert, als das „Maxim Event Center“ eröffnete, wo seitdem vor allem Hochzeitsfeiern stattfinden. „Zwei, drei Mal die Woche kommen Hunderte Gäste, manchmal bis zu 1000“, sagt Klein gegenüber Merkurist.

Aggressive Partygäste?

Schlimmer sei jedoch, dass vor allem junge Gäste nicht in der Veranstaltungshalle blieben. „Sie gehen raus, pinkeln auf fremde Grundstücke oder an Autos“, so Klein. „Und wenn man sie darauf anspricht, werden sie aggressiv. Zwei Mal ist es dabei schon zu Schlägereien zwischen Anwohnern und Partygästen gekommen“, so Klein. Mittlerweile habe ihre Familie einen Zaun um das Grundstück gezogen. Das Ordnungsamt traue sich oft nicht vor Ort, um einzuschreiten.

Schräg gegenüber leitet Julian Eckstein eine Wohngruppe für Jugendliche und junge Erwachsene: Sprungbrett e.V. „Eigentlich ist es unsere Aufgabe, die jungen Leute aus schwierigen Verhältnissen zu stabilisieren. Doch das ist hier kaum möglich“, sagt Eckstein. Auch in sein Grundstück würden die Partygäste immer wieder eindringen, am nächsten Morgen sei alles voll mit Schnapsflaschen. „Schlimmer ist, dass es eine hohe Aggressivität gibt“, sagt auch Eckstein.

Was die Anwohner dem „Maxim Event Center“ ebenfalls vorwerfen: Eigentlich dürften die Feiern gar nicht mehr stattfinden. Ende des vergangenen Jahres sei die Konzession ausgelaufen. Bis März sei diese zwar verlängert worden, doch nur für maximal 200 Gäste. „Diese Zahl wurde immer wieder deutlich überschritten“, so Klein. Seit 1. April dürfen laut den Anwohnern gar keine Feiern mehr in dem Gebäude stattfinden – dennoch habe es beispielsweise an Ostern vier große Partys hintereinander gegeben. „Vor allem an Karfreitag war es sehr laut – trotz Tanzverbot.“

Was der Betreiber sagt

Ganz anders sieht es Abdulbaki Öz, der das „Maxim“ zusammen mit seinem Sohn Mahsum Öz führt. „Diese Beschuldigungen gegen unsere Gäste sind uns nicht bekannt, auf uns ist deswegen niemand zugekommen“, so Öz. Das betreffe die Vorwürfe, dass Gäste in fremde Grundstücke eindringen würden oder mit ihren Autos die Straße blockierten. Zum Lärm habe es immer wieder Schallschutzgutachten der Stadt Mainz gegeben. „Das wurde so genehmigt“, so Öz. Außerdem hätten seine Feiern höchstens 100 bis 400 Gäste.

Stattdessen wirft er einigen Anwohnern Rassismus vor. „Es sind unverschämte Leute, sie greifen unsere Gäste an oder fotografieren sie unerlaubterweise.“ Öz wirft den Anwohnern außerdem vor: Einige von ihnen dürften eigentlich gar nicht dort wohnen. „Dort dürfen nur Eigentümer wohnen, aber nicht alle von ihnen sind Eigentümer.“

Dass ihm Steine in den Weg gelegt würden, kann Öz nicht verstehen. „Auf dem Grundstück befand sich früher ein Mülllager, wir haben daraus ein Goldstück gemacht. Und das gefällt einigen Leuten nicht. Sie denken, dass die Straße nur ihnen gehört“, so Öz. „Wir haben zwei Millionen Euro investiert. Es profitieren viele Leute, die sonst keine Räume bekommen.“

Das sagen Polizei und Stadt

Die Polizei Mainz gibt Öz recht, was das Verhalten der Gäste angeht. „Diese Veranstaltungsörtlichkeit ist kein Einsatzschwerpunkt der Polizei Mainz“, so Polizeisprecher Rinaldo Roberto. „Seit Januar 2018 kam es lediglich zu zwei Körperverletzungsdelikten. Diese stellen keine ungewöhnliche Häufung dar.“ Einmal sei die Polizei vom Ordnungsamt wegen einer Ruhestörung informiert worden.

Das Ordnungsamt der Stadt Mainz ist in Hechtsheim dagegen häufiger im Einsatz. „Der Vollzugsdienst ist, insbesondere an Wochenenden, häufig vor Ort und führt entsprechende Lärmmessungen durch“, sagt Stadt-Pressesprecher Ralf Peterhanwahr. „Das Bauaufsichtsamt steht zudem im Kontakt mit den Nachbarn des Anwesens. Die Nachbarn überbrachten auch eine Unterschriftenliste gegen weitere Hochzeitsgesellschaften in der Veranstaltungshalle.“

Alles andere sei Sache des Veranstalters, der einen speziellen Ordnungsdienst dafür eingerichtet habe. Dem Vorwurf der Anwohner, dass sich das Ordnungsamt oft nicht vor Ort traue, widerspricht Peterhanwahr. „Nein, diese Sicht können wir nicht bestätigen.“

Konzession nicht verlängert

Doch dürfen die Partys überhaupt stattfinden? Grund für die nicht verlängerte Konzession ist eine baurechtliche Angelegenheit. Peterhanwahr sagt: „Der Eigentümer verfügte über eine befristete Baugenehmigung, die zwischenzeitlich abgelaufen ist.“ Der Antrag auf Verlängerung sei aus baurechtlichen Gründen abgelehnt worden. „Gegen diese Entscheidung wurde Widerspruch erhoben, der dem Stadtrechtsausschuss aktuell zur Entscheidung vorliegt.“

Veranstaltungen bis Ende März wurden nach einem Eilverfahren des Oberverwaltungsgerichts geduldet. „Darüber hinausgehende Anträge wurden jedoch auch durch das Gericht abgelehnt“, so Peterhanwahr. Das heißt: Die Bauaufsichtsbehörde hat weitere Feiern ab April untersagt. „Der Betreiber hat hiergegen Widerspruch eingelegt. Dieser Widerspruch hat jedoch keine aufschiebende Wirkung.“

Sollten dennoch Feiern stattfinden, könnte beispielsweise ein Zwangsgeld verhängt werden, was auch bereits angedroht worden sei. Peterhanwahr sagt: „Aktuell dürften keinerlei Hochzeiten auf dem besagten Terrain veranstaltet werden. Dem Betreiber ist dies bekannt.“ (ab)

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