Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung findet in Mainz statt

Stockholm 1996, Yokohama 2001 und im nächsten Jahr Mainz: Der Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen findet 2019 in Mainz statt. Auf einer Pressekonferenz informierten die Organisatoren über das Thema.

Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung  findet in Mainz statt

Mehr als eine Million Männer gehen pro Tag in Deutschland zu einer Prostituierten. Damit ist die Bundesrepublik „das Bordell Europas“, wie Lea Ackermann, Gründerin von „Solidarität mit Frauen in Not“ (SOLWODI) sagt. Unter anderen wird ihr Verein im nächsten Jahr den Weltkongress gegen die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Mädchen organisieren, der vom 2. bis 5. April 2019 in der Johannes Gutenberg-Universität Mainz stattfindet.

Deutschland ist das Bordell Europas

Wie Ackermann sagt, finde das Problem sexueller Ausbeutung nicht nur irgendwo weit weg von uns statt. Auch in Deutschland ist dieses Problem alltäglich. In der Bundesrepublik darf sich nämlich seit 2002 jeder Mensch ab 18 Jahren legal prostituieren. Ein Gesetz zum Schutz der Prostitution ist hingegen erst 2017 erlassen worden. Das Gesetz schreibt im wesentlichen drei Punkte vor: So muss ein Bordellbetreiber eine Erlaubnis für sein Geschäft vorlegen, und Frauen müssen sich beim Staat anmelden und dann eine Gesundheitsberatung erhalten. Zudem gilt die Kondompflicht für Freier.

Gerhard Trabert, Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit zweifelt jedoch an der Kondompflicht: „Wer will das überprüfen? Das geht an der Praxis vorbei.“ Denn über eine Million Menschen gingen jeden Tag in Deutschland zu einer Prostituierten. Es gebe sogar Reiseveranstalter, so Trabert, die explizit Bordellbesuche im Angebot hätten.

Die Einnahmen der Prostituierten nehmen aber indes ab, weil es zu viele Frauen auf dem Markt gibt, die solche Dienste anbieten. Das geht aus dem Positionspapier von SOLWODI hervor. Laut der SOLWODI-Referentin Helga Tauch gebe die letzte bekannte Zahl von 2014 allein für Rheinland-Pfalz 20.000 Prostituierte an. Das Positionspapier zeigt zudem, dass Prostituierte wegen der Konkurrenz teilweise nur 20 bis 30 Euro pro Freier erwirtschaften - und das bei einer täglichen Zimmermiete von 80 bis 180 Euro. Frauen müssten demnach zehn bis 15 Freier am Tag haben, um zu überleben, so Trabert.

Prostitution ist immer „gewalttätig“

„Was wollen wir für eine Gesellschaft? Die Frauen sind Freiwild in der Prostitution“, sagt SOLWODI-Gründerin Ackermann. Zudem sei Prostitution, wie Grégoire Théry von der „Coalition against Prostitution“ (CAP INTL) sagt, immer gewalttätig. Nicht nur, dass eine Frau mit einem Mann schlafen müsse, für den sie kein Verlangen hegt, auch Traumata und gesellschaftlicher Ausschluss kämen hinzu. Viele hätten auch bereits Gewalt in ihrer Kindheit erlebt, sagt Trabert.

„Die Hauptursache für Prostitution ist Armut“, so Trabert. 90 Prozent aller Frauen, die Sex anbieten, täten das aus wirtschaftlichen Gründen. Im Fernsehen seien zwar ständig selbstbewusste Frauen zu sehen, die sich freiwillig für diesen „Beruf“ entschieden hätten, aber das entspreche nicht der Wahrheit. Trabert versichert: „Prostitution ist häufig die einzige Möglichkeit für die Frauen, finanziell zu überleben.“

Das Nordische Modell könnte eine Lösung sein

Auf dem Weltkongress 2019 soll deshalb ein Gegenentwurf präsentiert werden. Die Veranstalter des Kongresses sehen die Lösung vor allem im Nordischen Modell. Dieses haben bereits mehrere Staaten verwirklicht, darunter Schweden, Frankreich und Kanada. Hier werden nicht die Frauen bestraft, die Sex anbieten, sondern die Männer, die diese Dienste in Anspruch nehmen wollen. Prostituierte erhalten bei diesem Modell umfangreiche Hilfe. Darunter fallen betreutes Wohnen, alternative Beschäftigungen, Bildungsangebote und Therapien. Das Modell will zeigen, dass Frauen keine Ware sind.

Die Vereine SOLWODI und Armut und Gesundheit e.V. organisieren mit der CAP INTL den Kongress, um somit auf die zerstörerischen Folgen sexueller Ausbeutung für eine Gesellschaft aufmerksam zu machen und ein Umdenken zu bewirken. Denn, wie Lea Ackermann betont: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

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