Therapeuten fordern bessere Arbeitsbedingungen

Am 25. August fand die Protestaktion „Therapeuten am Limit“ statt. Der Protest sollte auf die schlechten Zustände in den Therapie-Berufen aufmerksam machen. Auch Natascha Bretzke war in Mainz dabei.

Therapeuten fordern bessere Arbeitsbedingungen

Ein halbes Jahr noch, dann ist Natascha Bretzke voraussichtlich Physiotherapeutin in Mainz. Der Weg dorthin war jedoch nicht immer einfach: Wer nämlich Physiotherapeut, Ergotherapeut, Logopäde, Podologe oder Diätassistent werden will, der muss für die Kosten der Ausbildung eigenständig aufkommen. Und diese belaufen sich auf 20.000-25.000 Euro, wie Natascha erzählt.

Eine ungewisse Zukunft für Therapeuten

Doch nicht nur die Ausbildung, auch im Beruf erwarten Natascha und ihre Kollegen viele Probleme: Kaum Zeit für Patienten, geringe Gehälter und Arbeitstage bis zu zwölf Stunden - Therapeuten haben viele Gründe, mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden zu sein.

„Was mir persönlich gegen den Strich geht, ist, dass ich eine relativ ungewisse Zukunft habe“, ärgert sich Natascha. An Familienplanung sei unter diesen Umständen kaum zu denken. In Hamburg, wo Natascha ursprünglich herkommt, seien die Zustände noch etwas besser. „In Mainz ist das aber harter Tobak.“

Denn nach der teuren Ausbildung winken den Therapeuten im Berufsleben durchschnittlich 2200 Euro Brutto. 30 Prozent aller Praxisinhaber stehen sogar nur 1420 Euro zur Verfügung. Sechs Prozent der Besitzer von Praxen haben am Ende jedes Monats 894 Euro. Zu diesem Ergebnis kam eine Analyse des Landesverbandes Bayern mit dem Institut für Gesundheitsökonomie.

Bundesweite Proteste

Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, fand am 25. August die bundesweite Protestaktion „Therapeuten am Limit“ statt. 280 Städte und rund 9000 Aktivisten beteiligten sich an der Aktion. Ihr Protestmittel war dabei einfache Kreide. Damit malten sie den Schriftzug „Therapeuten am Limit“ und weitere Sätze, die die Situation von Therapeuten ausdrücken, auf öffentliche Wege und Straßen.

Natascha war bei den Protesten in Mainz dabei. Mehrere Demonstranten hatten sich eingefunden, um ihren Ärger zu zeigen und mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Die Aktion sei sehr gut bei den Mainzern angekommen, die sich mit solch einem leisen und friedlichen Protest anfreunden konnten, erzählt Natascha. Die Zustände in den Therapie-Berufen lösten jedoch gegenteilige Reaktionen aus. „Die Leute haben eher erstaunt reagiert und teilweise sogar entsetzt“, so Natascha.

Ideen, was sich konkret ändern muss, hat Natascha ebenfalls: Die Ausbildungen müssten kostenlos sein, damit jeder sie machen könne. Zudem sollten die Gehälter deutlich steigen.

Bis 2030 keine Veränderungen in Rheinland-Pfalz

Die Landesregierung konzentriert sich im Moment aber vor allem um das Problem des Fachkräftemangels. Wie eine Sprecherin des Gesundheitsministerium gegenüber Merkurist sagt, solle „die Fachkräftesituation in den therapeutischen Berufen derzeit und zukünftig bis zum Jahr 2030 berechnet“ werden. Anschließend würden mit den Praxen und Schulen Szenarien entwickelt, um mehr Fachkräfte für die Berufe begeistern zu können. In Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und Krankenkassen werde dann außerdem für kostenlose Ausbildungsangebote gesorgt.

Diese Projekte kommen aber für Natascha, die bereits im März Physiotherapeutin wird, eindeutig zu spät. Sie sagt: „Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Therapeuten an den Aktionen beteiligen würden und ein Aufschrei durch die Bevölkerung geht.“

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