Grippeschutz: Engpass bei Influenza-Impfstoff in Mainz?

Wer sich momentan in Mainz gegen die Grippe impfen lassen will, hat schlechte Karten. Viele Arztpraxen sind überfüllt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wirbt für Grippe-Impfungen. Praxen und Apotheken warten derweil dringend auf Nachschub.

Grippeschutz: Engpass bei Influenza-Impfstoff in Mainz?

Die Nase läuft, im Hals kratzt es und der Kopf schmerzt: Die Grippesaison 2020/2021 hat begonnen. In den Arztpraxen tummeln sich die Patienten und es wird fleißig geimpft. So häufen sich aber auch die Anfragen, ob noch genügend Grippe-Impfstoff vorhanden sei. Auch die Corona-Pandemie sorgt dieses Jahr für besonders großen Andrang. Gehen die Vorräte des Influenza-Impfstoffs in Mainz und Rheinland-Pfalz zur Neige?

Es fehlt an Impfstoff-Nachschub

Landesweit würden im Moment viele Hausarztpraxen auf die Lieferung von weiteren Grippeimpfstoffen warten. Ein Teil der von den Praxen bestellten Dosen sei zwischenzeitlich geliefert und bereits vollständig verimpft, sagt Dr. med. Barbara Römer, Landesvorsitzende des Hausärzteverbands Rheinland-Pfalz, auf Anfrage von Merkurist. „Nun fehlt es schlichtweg an Nachschub. Die Apotheken vor Ort haben nach eigenen Angaben größtenteils aktuell ebenfalls keine Impfstoffe verfügbar, die sie an die Hausarztpraxen ausliefern können.“

Hausarztpraxen könnten daher an vielen Orten mangels Impfstoff keine Impfungen durchführen. „Allerdings erhalten wir wiederholt die Rückmeldung, dass weitere Lieferungen noch folgen. Hierauf warten nicht nur die Patienten sehnsüchtig, sondern auch die Hausarztpraxen, die mit Nachfragen der Patienten überschüttet werden“, so Römer weiter.

„Wir haben schon 300 Patienten verimpft und das in zweieinhalb Wochen, das ist Rekord für uns.“ - eine Arzthelferin einer Gesundheitspraxis in Mainz-Weisenau

Der Ansturm auf die Grippe-Impfung ist auch in einer Arztpraxis Mainz-Weisenau riesig. „Wir bekommen gar nichts momentan. Aktuell ist die Anfrage sehr sehr hoch“, erzählt eine Arzthelferin. Termine müssten abgesagt und Anfragen abgelehnt werden. „Wir haben schon 300 Patienten verimpft und das in zweieinhalb Wochen, das ist Rekord für uns.“ Ende September sei der erste Schwung an Grippe-Impfstoff gekommen. Danach hat die Praxis mit Impfen angefangen und mittlerweile müssen sich Patienten auf Wartelisten eintragen. „Ob und wann es Nachschub gibt, wissen wir nicht.“

„Ich hoffe wirklich sehr, dass sich alle Gefährdeten schon geimpft haben.“ - Tina Beitz, Inhaberin „Stern Apotheke“

Tina Beitz betreibt die „Stern Apotheke“ in der Kurfürstenstraße in der Mainzer Neustadt. Sie hat den deutlichen Anstieg an Impfwilligen auch schon bemerkt. „Ich habe die dreifache Menge an Impf-Spritzen bestellt, die Menge habe ich bekommen, aber die war dann nach kürzester Zeit weg. Ich hoffe wirklich sehr, dass sich alle Gefährdeten schon geimpft haben.“

Bätzing-Lichtenthäler dementiert Versorgungsengpässe

Anders sieht es die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). In einer Pressemeldung des Gesundheitsministeriums vom 14. Oktober heißt es: In Rheinland-Pfalz gebe es keine Versorgungsengpässe beim Grippe-Impfstoff. „Bundesweit wurden insgesamt 26 Millionen Dosen Influenza-Impfstoff bestellt – so viele wie noch nie zuvor. Dies sind doppelt so viele, wie im vergangenen Jahr verimpft worden sind“, so Bätzing-Lichtenthäler.

„Entscheidend ist aber, dass der Impfstoff bis Ende Januar zuverlässig nachgeliefert werden kann.“ - Sabine Bätzing-Lichtenthäler, rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin

Die Lieferung des Impfstoffs erfolge dabei nicht an einem Tag, sondern in verschiedenen Chargen. „Dabei kann es sein, dass es lokal kurzzeitig zu Engpässen kommt, bis die nächste Lieferung eintrifft. Entscheidend ist aber, dass der Impfstoff bis Ende Januar zuverlässig nachgeliefert werden kann.“ Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht von genügend Impfstoff. „Wir haben keine Versorgungsengpässe“, betont er.

Impfung für Risikogruppen enorm wichtig

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sei es essentiell wichtig, dass die sogenannte Risikogruppe eine hohe Influenza-Impfquote erreichen würde, um in der Grippewelle schwere Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern zu vermeiden. „Eine Impfung dient in vielen Fällen nicht nur dem eigenen Schutz, sondern auch dem der weiteren im gleichen Haushalt lebenden oder betreuten Risikopersonen. Grundsätzlich sollte jeder seinen allgemeinen Impfstatus regelmäßig überprüfen lassen“, so Bätzing-Lichtenthäler weiter.

AHA-Regeln schützen auch vor Grippe

Laut Barbara Römer, Landesvorsitzender des Hausärzteverbands Rheinland-Pfalz, sollte die Impfung gegen Grippe bis Jahresende abgeschlossen sein. Allerdings ist eine Impfung auch noch in den ersten Monaten das Jahres sinnvoll und möglich, da sich das Virus nicht sofort flächendeckend über das gesamte Land verteilt. Vielmehr trete es meist zunächst in einzelnen regionalen Clustern auf und werde dann allmählich mittels Tröpfen von Mensch zu Mensch in der Fläche weitergetragen.

„Wenn wir jedoch alle konsequent die ‘AHA Regeln’ einhalten und die Anzahl der verschiedenen Kontakte deutlich vermindern, erwarte ich, dass es das Influenzavirus in diesem Winter erheblich schwerer haben wird, von Mensch zu Mensch getragen zu werden“, ergänzt Römer. Im besten Falle bestehe sogar die Chance bei konsequenter Einhaltung der genannten Maßnahmen, dass die diesjährige Influenzawelle sehr niedrig ausfallen würde.

Die Kosten für die Grippeschutzimpfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen für alle Versicherten übernommen, die zu den von der ständigen Impfkommission empfohlenen Gruppen zählen und von der Schutzimpfungsrichtlinie erfasst werden. Dazu gehören außer Personen über 60 Jahre, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie zum Beispiel chronische Krankheiten der Atmungsorgane sowie Schwangere). (df)

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