Warum Fastnachtsredner über die Brücke dürfen, aber Pflegedienste nicht

Die Theodor-Heuss-Brücke wird ab Sonntag für vier Wochen gesperrt. Das allein wäre schon Aufreger genug. Doch warum dürfen Fastnachtsredner mit ihren Autos über die Brücke, Pflegedienste aber nicht?

Warum Fastnachtsredner über die Brücke dürfen, aber Pflegedienste nicht

Sind Fastnachtsredner wichtiger als Pflegedienste? Diesen Eindruck haben derzeit zumindest einige Merkurist-Leser angesichts der Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke. Ab Sonntag, 12. Januar, wird die Brücke vier Wochen lang saniert und für den privaten Autoverkehr gesperrt (wir berichteten). Doch es gibt eine Ausnahme, die für Ärger sorgt: Fastnachtsredner, die hintereinander Auftritte in Mainz und AKK (Amöneburg, Kostheim, Kastel) haben, erhalten eine Sondergenehmigung. Diese gilt nur abends und an den Wochenenden (wir berichteten).

Pflegedienste und andere soziale Berufsgruppen dürfen dagegen nicht über die Brücke fahren und müssen den Umweg über die Schiersteiner oder Weisenauer Brücke in Kauf nehmen. Viele Leser kritisieren die Entscheidung: „Statt Taxis und Büttenrednern eine Genehmigung zu erteilen, wären Pflegedienste aber schon eine bessere Idee gewesen“, ist noch einer der sachlichen Kommentare. „Die Büttenredner den Pflegediensten vorzuziehen, finde ich sehr erbärmlich!“, lautet ein anderer. Doch wie begründet die Stadt die Entscheidung?

Ausnahme nur für wenige Fastnachtsredner

Bei einer Pressekonferenz am Dienstag stellte die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) klar: „Es gilt das Prinzip der Gleichberechtigung.“ Deshalb könne man nicht einzelne Berufsgruppen passieren lassen, andere nicht. Ausgenommen sind Rettungskräfte. Und warum die Fastnachter? „Es geht bei den Rednern, die an einem Abend auf beiden Seiten aktiv sind, um sechs Abende in den vier Wochen am Wochenende“, antwortet Katrin Eder auf der Merkurist-Facebookseite direkt auf einen kritischen Kommentar. Das sei etwas ganz anderes als „werktags einzelne Berufe zu definieren“.

Heißt also: Eine Sondergenehmigung für wenige Fastnachtsredner in einer verkehrsarmen Zeit fällt kaum ins Gewicht. Eine generelle Ausnahme für Berufsgruppen hätte dagegen ganz andere Auswirkungen auf den Verkehr. Vor der Schranke am Kasteler Hochkreisel fehlt zudem eine Fläche, auf der die Fahrzeuge warten könnten. Zu viele Sondergenehmigungen könnten also für Verkehrschaos auf Wiesbadener Seite sorgen. Eder sagt: „Ich bin wirklich unverdächtig, die Fastnachter begünstigen zu wollen, weil sie wichtiger seien als soziale Berufe.“

Spätestens am 9. Februar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann darf wieder jeder über die Brücke fahren. (df)

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