Verbot von Einwegverpackungen: Welche Lösungen hat die Mainzer Gastronomie?

Einweggeschirr, Einweg-Behälter und ToGo-Becher sind seit Anfang Juli verboten. Welche Alternativen zu den Einwegverpackungen hat die Mainzer Gastronomie, gerade bei Außer-Haus-Lieferungen? Wir haben einige Geschäfte gefragt.

Verbot von Einwegverpackungen: Welche Lösungen hat die Mainzer Gastronomie?

Seit einigen Wochen gilt europaweit ein Verbot für Einwegverpackungen. Untersagt sind damit auch die Produktion von Trinkhalmen, Einweggeschirr, Einweg-Behältern aus Styropor und ToGo-Bechern. Auch „Bioplastik“ ist nicht mehr erlaubt. Restlagerbestände darf der Handel zwar noch herausgeben, doch danach muss sich vor allem die Gastronomie nach Alternativen umschauen.

Hintergrund ist die Zunahme von Außer-Haus-Essen. „Wir verursachen damit immer mehr Müll“, heißt es auf Seiten der Bundesregierung. Der Verpackungsmüll lande dann oft im Park, an der Uferböschung, bleibe am Strand liegen und müsse dort extra aufgesammelt werden. „Jedes Jahr werden weltweit mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere eingetragen. Rund 85 Prozent des Meeresmülls besteht aus Kunststoffen. Die Müllflut gefährdet die Lebensräume in den Meeren, sie beeinträchtigt den Erholungswert der Natur und die menschliche Gesundheit.“

Laut Bundesumweltministerium werden stündlich allein rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke in Deutschland verbraucht - davon bis zu 140.000 To-go-Becher. Seit Inkrafttreten des neuen Verpackungsgesetzes würden gut 50 Prozent mehr Kunststoffverpackungen recycelt.

Wiederverwendbare Verpackungen

Mit Beginn des Lockdowns im vergangenen Frühjahr startete der „Goldene Adler“ aus Gonsenheim mit dem ToGo-Geschäft. „Plastikverpackungen und die Hin-und-Her-Fahrerei stellen eine hohe Belastung für unsere Umwelt dar. Daher sind wir zunächst auf biologisch abbaubare Verpackungen umgestiegen“, erklärt Markus Hanson, einer der Geschäftsführer. Seit einigen Wochen nutzen sie das Mehrwegsystem Vytal. Die wiederverwertbaren Behälter leiht das Restaurant dort aus. Ausgeliefert werden die Bestellungen dann mit dem eigenen Elektroauto „mia“.

„Plastikverpackungen und die Hin-und-Her-Fahrerei stellen eine hohe Belastung für unsere Umwelt dar.“ - Markus Hanson

Auch Sascha Wolter, Betreiber des Restaurants „Frittenlove“ setzt von Anfang an auf nachhaltige Lösungen: „Plastik haben wir noch nie verwendet, das würde auch gar nicht zu unserer Überzeugung passen.“ Bei Frittenlove wird ein Großteil des Essens ausgeliefert. Die Bestellungen werden dann in Verpackungen aus recycelter Pappe, Papier oder Polylactide (PLA) gefüllt. Das sind Kunststoffe, die aus regenerativen Quellen gewonnen wurden (zum Beispiel Maisstärke). Doch das habe seinen Preis: „Eine Styroporverpackungen kostet zwei bis drei Cent, bei den PLA-Verpackungen muss man mit 40 Cent pro Stück rechnen“, so Wolter. Künftig will er zusätzlich das wiederverwendbare System ReBowl einführen. Andere Gastronomien, wie das vietnamesische Restaurant An o ban, setzen schon länger auf Systeme Recup und ReBowl.

Ebenso dürfen Becher aus nachwachsenden und natürlichen Rohstoffen weiter verwendet werden, erklärt Dominic Müller von der Müller Kaffeerösterei. „Seit 2020 verwenden wir einen Becher, der mit einem biobasierten PE überzogen ist. Dieser unterliegt einer speziellen Kennzeichnungspflicht und darf weiter in den Verkehr gebracht werden.“ Zwar gab es coronabedingt einen erhöhten Verbrauch an diesen Bechern, dennoch will Müller die Ausgabe der Einwegbecher wieder deutlich zurückfahren. Auch Müller findet das ReCup-System sinnvoll, daneben will er probeweise am Standort in der Neustadt ein eigenes Pfandsystem mit Tassen etablieren. Wer seinen eigenen Becher oder Tasse mitbringt, erhält sogar einen Bonus von 10 Cent.

Bei der mobilen Kaffeebar, die etwa auf dem Markt steht, wird jeder fünfte Kaffee in selbst mitgebrachten Behältern abgefüllt, der Rest kommt in Einwegbecher, die aus rein nachwachsenden Rohstoffen bestehen und recylingfähig sind. Mit Rückkehr der Stehtische werden dort auch wieder Porzellantassen ausgegeben. Das Einwegverbot geht Müller nicht weit genug: „Wenn alle dazu gezwungen werden würden, auf Einweggeschirr zu verzichten, müsste bei jedem Bäcker oder Café ein Umdenken einsetzen.“

Essbare Löffel

Besonders schwierig wird das Verbot für manche Eisdielen, gehören Eisbecher doch zum Standard im ToGo-Verkauf. Das N’Eis in der Mainzer Neustadt etwa will komplett auf Recup-Becher und essbare Löffel oder Papierlöffel umstellen. „Aktuell nutzen wir noch Milchshakebecher, Strohhalme und die Eislöffel aus PLA. Das werden wir so lange machen, bis unser Vorrat aufgebraucht ist“, erklären Anke Carduck und Julia von Dreusche von N’Eis. Prinzipiell finden sie das Einwegverpackungsgesetz gut. „Glücklicherweise sind in letzter Zeit ja viele gute Alternativen entstanden.“

Das Recup-System gibt es im N’Eis bereits seit zwei Jahren, für Eisbecher wird eine Gebühr von 10 Cent erhoben. „So konnten wir schon sehr viele ToGo-Becher einsparen und sind sehr froh, dass die meisten MainzerInnen das auch so positiv annehmen“, so die beiden Geschäftsführerinnen. Jedoch funktioniere der Recup-Kreislauf noch nicht so gut, viele Leute nutzen die Becher zuhause und horten sie, statt sie in den Laden zurückzubringen. „Wir müssen oft neue Becher nachbestellen.“

Die beiden hoffen nun, dass die Mainzer Gastronomie gute Alternativen findet, um Einwegverpackungen zu vermeiden. „Es ist sicherlich nicht für alle Bereiche einfach umzustellen und passende Alternativen zu finden. Oft sind die Einwegvarianten auch noch günstiger. Aber es ist auf jeden Fall ein wichtiger und notwendiger Schritt in die richtige Richtung.“

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