Mainzer Geschäftsmann startet verrückte Kassenbon-Lotterie

Zu teuer, zu bürokratisch, zu umweltschädlich: Diese Argumente nennen Gegner der neuen Kassenbon-Pflicht in Deutschland häufig. Bei einem Mainzer Einzelhändler können Kunden nun aber sogar davon profitieren.

Mainzer Geschäftsmann startet verrückte Kassenbon-Lotterie

Ob Bäcker, Kioskbetreiber oder Frisör: Seit dem 1. Januar 2020 sind alle Einzelhändler dazu verpflichtet, für jeden Kauf einer Ware beziehungsweise jede Dienstleistung einen Kassenbon auszudrucken - ob der Kunde ihn nun mitnimmt oder nicht. Der Grund dafür ist das Kassengesetz. Dieses soll verhindern, dass Steuern hinterzogen werden. Nach Angaben der Deutschen Steuergewerkschaft verliert der Staat nämlich jährlich mehrere Milliarden Euro durch Tricks bei Registrierkassen.

Doch das Gesetz stößt bei vielen auf Kritik. So werden außer dem bürokratischen Aufwand vor allem die Kosten für das Kassenpapier und die damit verbundene Entsorgung der Kassenzettel kritisiert. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr. Ein Mainzer Geschäftsmann nimmt das Gesetz nun zum Anlass, seine Kunden zu beschenken.

Kassenzettel-Lotterie

Bei Peter Leussler von der „Metzgerei beim Peter“ können Kunden ihre Kassenbons zu Losen machen - jeder darf bei der Lotterie mitmachen. „Die Kunden müssen auf ihrem Kassenzettel einfach ihren Namen und ihre Telefonnummer hinterlassen und schon sind sie in der Verlosung“, sagt Leussler. Einmal in der Woche ziehe er dann einen Gewinner.

Rund 90 Prozent seiner Kunden würden sich an der Aktion beteiligen. Als Preis gebe es dann unter anderem eine Flasche Champagner, Burger oder auch ein Rumpsteak mit Pommes, sagt Leussler. Generell finde er die Bon-Pflicht aber nicht gut. „Das Thermopapier ist ja eigentlich Sondermüll, den man erst wieder entsorgen muss.“

Geschäftsleute äußern sich kritisch

Auch bei „Anne und Timo Friseure“ hält man nicht viel von der Kassenzettel-Pflicht und zieht ein kritisches Fazit. Bei den meisten Kunden komme das Gesetz auch nicht gut an. „Zudem ist es ja eine Riesen-Papierverschwendung“, sagt eine Mitarbeiterin. Geschäftsführer Timo Baumgärtner kritisierte die Bon-Pflicht bereits vor deren Einführung gegenüber Merkurist: „Ich habe nichts gegen die Kontrolle, aber diesen Müll zu produzieren, ärgert mich - das hat keinen Sinn.“

Betroffen von der Pflicht ist demnächst auch „Gauls Catering“, das unter anderem für das Essen und die Getränke in der Opel Arena zuständig ist. Geschäftsführer Darabi Spanos wehrt sich gegen die verpflichtende Ausgabe von Kassenzetteln. „Es macht in diesem Fall unserer Ansicht nach keinen Sinn, da bei uns die Zahlung bargeldlos erfolgt. Würden wir bei der Zahlung etwas nicht verbuchen, würden wir auch kein Geld erhalten.“ „Gauls“ werde versuchen, sich von der Regelung befreien zu lassen, es gebe nämlich Ausnahmeregelungen. „Man muss sich nur vorstellen, welche Unmengen an Papier wir pro Heimspiel wegen der Kassenbons verschwenden würden“, so Spanos.

Bei Friseursalon „Hair Company“ in der Oberstadt sieht man die Kassenzettel-Pflicht noch gelassen. „Wir schreiben die Rechnungen per Hand, wenn gewünscht“, so eine Mitarbeiterin. Eine extra für die Bon-Pflicht aufgerüstete Kasse besitze das Geschäft noch nicht. Doch das muss es auch noch nicht. Laut Bundesfinanzministerium müssen die Ladenkassen erst bis Ende September 2020 mit der technischen Sicherheitseinrichtung ausgerüstet werden, die Manipulationen verhindert. Generell würden die Kunden aber eher keinen Wert auf einen Bon legen, sagt die Mitarbeiterin. (pk)

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