Nach Tod des Obdachlosen Josef: Verein kritisiert Stadt und Land

Der Obdachlose starb vergangene Woche in der Rathaus-Tiefgarage

Nach Tod des Obdachlosen Josef: Verein kritisiert Stadt und Land

Nach dem Tod des Wohnungslosen Josef hat der „Verein Armut und Gesundheit“ Kritik an der Stadt Mainz geübt. „Das hätte nicht passieren müssen, wenn er eine feste Unterkunft gehabt hätte“, sagte der Arzt und Vorsitzende des Vereins Gerhard Trabert bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Josef war vergangene Woche in der Tiefgarage am Mainzer Rathaus gestorben. Woran, dürfe der Arzt wegen seiner Schweigepflicht nicht sagen, doch es habe weder am Alkohol gelegen, noch sei Josef erfroren.

„Sie stehen an unterster Stelle in diesem System.“ - Nele Kleinehanding

Laut Trabert gibt es in der Stadt zu wenige Schlafplätze für Obdachlose. Viele Menschen kämen wie Josef aus EU-Ländern nach Deutschland, um ihre Familie zu unterstützen. In vielen Fällen fänden sie keine Arbeit und hätten dann keinerlei Sozialansprüche. „Sie stehen an unterster Stelle in diesem System“, so Nele Kleinehanding vom Verein Armut und Gesundheit. „Das ist ein Versagen der EU“, sagt Trabert. Man habe eine Offenheit für Arbeitskräfte geschaffen, aber kein soziales Netzwerk, das die Menschen auffängt, wenn sie keine Arbeit finden.

Sonderregelung in Mainz

Landeten sie auf der Straße, hätten sie es in Mainz schwer. Nach einer Sonderregelung dürfen maximal zwei Männer aus Europa ohne Sozialleistungsanspruch jeweils in den Unterkünften Thaddäusheim und Egli-Haus unterkommen - für höchstens 14 Tage. Einen erneuten Anspruch hätten sie erst wieder nach drei Monaten. Auch Frauen können einen der vier Plätze in Anspruch nehmen, übernachten dann aber im Wendepunkt.

Für die Mainzer Sonderregel sei man dankbar, aber sie sei nicht genug, so Trabert. „Die derzeitige Regelung birgt die große Gefahr, dass Menschen, insbesondere aus Osteuropa, in Deutschland, in Rheinland-Pfalz und speziell in Mainz erfrieren werden.“ Derzeit leben in der Stadt etwa 25 bis 30 wohnungslose EU-Bürger.

Kritik übte der Verein Armut und Gesundheit auch am Land Rheinland-Pfalz. Vor zwei Jahren wurde der sogenannte EHAP-Fond für Bedürftige ins Leben gerufen. EU-weit konnten Gelder abgerufen werden. Traberts Verein aber habe dafür Unterstützung gebraucht, da die eigenen Kapazitäten nicht ausgereicht hätten. „Wir haben das Land um eine Kooperation gebeten, wir haben die Kommune gebeten. Keiner hat reagiert", so Trabert. Im Gegensatz zu Wiesbaden: Dort seien die Gelder beantragt und eine Stelle einrichten worden, an die sich EU-Bürger wenden können.

Da gerade bei den derzeitig kalten Temperaturen viele Menschen auf der Straße krank werden, wandte sich der Verein vor rund zwei Wochen erneut an die Stadt und die Gesundheits- und Migrationsministerien sowie an die Wohnungslosenhilfe und Krankenhäuser. Der Verein habe in einem Gespräch klar gemacht: „Wir haben große Angst davor, dass EU-Bürger erfrieren, weil die Übernachtungsmöglichkeiten nicht aussreichen oder dass sie sterben, weil sie keine ausreichende medizinische Versorgung haben“, sagt Trabert. „Alle haben uns zugehört, aber gesagt: 'Wir können nichts leisten.'“

„Nach Josefs Tod habe ich von der Polizei eine große Wertschätzung und Empathie für ihn erfahren.“ - Gerhard Trabert

Nun sei genau das eingetreten, wovor der Verein gewarnt habe: Josef sei in Traberts Augen aufgrund der fehlenden Versorgungsstruktur gestorben. Der Arzt kannte Josef seit 2010. „Er war ein liebenswürdiger Mensch, der viel gelacht hat. Er war aber auch oft verzweifelt.“ Josefs Leiche wird zu Verwandten in die Slowakei gebracht, Traberts Verein plant eine Trauerfeier. „Nach Josefs Tod habe ich von der Polizei eine große Wertschätzung und Empathie für ihn erfahren. Die hätten wir uns auch von anderen Stellen schon vorher gewünscht.“

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