Maria, das "traurige Mädchen"

"Maria" ist aufmerksamen Mainzern schon lange aufgefallen, mal an ruhigen, mal an viel befahrenen Orten. Ein Graffiti von einem immer traurig schauenden Mädchen an den Wänden der Stadt bringt die Menschen zum Nachdenken - wenn sie es denn bemerken.

Maria, das "traurige Mädchen"

"Sie ist in Mainz allgegenwärtig und doch fällt sie nicht wirklich auf", beschreibt Fotograf Marcel ein ganz besonderes "Meenzer Mädsche". Mal sei sie von starkem Verkehr, mal von beängstigender Einsamkeit und Zerfall umgeben. Manchmal trägt sie ein Kleid mit Kreismotiv, mal trägt sie unifarbene Kleider. Eine Sache behält sie jedoch immer bei: ihr trauriges Gesicht.

Fast 70 traurige Mädchen sind in Mainz und Umgebung dokumentiert, besonders viele in der Neustadt. Die "traurigen Mädchen" haben es aber auch außerhalb von Mainz, zum Beispiel nach Bingen und Nieder-Olm, geschafft. "Maria" zieht es auch mal weiter in die Ferne: nach Wien und Valencia, wie man auf Flickr sehen kann.
Das Mainzer Mädchen findet stets den Weg ins Internet. Auf einem Literaturblog kann man "Streetart Stories" über das Mädchen lesen. Auch der Blog Dosenkunst zeigt eine Fotoserie einiger Kunstwerke in der Neustadt. Die Mainzer geben ihr viele Namen: "Maria", "das traurige Mädchen" oder "La Mayencaise triste". Zahlreiche Blogs haben es sich zur Aufgabe gemacht, alle "traurigen Mädchen" zu finden. Es wurden sogar Karten erstellt, wo die Fundorte eingetragen werden.

Danares.mag schreibt: "Aber immer schwingt die Traurigkeit mit, wenn sie uns an jenen tristen Orten der Stadt anblickt, die niemals Aufnahme in die Tourismus-Broschüren finden werden."

Denn das Motiv regt die Mainzer zum Nachdenken an.

Serienmotiv für Fotografen

"Natürlich ist es auch spannend, sich auf die Suche zu begeben und ein neues, im Netz noch nicht veröffentlichtes, trauriges Mädchen zu finden", sagt Fotograf Marcel. Seit 2006 fallen ihm diese besonderen Graffitis schon auf, doch erst vor drei Jahren habe er angefangen, sie zu fotografieren. Auf seinem Fotoblog kann man seine neuesten Fotografien von "Maria" verfolgen.

Es fasziniere ihn, dass sie eigentlich überall zu sehen seien, aber erst dann auffielen, wenn man bewusst auf sie achte und Ausschau halte. Für den Fotografen hat seine Fotoserie der Straßenkunst einen besonderen Wert: "Es ist als eine Dokumentation Mainzer Zeitgeschichte zu verstehen, denn häufig werden die Graffitis nicht einfach übermalt oder entfernt, sondern gehen mit dem Abriss eines Gebäudes verloren."

Wer hinter den Graffitis steckt, weiß der Fotoblogger nicht. Eines ist ihm aber aufgefallen: in Nähe der Mädchen findet sich oft ein weiteres Graffiti, das aus den Buchstaben BWOL besteht. Dieser sogenannte "Tag" deute darauf hin, dass es sich auch um eine Gruppe von Künstlern handeln könnte.

Die weitere Suche nach dem Künstler der "Marias" verläuft schwierig. Einmal wird gesagt, der Künstler sei auf jeden Fall männlich, andere behaupten wiederum, es handle sich um eine Künstlerin. Es scheint, als wolle der Verantwortliche im Verborgenen bleiben und uns weiter rätseln lassen, wer hinter den Mädchen steckt.

Merkurist