75 Jahre nach Hiroshima: Welche Folgen hätte ein Nuklearangriff für Mainz?

100.000 Menschen waren bei den Atomangriffen auf Hiroshima und Nagasaki sofort tot. Beide Städte waren zerstört. Das ist mittlerweile 75 Jahre her. Doch was wäre, wenn ein solcher Angriff Mainz treffen würde?

75 Jahre nach Hiroshima: Welche Folgen hätte ein Nuklearangriff für Mainz?

Vor 75 Jahren warfen die US-Amerikaner während des Pazifik-Krieges zwei Atombomben über Japan ab. Am 6. August 1945 detonierte „Little Boy“ mit einer Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen über Hiroshima. Drei Tage später folgte „Fat Man“ mit einer Sprengkraft von etwa 20 Kilotonnen. Sie wurde über Nagasaki abgeworfen. 100.000 Menschen waren sofort tot, bis Ende 1945 starben weitere 130.000.

Die schrecklichen Bilder von damals sind vielen im Gedächtnis. Doch was wäre, wenn das heute passieren würde? Das hat sich auch der Historiker Alex Wellerstein gefragt. Er rief daraufhin das Projekt „Nuke Map“ ins Leben. Auf der Webseite lassen sich Angriffe mit verschiedenen Atombomben simulieren. Wir von Merkurist haben Angriffe wie die auf Hiroshima und Nagasaki auf Mainz übertragen.

Wie sieht das für Mainz aus?

Würde man eine Atombombe wie die auf Hiroshima über Mainz abwerfen, wäre die Stadt größtenteils zerstört. Geschätzt würden rund 42.000 Menschen bei dem Vorfall sofort ums Leben kommen. Weitere 64.000 Menschen wären verletzt, viele würden an den Spätfolgen sterben.

Die Bombe würde in unserem Szenario über der Großen Langgasse / Schillerplatz abgeworfen werden. Ein riesiger Feuerball würde im Umkreis von 180 Metern alles auf einen Schlag verdampfen lassen. Etwa 340 Meter um die Einschlagsstelle herum wären Gebäude stark zerstört. In unserem Szenario wären davon unmittelbar der Osteiner Hof, Teile der Ludwigsstraße und der Fastnachtsbrunnen betroffen. Alle Menschen, die sich hier aufhalten, wären auf der Stelle tot.

In einem Umkreis von 1,2 Kilometern würde schnell hochradioaktives Material zu Boden gehen, das beträfe eine Fläche von rund 5 Quadratkilometern. Für die Menschen, die sich hier aufhalten, hätte das tödliche Folgen. Viele sterben sofort. Man schätzt, dass etwa 15 Prozent der Überlebenden später an Krebs sterben werden.

Die Druckwelle beschädigt viele Gebäude bis zu einem Umkreis von 5 Kilometern um die Einschlagsstelle herum, viele würden einstürzen. Das würde dann die Stadtteile Altstadt, Neustadt, Hartenberg-Münchfeld, Oberstadt und Bretzenheim betreffen. Doch nicht nur die Druckwelle ist ein Problem, auch die extreme Hitze würde viele Opfer fordern. Verbrennungen dritten Grades gäbe es laut „Nuke Map“ mit 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit in einem Umkreis von knapp 2 Kilometern.

Welche Auswirkungen hätte „Fat Man“?

Auch eine Bombe wie „Fat Man“, die am 9. August 1945 über Nagasaki abgeworfen wurde, hätte verheerende Folgen. Rund 45.000 Menschen wären sofort tot, 64.000 wären verletzt.

Alles in einem Umkreis von 200 Metern würde verdampfen, auf bis zu 800 Metern Umkreis gäbe es schwerwiegende Zerstörungen und viele Tote. Sofort zerstört wären wohl unter anderem alle Gebäude auf dem Schillerplatz, der Mainzer Dom, die Quintinskirche, St. Stephan und St. Bonifaz. Die Mainzer Innenstadt würde so, wie wir sie heute kennen, nicht mehr existieren.

Hochradioaktive Partikel kämen in einem Umkreis von 1,3 Kilometern um die Einschlagsstelle nieder. Verbrennungen dritten Grades wären ein einem Umkreis von 2 Kilometern zu erwarten.

Glücklicherweise ist dies nur eine Simulation. Doch sie zeigt auf erschreckende Art und Weise, wie schwer eine Stadt von einem solchen Ereignis getroffen werden könnte. Nicht nur die Hiroshima- und Nagasaki-Bomben lassen sich hier simulieren, auch neuere Atombomben, wie aus vergangenen Tests in Nordkorea oder aus Russland, sind Teil der „Nuke Map“. (pk)

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