Mainzer Fußgängerzone bald wie leergefegt?

Immer weniger Passanten sind in der Mainzer Innenstadt unterwegs. Das geht aus einem Passantenfrequenzreport hervor. Aber woran liegt das?

Mainzer Fußgängerzone bald wie leergefegt?

Die Mainzer Fußgängerzone verliert ihre Fußgänger. Das geht aus dem Passantenfrequenzreport der BNP Paribas Real Estate hervor. Für die Studie wurde an einem bestimmten Stichtag die Passantenfrequenz in den Fußgängerzonen von 27 Einkaufsstädten gemessen. Im bundesweiten Ranking schafft es die Einkaufszone am Brand mit rund 4000 Passanten pro Stunde nur auf Platz 55 von 100 Einkaufslagen. Die Schusterstraße kommt mit nur 3314 Passanten auf Platz 66 und die Stadthausstraße mit 2422 Passanten auf Platz 80.

Ein Eindruck, den auch Leser teilen. Merkurist-Leser Julian fragt in seinem Snip: „Weniger Passanten in Mainz - Was gedenkt die Stadt dagegen zu tun?“. Ein anderer Leser findet, dass viele Mainzer zum Einkaufen nach Hessen fahren, zum Beispiel zu Globus oder Decathlon. Erik findet: „Meines Erachtens tut die Stadt Mainz alles dafür, dass immer weniger Menschen dort einkaufen oder sich aufhalten wollen.“

Schlechte Dynamik im Einzelhandel

Der Report bewertet die Zahlen gar nicht so negativ. „Mit unterschiedlichen Vierteln und Fachgeschäften bieten die innenstädtischen Einkaufslagen in Mainz ein breites Spektrum für die Bedürfnisse unterschiedlicher Konsumenten“, heißt es im Bericht. Es fehle aber an Dynamik im Einzelhandel. Hierfür hat die Stadt schon 2005 das sogenannte Zentrenkonzept aufgestellt, mit dem die Entwicklung des Einzelhandels geplant und gefördert werden soll. Den Zahlen des Passantenfrequenzreportes zufolge hat sich aber im vergangenen Jahr nicht viel verbessert.

Seit 2018 hat es laut Report nur zwölf Neueröffnungen in der Mainzer Innenstadt gegeben, darunter ein großer Teil aus der Gastronomie. Das Shoppingangebot sei nur durch sechs neue Läden erweitert worden. Das liege vor allem daran, dass nicht genügend Großflächen zum Angebot stehen. Zum Vergleich: In Wiesbaden eröffneten im selben Zeitraum 50 neue Geschäfte.

Das möchte die Stadt ändern. Laut Report gibt es große politische Bemühungen, die Einkaufszonen weiterzuentwickeln und gleichzeitig „das Shopping-Flair aus den vergangenen Dekaden zu bewahren“. Dabei stehe besonders der Umbau der Ludwigsstraße und des Karstadt-Gebäudes im Fokus. Hier sollen Einkaufsgeschäfte und Restaurants mit dem Kulturaspekt verbunden werden. Das Konzept sieht Platz vor für Pop-up-Stores, Gastronomiebetriebe, ein Hotel und einen Club (wir berichteten). „Neben diesem Zukunftsprojekt sind die Bauarbeiten in der Großen Langgasse noch in vollem Gange, und eine Fertigstellung dieser Einkaufsstraße wird zum Jahresende 2019 erwartet“, heißt es außerdem im Bericht.

Schlechte Verkehrsinfrastruktur

Ein weiteres Problem, das der Report aufgreift, ist die fehlende Zentralität. Die weit verstreuten Einkaufsstraßen seien in Mainz schwer zu erreichen. Das sei laut Umfrageergebnissen besonders auf die Verkehrsinfrastruktur zurückzuführen. Die Anbindungen seien „aktuell nicht optimal“. Auch Merkurist-Leserin Kathinka sagt: „Ein übergreifendes innerstädtisches Verkehrskonzept ist dringend erforderlich! Lieferverkehr, Besucherströme, Parkhäuser, ÖPNV und alle Verkehrsarten inklusive Fußgänger müssen hier berücksichtigt werden.“ Andere Merkurist-Leser bemängeln außerdem die hohen Parkgebühren.

Im Bericht der BNP Paribas Real Estate heißt es, die Stadt möchte Anbindungen „durch neue Konzepte verbessern, um so vermehrt auch Kunden aus dem Umland zu gewinnen“. Im Zentrenkonzept von 2005 wurde vorgeschlagen, die Geschäfte in einem „tripoligen Bereich zwischen Brand, Römerpassage und Karstadt“ zu verdichten, sodass sich die Fußgänger auf den Einkaufsstraßen besser orientieren können. Zu einer verbesserten Verkehrsanbindung ist im Zentrenkonzept aber bisher nichts vermerkt.

Welche Ideen habt Ihr für eine belebtere Innenstadt? Postet sie unter den Artikel! (df/rk)

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