Proteste vor Burschenschaft „Germania Halle“ angekündigt

Kommt der umstrittene rechte Aktivist Martin Sellner zu einer Veranstaltung der Burschenschaft „Germania Halle“? In der Mainzer Oberstadt wurde bereits eine Demonstration angemeldet. Grund dafür ist auch das Thema der Veranstaltung.

Proteste vor Burschenschaft „Germania Halle“ angekündigt

Die Partei Die Linke hat für Donnerstag eine Demonstration vor der Burschenschaft Germania Halle angemeldet. Grund für die Demonstration, die unter dem Motto „Nazi-Hipster zurück ins Planschbecken!“ steht, war ein geplanter Vortragsabend in der Burschenschaft, zu dem angeblich auch der umstrittene österreichische Aktivist Martin Sellner kommen sollte. Sellner ist einer der führenden Akteure der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich. Wie die Burschenschaft am Dienstagabend mitteilte, soll der Vortragsabend nun nicht wie geplant stattfinden.

Der Vortrag am Donnerstagabend sollte das Motto haben „Defend Europe! – die C-Star im Einsatz gegen Schlepper-NGOs. Erlebnisbericht vom Mittelmeer“. Im Sommer hatten Aktivisten der rechten Identitären Bewegung das Forschungsschiff C-Star gechartert, um Flüchtlinge daran zu hindern, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Martin Sellner gehört zu den Initiatoren der Aktion. Angeblich sollte Sellner „sein heimisches Österreich verlassen und eine Vortragstour machen, in der er über seine spannenden Abenteuer mit der C-Star im Mittelmeer berichten möchte“, so die Linke in der Facebook-Veranstaltung zur Demonstration „Aber unabhängig, ob nun Sellner selbst oder ein anderer Vogel von Bord der C-Star kommt, wir werden es nicht tolerieren, wenn Seenotrettung behindert und damit bewusst der Tod von Menschen in Kauf genommen wird“, so die Linke weiter.

Vortragsabend fällt aus

Die Burschenschaft Germania Halle schrieb dazu auf Merkurist-Anfrage: „Es handelt sich bei dem angekündigten Vortrag und Erlebnisbericht um eine Berichterstattung über die Aktion 'Defend Europe', nicht um einen Vortrag von 'Defend Europe'.“ Auf Sellner geht die Burschenschaft in ihrer schriftlichen Stellungnahme nicht direkt ein. Stattdessen heißt es: „Der Referent ist Journalist und hat die von internationalen Aktivisten durchgeführte identitäre Aktion seiner Zeit vor Ort begleitet.“ Es sei „höchst fragwürdig“, dass angereiste Gegendemonstranten den Alltag unbeteiligter Anwohner „aufgrund von Falschmeldungen der örtlichen Presse“ beeinträchtigten.

Am Dienstagabend teilte die Burschenschaft nun mit: „Die für den 30.11. terminierte Veranstaltung auf unserem Haus wird nicht wie geplant stattfinden. Statt des ursprünglichen Vortrags wird ein Diskussionsabend zum Thema 'Defend Europe' stattfinden.“

Polizei rechnet mit rund 100 Demo-Teilnehmern

Die Demonstration soll aber dennoch stattfinden. Laut Polizei soll der Demonstrationszug um 18:30 Uhr am Mainzer Hauptbahnhof starten und von dort zur Burschenschaft in der Stahlbergstraße laufen. „Wir werden vor Ort sein und den Aufzug begleiten, aber auch die Versammlungsfreiheit gewährleisten“, so Polizei-Sprecher Rinaldo Roberto gegenüber Merkurist. „Wir werden also zum einen die Demonstranten schützen, zum anderen aber auch die Veranstaltung in der Burschenschaft.“ Die Teilnehmerzahl des Aufzugs lasse sich schwer voraussagen, man gehe aber momentan von etwa 100 Teilnehmern aus.

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