„Mainz liefert“: Umstrittene Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe

Die Gewerkschaft FAU protestiert bereits zum zweiten Mal gegen die „miserablen Arbeitsbedingungen“ des Lieferservice „Mainz liefert“. Was ist dran an den Vorwürfen?

„Mainz liefert“: Umstrittene Gewerkschaft erhebt schwere Vorwürfe

Verstößt „Mainz liefert“ gegen die Arbeitsgesetze? Die Gewerkschaft „Freie Arbeiter*innen Union Frankfurt/Mainz“ (FAU) kritisiert „die dort herrschenden, miserablen Arbeitsbedingungen“ bereits seit einigen Monaten. Am Freitag (4. März) sind wieder einige von ihnen auf die Straße gegangen. „Es ging darum, die Einhaltung existierender Arbeitsrechte durchzusetzen, nachdem dies unseren Kenntnissen zur Folge bisher nicht der Fall ist“, heißt es von Seiten der FAU.

Es ist nicht der erste Protest: Schon Anfang Februar hatten sich Gewerkschaftsmitglieder vor dem Unternehmenssitz des Lieferdienstes in der Mainzer Altstadt versammelt: „Fundamentale Rechte wie die Gewährung von bezahltem Urlaub oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden verweigert“, so die Vorwürfe. Zudem werde sich nicht an die gesetzlich vorgeschriebenen Mindesteinsatzzeiten gehalten. Die Ausrüstung der Fahrer sei weder verkehrssicher noch entspreche sie dem, „was arbeitsvertraglich zugesichert wurde“. Gefordert werden unter anderem Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlter Urlaub, Arbeitskleidung sowie eine Erhöhung des Stundenlohns.

Laufendes Verfahren

Was ist dran an den Vorwürfen? Das Arbeitsgericht Mainz bestätigt auf Merkurist-Anfrage, dass es ein anhängiges und ein abgeschlossenes Verfahren gegen „Mainz liefert“ gibt. Das abgeschlossene Verfahren aus dem Jahr 2021 sei jedoch ohne Urteil abgeschlossen worden. „Im anhängigen Verfahren aus 2022 ist die Güteverhandlung anberaumt“, berichtet Ruth Lippa, die Vorsitzende der dritten Kammer. Das heißt: Es wird den Parteien ein Vergleichsvorschlag gemacht. Einen in der Allgemeinen Zeitung beschriebenen Fall einer Mitarbeiterin aus dem Jahr 2020, die weder Spritkosten bekommen noch vertraglich festgelegten Urlaubsanspruch gehabt haben soll, dementiert Lippa jedoch. „Es gab weder ein Verfahren aus dem angegebenen Jahr noch seitens einer weiblichen Klägerin.“

Der Beschuldigte indes spielt den Ball zurück: „Die Vorwürfe sind völlig haltlos. Die FAU hat noch keinerlei Beweise vorgelegt“, entgegnet „Mainz liefert“ auf Anfrage. „Vielleicht sollte hier eher die Quelle der FAU hinterfragt werden.“ Das Unternehmen versichert, sich an alle gesetzlichen Vorgaben zu halten und es weiter zu tun. Der Lohn der Mitarbeiter würde beim gesetzlichen Mindestlohn beginnen, könne aber durch bestimmte Boni steigen, darunter ein Corona-Bonus. Urlaub und Entgeltfortzahlung würden ebenfalls gewährt. Fahrräder würden etwa durch Swapfiets oder der Mainzer Mobilität zur Verfügung gestellt und dort regelmäßig gewartet.

Von der FAU belästigt?

„Unsere Mitarbeiter fühlen sich von der FAU regelrecht belästigt und terrorisiert“, schreibt „Mainz liefert“. „Sie wurden in der Vergangenheit anonym angerufen und von ihrer Arbeit abgehalten.“ So hätten die „tatsächlichen Mitarbeiter“ bereits eine eigene Unterschriftenliste gegen die Vorwürfe initiiert. Darin bittet einer von ihnen „im Namen der gesamten Belegschaft von Mainz-Liefert“ die FAU, dass „WIR als Mitarbeiter sowohl auch unser Arbeitgeber in Ruhe gelassen werden“. Berichte, Online-Beiträge und Kommentare sollen entfernt werden, um die Arbeitsplätze nicht zu gefährden. „Sie verbreiten hier Unwahrheiten“, heißt es dort. Weder wollen sie, dass die FAU Kontakt aufnimmt noch Fragen beantworten. „Niemand von uns hat Sie beauftragt oder darum gebeten, sich für uns einzusetzen.“

Unterschrieben haben darin 36 Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiter von „Mainz liefert“, ein Scan der Liste liegt Merkurist vor. Auch eine Mediatorin sei eingeschaltet worden, um „eine einvernehmliche Lösung zu finden“. Das jedoch sei abrupt von der Gegenseite beendet worden.

Beschwerden von Mitarbeitern würden aktuelle keine vorliegen. Für Fragen der Mitarbeiter habe man immer „ein offenes Ohr“ und würde das persönliche Gespräch auch suchen. Kein Mitglied der FAU sei vor Gericht mit „Mainz liefert“. „Das einzige Ziel der FAU ist es, Unwahrheiten über uns zu verbreiten und ‘Mainz liefert’ in der Öffentlichkeit schlecht zu machen“, so das Unternehmen.

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