Mainzer Arzt über Situation in Moria: „Sie müssen aus dieser Hölle hier herauskommen“

Der Mainzer Arzt Gerhard Trabert setzt sich schon seit Jahren für Menschen in Not ein - so auch jetzt. Aktuell ist er in Griechenland und berichtet von dort über die schwierige Situation der Flüchtlinge.

Mainzer Arzt über Situation in Moria: „Sie müssen aus dieser Hölle hier herauskommen“

Seit dem vergangenen Wochenende ist der Mainzer Arzt Gerhard Trabert auf der griechischen Insel Lesbos und findet klare Worte für die Situation vor Ort. Auf seiner Facebook-Seite berichtet er von den Zuständen nach den Bränden in dem ehemaligen Flüchtlingslager Moria. Am Dienstagabend meldet er sich mit einer Videobotschaft zu Wort - und findet darin klare Worte.

Im Hintergrund des Videos sieht man zerstörte Gebäude und Zelte. Auch dem Mainzer Arzt sieht man die Erschöpfung an. Trabert richtet deutliche Worte an die deutsche Regierung: „Immer häufiger sehe ich Menschen, die depressiv und deprimiert sind. Und dann wird in Deutschland darüber diskutiert, dass irgendwelche Menschen, vielleicht auch geflüchtete Menschen, ein Feuer angezündet haben. Aber 11.890 Menschen haben nichts damit zu tun und leiden hier.“ Er findet, dass „das kein Argument sein kann, den Menschen hier nicht zu helfen und sie zu evakuieren“.

Er hilft seit dem vergangenen Wochenende dabei, Menschen medizinisch zu versorgen. „Durch unsere Kontaktperson haben wir die Möglichkeit herzukommen. Hier befindet sich auch unsere Ambulanz, wo wir eine medizinische Versorgung anbieten.“ Die Situation der Menschen vor Ort sehe allerdings nicht gut aus. „Sehr viele Menschen haben alle möglichen Erkrankungen, aber viele Erkrankungen hängen auch mit der Situation zusammen. Weil es keine hygienischen Standards gibt, weil es kein Trinkwasser gibt. Das ist schon skurril“, erzählt Trabert.

Besonders die Versorgung mit Essen und Trinken beschreibt er als großes Problem: „Wenn ich sage, sie müssen die Tabletten dreimal am Tag beim Essen einnehmen, dann bekomme ich gesagt, ich bekomme aber nur einmal, wenn überhaupt etwas zu Essen. Wenn ich sage, sie müssen mehr trinken, weil es so heiß ist und sie dehydriert sind und Kopfschmerzen haben, dann heißt es, ich habe aber nichts zu trinken.“ Am Ende des Videos macht Trabert noch einmal deutlich, dass den Menschen in Moria geholfen werden muss: „Das ist die einzig richtige Lösung. Sie müssen aus dieser Hölle hier herauskommen.“

Gerhard Trabert setzt sich schon seit Jahren für Menschen in Not ein. In unseren Interviews erzählt er mehr über seine Arbeit. Mehr dazu lest Ihr hier. (mm/nl)

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