Aerosolforscher: „Der Einfluss der Maskenpflicht ist nicht sehr groß“

Warum muss im Bus weiter Maske getragen werden, im Supermarkt aber nicht? Und wie effektiv ist überhaupt eine Maskenpflicht? Der Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch klärt auf.

Aerosolforscher: „Der Einfluss der Maskenpflicht ist nicht sehr groß“

Von Sonntag (3. April) an fallen in Rheinland-Pfalz fast alle Corona-Regeln weg. Was bleibt, sind nur noch Basis-Schutzmaßnahmen: Dazu zählt die Maskenpflicht in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und im ÖPNV. Keine Maske muss hingegen im Supermarkt oder Einzelhandel getragen. Doch ergibt das überhaupt Sinn? Ist es im Bus „gefährlicher“ als an der Supermarktkasse?

Der Aerosolforscher Dr. Gerhard Scheuch findet: ja. In der Vergangenheit hatte Scheuch immer wieder Corona-Maßnahmen kritisiert (wir berichteten), in diesem Fall sieht er aber einen Sinn. „Je enger und schlechter belüftet ein Raum ist, umso gefährlicher. Deshalb halte ich es aus wissenschaftlicher Sicht für richtig, da man im Bus gefährdeter ist.“

Doch ist es überhaupt richtig, jetzt fast alle Maßnahmen aufzuheben? Scheuch sagt: „Einerseits ist die Aufhebung aller Maßnahmen bei so hohen Infektionszahlen problematisch. Andererseits ist es wirklich klar, dass Omikron selbst für ungeimpfte Personen weniger gefährlich zu sein scheint im Vergleich zur Delta Variante.“ Deshalb müsse man ein „Leben mit Covid“ wagen. „ZeroCovid und NoCovid haben nicht funktioniert. Also geht nur WithCovid“, so Scheuch. Außerdem gebe es einen echten Freedom Day in Deutschland nicht. „Wir heben die meisten Beschränkungen auf. Und dann stellt sich mir als Wissenschaftler immer wieder die Frage: Welche Maßnahmen sind wie effektiv? Das ist noch immer nicht gut erforscht.“

Einfluss der Maskenpflicht „nicht sehr groß“

Scheuch vermutet, dass viele Menschen auch weiterhin Maske tragen werden. „Ich glaube, viele Menschen haben schlicht Angst. Und wenn man Angst hat und sich selbst schützen möchte, dann ist es ja auch okay, wenn man sich durch eine gute und gut sitzende Maske schützt“, so der Aerosolforscher. Bei anderen sei eine Maskenpflicht nicht unbedingt zielführend. „Was nützt es denn, wenn ich jemanden dazu zwinge, eine Maske aufzusetzen, der sich die Maske aber nur ganz einfach vor den Mund bindet und mit freier Nase ins Geschäft marschiert? Das ist genauso, als wenn er gar keine Maske auf hätte. Wenn ich aber weiß, dass mich die Maske schützt, wenn ich sie korrekt trage, dann hilft das allen viel mehr, insbesondere aber dem Träger.“

Ohnehin sei der Einfluss der Maskenpflicht „nicht sehr groß“. Die Schätzungen reichten von 15 bis 25 Prozent Reduktion des Infektionsgeschehens, so Scheuch. Deutlich wirkungsvoller sei Lüften. In Italien seien gerade bei einer großen Schulstudie fast 10.500 Klassenzimmer untersucht worden. Scheuch sagt: „Dort wurde festgestellt, dass bei einem sechsfachen Luftwechsel pro Stunde die Anzahl der Corona-Infektionen um 82 Prozent gesenkt werden konnte.“

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