Tierheim Ingelheim steht vor dem Aus

Wegen steigender Kosten sind die Ausgaben des Ingelheimer Tierheims in die Höhe geschossen. Das bedroht jetzt dessen Existenz. Helfen könnte nun Unterstützung aus den Gemeinden.

Tierheim Ingelheim steht vor dem Aus

Sie wissen nicht, wie sie sich in ein paar Monaten noch finanzieren sollen, so groß sind aktuell die Geldsorgen: Wenn nicht schnell Hilfe kommt, droht dem Ingelheimer Tierheim die Schließung. „Wir haben aktuell noch Rücklagen in Höhe von ca. 30.000 Euro, unsere monatlichen Ausgaben betragen ca. 22.500 Euro“, teilt Thomas Geyer vom Verein „Tierhelfer Ingelheim“ mit.

Die Gründe für die Geldprobleme seien vielfältig, so Geyer: Zum einen lassen die höheren Energiekosten die Ausgaben steigen, zum anderen würden im Tierheim deutlich mehr kranke und auffällige Tiere abgegeben. „Dadurch haben wir stark steigende Tierarztkosten.“ Künftig würden zudem die Tierarztgebühren angehoben. Außerdem seien die Spenden zurückgegangen und Vereinsfeiern mussten abgesagt werden, deren Einnahmen dem Verein zugutegekommen waren. Viele Ehrenamtliche seien durch Corona weggefallen, das habe die Personalkosten steigen lassen, ebenso der gestiegene Mindestlohn.

Fundtierpauschale soll auf 1,50 Euro erhöht werden

Was Geyer nun fordert, ist eine Erhöhung der Fundtierpauschale auf 1,50 Euro pro Einwohner und Jahr. Damit habe der Verein dann mehr Planungssicherheit. „Unsere Verträge sind schon sehr alt und lange nicht mehr angepasst worden“, so Geyer. Sollten die Gemeinden stattdessen entscheiden, selbst für Fundtiere verantwortlich zu werden, müssten sie die Personalkosten tragen. Und die könnten dann um ein Vielfaches höher ausfallen als die geforderte Pauschale von 1,50 Euro. Auch hofft er auf Unterstützung von der Landes- und Bundesregierung. So sollen das Thema Hundeführerschein vorangebracht werden sowie geeignete Maßnahmen, die den illegalen Welpenhandel unterbinden.

Dem SWR versicherte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim, Benno Neuhaus, bereits, dem Tierheim für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Geyer wünscht sich eine „zeitgemäße Zusammenarbeit“ mit den Gemeinden. So sollen den Bürgermeistern die steigenden Ausgaben besser bewusst werden. Ein Teil der Hundesteuer könne etwa in den Tierschutz fließen, schlägt er vor.

Geld- und Sachspenden deutlich zurückgegangen

Den Großteil der Einnahmen erhält das Tierheim durch Spenden. In der Regel seien das kleine Beträge ab fünf Euro, sagt Geyer. „Wir werden auch bei vielen Hilfegesuchen von unseren Mitgliedern und Tierfreunden finanziell unterstützt. Das hat bis 2020 immer so ausgereicht.“ Doch nun sparen die Menschen, und so seien auch die Geld- und Sachspenden deutlich zurückgegangen. „Wir mussten auf unsere Rücklagen zurückgreifen, und die sind bald aufgebraucht. Nun stehen wir mit dem Rücken an der Wand.“

Wann der Förderverein entscheidet, das Tierheim endgültig zu schließen, sei noch nicht klar. Geyer hofft, dass sich die drei umliegenden Gemeinden in den nächsten Wochen entscheiden, wie es weitergehen soll. Falls das Tierheim tatsächlich nicht gehalten werden kann, müsse man versuchen, die Tiere auf andere Einrichtungen zu verteilen. Doch auch die sind am Limit (wir berichteten), überall fehlt es an Platz und finanziellen Mitteln. Sorgen macht sich Geyer vor allem um die scheuen und gefährlichen Katzen und Hunde. „Hier waren wir in der Vergangenheit oft die, die solche Tiere von anderen Tierheimen aufgenommen haben.“

Auch die Mitarbeiter würden dann ihre Arbeitsstelle, ihren Ausbildungsplatz und die Stelle für das freiwillige soziale Jahr verlieren. Insgesamt wären neun Menschen betroffen, die teilweise seit vielen Jahren mit Herzblut ihrer Arbeit nachgingen, oft nur für den Mindestlohn. „Es hat lange gedauert, eine solche Belegschaft zu finden, die Tag für Tag mit all dem Elend und Tierleid umzugehen vermag“, sagt Geyer im Rückblick.

Wer das Ingelheimer Tierheim unterstützen möchte, findet hier alle wichtigen Infos.

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